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Grundtypen der
Argumentation
In seinem ersten Auftritt in Szene ▪
I,3
verfolgt ▪
Al-Hafi
gegenüber ▪
Nathan
bestimmte Absichten. In ihrem Dialog kommen dabei auch die
Prinzipien menschlicher Handlungsfreiheit zur Sprache. Dabei
gelingt es Nathan seinen Freund sehr behutsam zu einer
selbstkritischen Reflexion über die Voraussetzungen seines
eigenen Handelns als Schatzmeister
Saladins
zu bewegen. Die Art und Weise, wie beide ▪
argumentieren,
soll genauer untersucht werden.
Die Argumentationsweise von Al Hafi und Saladin unter dem
Blickwinkel ihrer Argumentation betrachten
Um
analysieren zu können, mit welcher Argumentationsstrategie Al
Hafi und Nathan in der Szene vorgehen, muss man sich zunächst
einmal vor Augen führen, welche verschiedenen Möglichkeiten es
gibt, sich miteinander argumentativ auseinanderzusetzen.
Nach
O. W. Haseloff
(1966,
1967, zit.
n.
W. Rehm 1976, S.102-105) lassen sich vier ▪
Grundtypen der
Argumentation unterscheiden.
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Wer plausibel argumentiert, vertraut auf die Kraft von Argumenten, die
sich auf den "gesunden Menschenverstand", auf Meinungen der Mehrheit, auf
Herkommen, Tradition und Gewohnheit stützen. Oft leuchtet diese Argumentation mit ihren
Übertreibungen, Verallgemeinerungen und Pauschalurteilen vordergründig rasch ein. Dies
führt dann leicht zur Verunsicherung des Gegenübers, der aber letztlich nicht überzeugt
werden kann.
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Wer moralisch argumentiert, beruft sich auf verbreitete
Wertvorstellungen und Normen in der Gesellschaft. Ethisch vorbildlich und untadelig
erscheinende Personen oder Persönlichkeiten werden aufgeführt, um die eigenen Ansichten
zu legitimieren. Man appelliert damit beim Gegenüber an Gefühl und Anstand. So entsteht
ein großer "moralischer" Druck auf den Gesprächspartner, seine Meinung zu
wechseln.
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Wer rational argumentiert, baut zur Überzeugung auf nachprüfbare
Tatsachen, auf die Überzeugungskraft von klaren Daten (Zahlenangaben, Statistiken, etc.).
In Form einer logischen Gedankenführung werden Alternativen zur eigenen Meinung
aufgezeigt, bewertet und ganz oder teilweise verworfen. Rationale Argumentation spricht
den Verstand an.
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Wer taktisch argumentiert, setzt auf die grundsätzliche Überlegenheit
der eigenen Auffassungen. Dabei tut er so, als ob er Einwände gegen die eigene Meinung
vorurteilslos beurteile und die eigene Meinung dabei "objektiv" betrachte.
Tatsächliche Gegenargumente werden als nicht vergleichbare Sonderfälle abgetan.
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Grundtypen der
Argumentation
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
16.12.2023
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