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Gegen Stammtischparolen und Vorurteile argumentieren

»Bei uns leben einfach schon zu viele Ausländer!«

Beispiel

 
 

Die Stammtischparole »Bei uns leben einfach schon zu viele Ausländer!« wird häufig dazu verwendet, um gegen den weiteren Zuzug von Ausländerinnen und Ausländern nach Deutschland Stimmung zu machen. Mit dem Wort "einfach" wird dabei an den "gesunden Menschenverstand" appelliert und zugleich jede Gegenargumentation für abwegig hingestellt. Zugleich wird mit der Äußerung "zu viel" allein an das persönliche Empfinden des Einzelnen appelliert, der unter dem "Zuviel" verstehen darf, was er gerade will. Damit soll die Zustimmung zu dieser Äußerung erlangt werden.

Wird eine solche Äußerung in einer Öffentlichkeit (Gruppe, Klasse, in einer Kneipe) usw. gemacht, muss man sich über die Voraussetzungen, unter denen die Gegenargumentation erfolgen kann, im Klaren sein. Dazu gehören vor allem vielfach belegten Erkenntnisse,

  • dass man in der Auseinandersetzung mit Stammtischparolen immer aus einer Situation der Defensive argumentieren muss (Redesituation: Vorhandensein Gleichgesinnter, die die Stammtischparole teilen)

  • dass Gegenargumentation schwierig, da sie stets komplexer angelegt und in differenzierter Form geführt werden muss (Eindimensionalität vs. Komplexität)

  • dass Emotionalität auf Seiten der Stammtischparole und Rationalität auf Seiten der Gegenargumentation prallen aufeinander

  • dass das Anführen gesicherter "objektiver“ Informationen das Welt- und Menschenbild und das Selbstbild des anderen im Allgemeinen nicht erschüttern, da solche Informationen nicht wahrgenommen und/oder einfach "passend“ gemacht werden. (kognitive Dissonanz)

Wer sich im Übrigen mit solchen Stammtischparolen hervortun will, ist also meistens nicht oder nur über Umwegen zu erreichen. Konzepte, mit denen man solche Fanatiker von ihren Überzeugungen wegbringen kann, leben letzten Endes nicht von der Kraft des besseren Argumentes, dem solche Personen wenig zugänglich sind. Auf jeden Fall ist es ratsam, auf solche oft zur reinen Provokation eingesetzten Äußerungen nicht auf den Leim zu gehen und, selbst bei den größten Abstrusitäten, selbst nicht aggressiv zu reagieren und auch die eigene Ablehnung der Positionen mit Ich-Botschaften auszudrücken. (→Nicht-aggressive Reaktionen auf Provokationen) Statt dessen lohnt es sich, subversiv vorzugehen, um überhaupt alternative Denkmöglichkeiten aufzeigen zu können. Dabei sollte man bei seiner Gegenargumentation den Verfechter der Stammtischparole gar nicht so wichtig nehmen, sondern eher an die denken, die noch nicht genau wissen, was sie von dem Sachverhalt halten sollen und welche Position sie dazu einnehmen wollen. Also ganz wichtig: Von Anfang an auch andere direkt ansprechen und nach ihrer persönlichen Meinung fragen! (vgl.Hufer 2001, S. 90f.)

Eine schriftliche Gegenargumentation entwickeln

Stammtischparolen sind meistens in der mündlichen Kommunikation verortet und die oben beschriebenen Gegenstrategien orientieren sich daran. Als Argumentationsübung eignen sie sich aber auch, um den Denkansatz und die unausgesprochenen Voraussetzungen (Prämissen) herauszuarbeiten, auf denen die angebliche Plausibilität der Stammtischparolen beruht.

In einem ersten Schritt sollte daher versucht werden, die Stammtischparole auf ihre Prämissen zu untersuchen, um den Denkansatz sichtbar zu machen. Im vorliegenden Fall ließe sich die Stammtischparole z.B. mit folgenden Thesen konkretisieren:

  • Deutschland hat einen Anteil an hier ansässigen Ausländern erreicht, der die Akzeptanzgrenze der Deutschen gegenüber ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern überschritten hat.

  • Deutschland kann keine weiteren Ausländer mehr aufnehmen.

  • Deutschland sollte einen Teil der im Land ansässigen Ausländer wieder in ihre Heimatländer zurückschicken.

  • ..

Eine oder mehrere solcher Thesen könnten dann Ausgangpunkte einer Gegenargumentation werden.

 

 

  These
  Argument
  Beweis
  Beispiel
  Schlussfolgerung

 

 
   Arbeitsanregung
  1. Formulieren Sie einen Katalog von 6 Fragen, mit denen sie in einer mündlichen Auseinandersetzung mit der Stammtischparole ihren Verfechter zur Konkretisierung seiner Ausführungen auffordern könnten.
  2. Entwickeln Sie eine schriftliche Gegenargumentation in Form der erweiterten Argumentation, indem sie auf den sachlichen Hintergrund der Stammtischparole eingehen.
     
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