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Die Entstehung des Kalten Krieges 1945 -1948/49

Überblick


Nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland, den die Anti-Hitler-Koalition gemeinsam errungen hatte, war die Situation in Deutschland und Europa nicht mehr wie vor dem Krieg. Die USA und die Sowjetunion traten an die Stelle jener europäischen Mächte, welche die Geschicke Europa lange Zeit entscheidend beeinflusst hatten. Die Zerstörungen des Krieges und die daraus folgende Europa als Ganzes kennzeichnende politische, ökonomische und gesellschaftliche Krise schufen ein Machtvakuum, das von den USA und der UdSSR ausgefüllt wurde. Ohne sie war eine neue Friedensordnung in Europa nicht mehr herzustellen. In Deutschland waren alle staatlichen Strukturen des NS-Regimes zerschlagen und auch in etlichen anderen Staaten Europas gab es lange Zeit keine stabilen politischen Systeme und legitimierte Regierungen, die an einer neuen europäischen Friedensordnung wie z. B. auf dem Wiener Kongress oder nach dem Ersten Weltkrieg hätten mitgestalten können. (vgl. Kaelble 2011, S.27)
Zwar hatten sich die Alliierten mit der →Atlantik-Charta (USA-GB, 1941), der sich auch die Sowjetunion angeschlossen hatte, auf bestimmte Grundprinzipien einer europäischen Nachkriegsordnung verständigt, in der vor allem das Selbstbestimmungsrecht der Völker unantastbar sein sollte. Doch diese Prinzipien fielen schon bald nach Kriegsende den taktischen und strategischen Sicherheitsinteressen zum Opfer, welche die ehemals Verbündeten fortan gegeneinander entwickelten. Dabei kam aber auch zum Vorschein, dass das Konzept internationaler Beziehungen nach dem Krieg, wie es dem amerikanischen Präsident »Franklin D. Roosevelt (1882-1945) wohl vorschwebte, angesichts der neuen Realitäten nicht umzusetzen war. Seine Vision von der Einen Welt (One-World-Vision), in der alle voneinander abhängig sind und geben wie nehmen müssen, um in einer friedlichen Welt leben zu können, fand in »Josef Stalin (1878-1953), dem sowjetischen Machthaber keinen Unterstützer. Diesem schien nämlich schon längst klar zu sein, dass :am Ende der militärisch-politischen Zusammenarbeit in der Anti-Hitler-Koalition der auf entgegengesetzte und unversöhnliche Ideologien gegründete machtpolitische Gegensatz zwischen dem von der Sowjetunion repräsentierten Sozialismus und dem von den USA angeführten Imperialismus der kapitalistischen Welt über kurz oder lang in eine globales Ringen der beiden neu formierten Vormächte des Westens und des Ostens münden musste. Trotzdem: Es gab, wie Herbert (2014, S.558) betont, "neben aller interessenbezogenen Machtpolitik auch ein(en) zukuftgsgewisse(n) Idealismus [..], wonach jetzt, nach dem schrecklichsten aller Kriege, Anlass und Gelegenheit bestanden, die Voraussetzungen für dauerhaften Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen."  Dass sich "die großen, utopischen Menschheitsziele - Frieden, wirtschaftliche Blüte, soziale Gerechtigkeit und Beseitigung von Hunger und Krankheit" (ebd.) unter diesen Bedingungen auch mit den neuen Formen der "internationalen Gemeinschaft" wie den Vereinten Nationen (1945 gegründet) angesichts der im Kampf gegen Nazi-Deutschland nur übertünchten (macht-)politischen und ideologischen Gegensätze nicht würden realisieren lassen, konnte freilich, im Nachhinein besehen, nicht wirklich überraschen. Eher überraschend war dagegen die Tatsache, wie schnell sich die Entfremdung des Westens und der Sowjetunion vollzog. Was sich in den Jahren nach dem Kriegsende bis etwa 1948/49 ereignete, zeichnete sich allerdings schon auf den großen →alliierten Kriegskonferenzen  in →Teheran (1943) und →Jalta (Febr. 1945) ab. Schon in diesen Konferenzen hatte Stalin keinen Zweifel daran gelassen, dass er auch gegen Einwände der Westalliierten seine Pläne für die territoriale Umgestaltung Osteuropas in den von der Roten Armee eroberten Gebieten (z. B. Westverschiebung Polens und damit die Legitimierung der von Hitler und Stalin 1939 vorgenommenen Teilung Polens) in Angriff nehmen würde. (Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang aber auch, dass es sich um Gebiete handelte, die sich Polen im Krieg mit dem bolschewistischen Russland 1920 völkerrechtswidrig  angeeignet hatte.)
Als sich die →Großen Drei  (USA, GB, UdSSR) schließlich in der »Potsdamer Konferenz (Juli/Aug. 1945) trafen, um Vereinbarungen über die Zukunft des besiegten und von alliierten Truppen besetzten Deutschlands zu treffen, waren die entscheidenden Würfel vielleicht schon gefallen, die für das künftige Verhältnis des Westens zur Sowjetunion nichts Gutes erwarten ließen. Was im Potsdamer Abkommen beschlossen wurde, waren so Malinowski (1985, S.44) "lauter falsche Kompromisse", die geradezu zwangsläufig gewesen seien, wenn man berücksichtige, dass "drei Großmächte mit grundverschiedenen Gesellschaftssystemen und Ideologien (…) ein Land (beherrschten), in dem es keine Regierungen und keine Verwaltungen mehr gab.“
Die Frage danach, ob die USA oder die Sowjetunion hauptverantwortlich für die Entwicklung zum Kalten Krieg gewesen sei, ruft heute über 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs 1989 keine Richtungsdebatte unter Historikern mehr hervor. Wie Hobsbawm (1995, S.298f.) betont, ist man heute geneigt, "sich den historischen Vermittlern anzuschließen, die die Schuld in der gegenseitigen Angst suchten, die so lange in der Konfrontation eskalierte, bis sie die beiden 'hochgerüsteten Lager unter ihren gegensätzlichen Bannern zu mobilisieren begann' (Walker)." Wenn heute also im Allgemeinen betont wird, dass "unter den damals gegebenen Umständen beide Supermächte aus unterschiedlichen Gründen starke Motive für den Eintritt in den Kalten Krieg besaßen" (Kaelble 2011, S.27), sollte vielleicht dennoch nicht vergessen werden, dass, zumindest was "den apokalyptischen Ton des Kalten Krieges" (Hobsbawm 1995, S.298f.) anbelangte, die USA die Szene beherrschten und mit Präsidenten wie Harry S. Truman, "dessen kämpferisches Temperament auch vor der Gefahr der Simplifikation nie zurückschreckte" (Guggisberg 1979, S.234). Diesem Präsidenten sei, so Guggisberg weiter, der Angriff stets als beste Verteidigung erschienen, "und von einmal gewonnenen Einsichten pflegte er nicht mehr abzuweichen." Wer heute, z. B. in der Ukraine-Krise (2014) die mehr als nur diplomatischen Appelle zu sprachlicher Mäßigung, zur Bedeutung unterschiedlicher Wahrnehmungen des Konflikts von russischer und westlicher Seite zur Kenntnis nimmt, wird auch in den von Guggisberg und Hobsbawm erwähnten Aspekten mehr als nur ein atmosphärisches Beiwerk sehen.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit standen auch in Deutschland die Zeichen nicht unmittelbar auf Konfrontation. Bis zur Pariser Reparationskonferenz (Beginn Now. 1945 bis Juli 1946) überwiegt wohl immer noch der Wille der Siegermächte, zu einer Einigung und zu einer gegenseitigen Verständigung über ihre unterschiedlichen Interessenlagen zu kommen. Deutschland jedenfalls wollte man gemeinsam regieren und auch die Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärtribunal (IMT) in Nürnberg war noch ein bemerkenswertes gemeinsames Projekt der ehemaligen Alliierten. Danach freilich taten sich zwischen den Mächten in drei weiteren Phasen immer weitere Widersprüche auf. (→Die Entstehung der Ost-West-Konfrontation: Phasen). Nach und nach kommt es dabei zu einem Kurswechsel gegenüber der Sowjetunion. Zunächst einmal musste die One-World-Vision Franklin D. Roosevelts (s.o.) dran glauben, als der britische Premierminister Winston Churchill (1874-1964) in einer Rede in Fulton (Missouri) am 5. März 1946 in Anwesenheit des US-Präsidenten Truman davon sprach, dass von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria der "Eiserne Vorhang" (iron curtain) niedergegangen sei und niemand mehr davon ausgehen könne, dass die Sowjetunion sich in ihrem davon begrenzten Machtbereich von irgendeiner anderen Macht hereinreden lassen würde. Seine Warnungen vor der sowjetischen Gefahr mündeten in der Aufforderung, dem sowjetischen Machtanspruch künftig mit der Demonstration militärischer Stärke zu begegnen.  Im Jahr 1947 vollziehen die Vereinigten Staaten mit der von US-Präsident »Harry S.Truman (1884-1972) abgegebenen Erklärung (→Die Truman-Doktrin (1947) den Kurswechsel zur so genannten  »Containment-Politik, mit der nach den Erfahrungen im »griechischen Bürgerkrieg (1946-49) im März 1947 fortan der behauptete sowjetische Expansionismus eingedämmt werden sollte. Mit dem gleichen Ziel forcierten die USA ihre Anstrengungen, Europa mit den »Marshall-Plan-Krediten wirtschaftlich wieder aufzubauen und ihr ökonomisches System des freien kapitalistischen Marktes und einer freien Weltwirtschaft nicht nur auf die west-, sondern auch auf die unter sowjetischen Einfluss geratenen osteuropäischen Staaten zu übertragen. Als das Vorhaben von der Sowjetunion als "imperialistisch" abgelehnt wurde, ist damit Deutschland, Europa, ja die Welt zwischen Ost- und West geteilt.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.11.2014

 


   Arbeitsanregungen

  1. Erläutern Sie die dargestellte Herausbildung der Ost-West-Konfrontation nach dem Zweiten Weltkrieg.


  2.  

     
 

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