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Aus den Tagebuchnotizen des Oberst von Thaer (1.10.1918)

Erster Weltkrieg 1914-1918

 
GESCHICHTE
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»Albrecht Georg Otto von Thaer (1868-1957) war ein deutscher Generalstabsoffizier und Generalbevollmächtigter des ehemaligen Königs von Sachsen. Er wurde wegen der erfolgreichen Teilnahme am legendären militärischen Distanzritt von Berlin nach Wien im Jahr 1892 sowie durch die posthume Veröffentlichung seiner während des Ersten Weltkriegs verfassten »Tagebücher bekannt, in denen er auch Kritik an der Kriegsführung des Deutschen Reiches niederschrieb.

»Als wir versammelt waren, trat Ludendorff in unsere Mitte... Er sagte ungefähr folgendes: Er sei verpflichtet, uns zu sagen, dass unsere militärische Lage furchtbar ernst sei. Täglich könne unsere Westfront durchbrochen werden. Er habe darüber in den letzten Tagen Sr.M. [seiner Majestät, Wilhelm II. d. Verf.] zu berichten gehabt. Zum ersten Mal sei der OHL (Oberste Heeresleitung, d. Verf.) von Sr. M. bzw. vom Reichskanzler die Frage vorgelegt worden, was sie und das Heer zu leisten imstande seien. Er habe im Einvernehmen mit dem Generalfeldmarschall3 (Paul von Hindenburg, d. Verf.) geantwortet: „Die OHL und das deutsche Heer seien am Ende; der Krieg sei nicht mehr zu gewinnen; vielmehr stehe die endgültige Niederlage wohl unvermeidlich bevor. Bulgarien sei abgefallen, Österreich und die Türkei, am Ende ihrer Kräfte, würden wohl bald folgen. Unsere eigene Armee sei leider schon verseucht durch das Gift der spartakistisch-sozialistischen Ideen4. Auf die Truppe sei kein Verlass mehr... Er könne nicht mit Divisionen operieren, auf die kein Verlass sei... So sei vorauszusehen, dass dem Feinde schon in nächster Zeit mit Hilfe der kampffreudigen Amerikaner ein großer Sieg, ein Durchbruch in ganz großem Stile gelingen werde, dann werde dieses Westheer den letzten Halt verlieren und in völliger Auflösung zurückfluten über den Rhein und werde die Revolution nach Deutschland tragen.
Diese Katastrophe müsse unbedingt vermieden werden... Deshalb habe die OHL von Sr. Majestät und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeifüh- rung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte...
Es sei ein schrecklicher Augenblick für den Feldmarschall und für ihn gewesen, dieses Sr. M. und dem Kanzler melden zu müssen. Der letztere, Graf Hertling, habe in würdiger Weise Sr. M. erklärt, er müsse daraufhin sofort sein Amt niederlegen. Nach so vielen Jah- ren in Ehren könne und wolle er als alter Mann sein Leben nicht damit beschließen, dass er jetzt ein Gesuch um Waffenstillstand einreiche. Der Kaiser habe sein Abschiedsgesuch angenommen.
Exc. Ludendorff fügte hinzu: „Zur Zeit haben wir also keinen Kanzler. Wer es wird, steht noch aus. Ich habe aber S.M. gebeten, jetzt diejenigen Kreise an die Regierung zu brin- gen, denen wir es in der Hauptsache zu danken haben, dass wir jetzt so weit gekommen sind. Wir werden also diese Herren jetzt in die Ministerien einziehen sehen. Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muss. Sie sollen jetzt die Suppe essen, die sie uns eingebrockt haben!“
Die Wirkung dieser Worte auf die Hörer war unbeschreiblich. Während L. sprach, hörte man leises Stöhnen und Schluchzen, vielen, wohl den meisten, liefen unwillkürlich die Tränen über die Backen.«

(Quelle: Albrecht von Thaer, Generalstabdienst an der Front und in der O.H.L. Aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen 1915-1919, herausgegeben von Siegfried A. Kaehler. Göttingen, 1958, S.234f.).

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 09.10.2023

 

 
Arbeitsanregungen:

  1. Worauf führt Ludendorff die drohende endgültige Niederlage zurück?

  2. Welche Befürchtungen hegt die OHL für den Fall der militärischen Niederlage?

  3. Welche Konsequenzen verlangt die OHL für die weitere politische Entwicklung im Reich?

  4. Nehmen Sie zu den Aussagen von Ludendorff kritisch Stellung.

  5. Die Quelle schildert auch die Gefühle der Beteiligten. Versuchen Sie, diese zu erklären.

 
   
 

 
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