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Bausteine: Wolfgang Borchert, Die Küchenuhr

Den Beginn einer Musterinterpretation analysieren

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ● Wolfgang Borchert  Kurzgeschichten Nachts schlafen die Ratten doch Die Küchenuhr Text Aspekte der Erzähltextanalyse [ BausteineVerschiedene Arbeitsanregungen (Sammlung) ▪  Den Text annotieren Die Inhaltsangabe konzipieren Die Erzählperspektiven analysieren Leiden alle Figuren an einem kollektiven Kriegstrauma?  ▪ Interpretationshypothesen prüfen und beurteilen Den Beginn einer Musterinterpretation analysieren ] An diesem Dienstag Die Kirschen Das Brot Die drei dunklen Könige Lesebuchgeschichten Mein bleicher Bruder ▪  Die Katze war im Schnee erfrorenDer Kaffee ist undefinierbar Die lange lange Straße lang Die Mauer Das GewitterDie traurigen Geranien Im Schnee, im sauberen Schnee Bleib doch, Giraffe ▪ Gottes Auge Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

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Jeder hat heutzutage bei uns Bilder vom Krieg und von Menschen im Krieg im Kopf. Die ganz Alten hierzulande und viele hundert deutsche Soldaten, die im Ausland ihren Dienst in sogenannten "Friedensmissionen" in Afghanistan, Mali oder sonstwo leisten, haben ihn unmittelbar erlebt, viele Millionen andere glauben, ihn zu kennen durch die Bilder, die ihnen durch die Medien vermittelt werden.
Wer Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte »Die Küchenuhr« liest, die wird je nachdem, wie stark diese inneren Bilder sind und welche Dynamik sie entfalten, sie schon nach den ersten Zeilen mitnehmen, wenn er sich in die weitere Geschichte vertieft.
So kann es sein, dass man sich versetzt glaubt nach »Dresden in die unmittelbare »Zeit nach dem Feuersturm vom 14. Februar 1945, nach »Homs in das vom jahrelangen Bürgerkrieg geschundene Syrien oder in das »jeminitische »Sa’da, das die von »Saudi-Arabien angeführte Militärallianz 2015 als Ganzes zu einem "militärischen" Ziel erklärt und im Bombenkrieg verwüstet hat. Und unter und zwischen oder auch ohne solche realitätsbezogenen Bilder können sich noch "Kriegseindrücke" aus einschlägigen Hollywood-Blockbustern oder virtuellen War-Games mengen.
Wolfgang Borchert hat seine Geschichte knapp zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1947 verfasst und im selben Jahr wurde sie in der Hamburger Allgemeinen Zeitung erstmals veröffentlicht. Borchert, der wie kaum ein anderer als Autor die so genannte "Stunde Null" repräsentiert, deren Menschen im ausgebombten und kriegszerstörten Deutschland er in etlichen Kurzgeschichten und vor allem seinem Heimkehrer-Drama "Draußen vor der Tür“ eine Stimme gab, starb noch im gleichen Jahr im Alter von 26 Jahren an den Folgen seiner Kriegsverletzungen, die er sich während mehrerer Einsätze an der Front zugezogen hatte, wohin er, wenn er während des Krieges nicht wegen des Verdachts auf Selbstverstümmelung und wegen Briefen, die angeblich "heimtückisch“ gegen den NS-Staat und die Partei Hitlers gerichtet waren, im Gefängnis saß, solange zur "Frontbewährung" abkommandiert wurde, bis man ihm wegen Erfrierungen an beiden Füßen, Anfällen von Gelbsucht und Fleckfiebers "Frontdienstuntauglichkeit" attestierte und ihn wieder wegen "Wehrkraftzersetzung“ für neun Monate in Untersuchungshaft steckte. Danach: Noch einmal "Strafaufschub zwecks Feindbewährung", französische Kriegsgefangenschaft und Flucht daraus nach Hamburg, wo er, ohne auf seinen gesundheitlichen Zustand Rücksicht zu nehmen, auf dem Krankenlager unablässig schreibt und mit seinen Werken einen regelrechten "Borchert-Rummel" auslöst. Kaum ein Autor hat den Nerv seiner Zeit so getroffen, wie Wolfgang Borchert. Allerdings bleiben im gerade mal zwei Jahre zum Schreiben seiner Werke, die oft ohne ihren Gehalt auch nur annähernd zu erfassen oft einfach als "Trümmerliteratur" bezeichnet werden.
Das Bild, das Borcherts Geschichte an ihrem Anfang erzeugt, ist, ein Blick in bzw. auf ein "ganz altes Gesicht" (Z. 1f., 2, 61, Hervorh. d. Verf.) eines jungen Mannes (Antithese), der gerade mal zwanzig Jahre alt ist. Das Gesicht, das nicht zu einem jungen Mann passt, der sich ansonsten noch so bewegt, wie das junge Leute dieses Alters tun, fällt auch den Menschen sofort auf, als er auf sie zukommt und sich zu ihnen auf die Bank setzt. Dem jungen Mann scheint regelrecht ins Gesicht geschrieben zu sein, was er erlebt hat und so erwähnt es auch der Erzähler erneut, als er berichtet, der junge Mann "setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf die Bank." (Z. 2f.) Sein um Jahre gealtertes Gesicht spricht Bände und dennoch kommen die Erlebnisse, die es bewirkt haben, zwischen den Banknachbarn, erwähnt werden eine Frau mit einem Kinderwagen (Z. 14f.) und ein Mann (Z. 14, 25), nicht zur Sprache.
Der junge Mann beginnt zu reden, ohne angesprochen worden zu sein oder ohne dass sonstige positiven Signale zur Aufnahme einer Kommunikation von den anderen gesendet worden sind. Was er sagt, bewegt ihn offenbar so, dass er es einfach aussprechen muss.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.09.2020

   
 
   Arbeitsanregungen:

Untersuchen Sie den Anfang der Interpretation der Kurzgeschichte.

  1. Beschreiben Sie dabei, wie der Verfasser bei seiner Interpretation vorgeht.
  2. Welche Interpretationsaspekte kommen zur Sprache?
  3. Verfassen Sie eine eigene Interpretation und nehmen Sie dabei auf den nachfolgenden Interpretationsansatz Bezug.

In der Interpretation der Kurzgeschichte von Wilhelm Große (1995, 8. Aufl. 2017, S.56) finden sich die Aussagen: Der junge Mann "ist wahnsinnig geworden" und "dieser Wahnsinn hat sich in sein Gesicht eingeschrieben und erklärt sein den anderen gleich auffälliges Verhalten und Sprechen, so dass sie zunächst verlegen reagieren, wenn sie von dem jungen Mann angesprochen werden. [...] Die im ersten Augenblick der Begegnung vorhandene Scham bei den Leuten zeigt sich z. B. darin, dass sie den jungen Mann nicht anschauen können und zur Vermeidung des Blickkontaktes in den Kinderwagen bzw. auf die Schuhe schauen."

 
 
 

 
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