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Essay

Merkmale der Schreibform


Essays besitzen eine große Vielfalt, die eine eng umgrenzte und genaue Festlegung von Textsortenmerkmalen erschweren. Zur "offenen Form erklärt, die jeden Stoff und jedes Ausdrucksmittel assimilieren kann" (vgl. Stadter 2003, S. 66), wird die Textsorte sogar als "Gattung ohne Gattungsbestimmtheit" (Schumacher 1967, zit. n. ebd.) bezeichnet.

Das macht es naturgemäß auch nicht leichter, wenn man eine "Schulform" des Essays bestimmen will oder die für die Schule relevanten Textsortenmerkmale in ihrer Multidimensionalität beschreiben möchte. Diese Problematik kann hier nicht gelöst werden. Dessen ungeachtet sollen damit einige wichtige Merkmale der Schreibform benannt werden. Sie müssen auch nicht alle in einem Essay vorhanden sein. So kann auch das folgende Mind Map nur den Versuch darstellen, eine Reihe wichtiger Aspekte der "essayistischen Schreibpraxis" in der Schule abzubilden.

Im Handbuch für Literaturwissenschaft (1978, Bd.1, S.124) tritt Helga Bleckwenn zwar in einer heute wohl als überholt anzusehenden Weise dafür ein, den Essay im deutschsprachigen Raum als eine Gattung der bürgerlichen Literatur aufzufassen, ihre Bemerkungen zu den Stilmerkmalen des Essays können aber auch für die schulische Gestaltung von Essays wertvolle Hinweise geben: "Praktikabel ist die formale Beschreibung des Essayistischen als einer offenen dialogischen Struktur bei monologischer Sprechsituation, wobei mit »offen« die assoziative, nicht systematisch abgeschlossene Denkweise (vgl. den Topos vom E. als Spaziergang!) und mit »dialogisch« sowohl die Einstellung auf den (intendierten) Partner als auch das Argumentationsmuster, als »monologisch« die subjektive Perspektive zu bezeichnen ist. Zur stilistischen Ausprägung dieser Strukturen tragen Konjunktive, relativierende Partikeln und einschränkende Nebensätze sowie die Verwendung von Metaphern, Vergleichen und Anekdoten bei."

Auf das Wesentliche reduziert, lässt sich im Hinblick auf das essayistische Schreiben in der Schule wohl Hertweck/Langermann/Wuttke (2010, S.25) folgen, welche die "experimentelle Art, sich dem Gegenstand zu nähern und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten" als strukturbildendes Merkmal des "Denkversuchs" Essay ansehen, der in der Methode essayistischen Schreibens münde, bei der es vor allem auf das "Entwickeln der Gedanken vor den Augen des Lesers" ankomme. Dabei müssen, so die Autoren, vom Verfasser eines Essays vor allem die folgenden "Eckpunkte" beachtet werden:

  • Das Thema des Essays muss von Anfang an klar ersichtlich sein und sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text hindurchziehen.
  • Gestaltungsmittel des Essays (assoziative Gedankenführung, Wechsel der Perspektiven, subjektive Sicht, Durchspielen von Möglichkeiten) müssen funktional dazu dienen, Reaktionen und Denkanstöße bei dem jeweiligen Leser auszulösen

Angesichts eines solchen Minimalkonsenses darüber, was den Essay als solchen und als schulische Schreibform kennzeichnet, darf man sich indessen nicht erwarten, dass die Unsicherheiten im Umgang mit dieser Schreibform auf Seiten von Schülern und Lehrkräften problemlos abzubauen sind. Die Unschärfe aller Definitionsbemühungen, die sich um die "Sachtextsorte zwischen wissenschaftlicher Abhandlung und journalistischem Feuilleton" (ebd., S.25) bemühen, hat weitreichende didaktische und methodische Folgen, auf die Stadter (2003/2004,  S.41ff.) aufmerksam gemacht hat. Der Schlüssel hierzu liegt dabei wohl eher in einer an der angelsächsischen Schreibdidaktik orientierten frühzeitigen Schreibförderung als in der textanalytisch ausgerichteten Untersuchung unterschiedlicher (historischer) Formen des Essays. (→Deduktive und induktive Formen der Annäherung an das essayistische Schreiben)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013
 

     
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