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Karl Liebknecht: Der entscheidende Augenblick ist gekommen (23.12.1918)

Spartakusbund

 
GESCHICHTE
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Was will der Spartakusbund? (Auszug)
Rede von Karl Liebknecht  (23.12.1918)

[...] Der erste Schritt wird darin bestehen, dass die Waffenlager und die gesamte Rüstungsindustrie vom Proletariat mit Beschlag belegt werden. Dann müssen die industriellen und landwirtschaftlichen Großbetriebe in den Besitz der Gesellschaft überführt werden. Es kann kein Zweifel bestehen, dass sich diese sozialistische Umschaltung der Produktion bei der hohen und stark zentralisierten Form dieser Wirtschaftsgebilde in Deutschland verhältnismäßig leicht und schnell vollziehen lässt. Wir besitzen ferner ein bereits hoch entwickeltes Genossenschaftswesen, an dem vor allem auch der Mittelstand interessiert ist. Auch dies ist ein geeignetes Mittel zu einer wirksamen Durchführung des Sozialismus.
Wir sind uns völlig klar darüber, dass es sich bei dieser Sozialisierung um einen langen und großen Prozess handelt. Wir verhehlen uns keineswegs die Schwierigkeiten, die dieser Aufgabe entgegenstehen, zumal in der gefährlichen Situation, in der sich unser Volk jetzt befindet. Aber glaubt jemand allen Ernstes, dass sich die Menschen den geeigneten Zeitpunkt für eine Revolution und für die Verwirklichung des Sozialismus nach ihrem Gutdünken und Belieben auszusuchen vermögen? So ist der Gang der Weltgeschichte wahrlich nicht! Jetzt geht es nicht an zu erklären: Für heute und morgen passt uns die sozialistische Revolution nicht in unseren sorgfältig ausgerechneten Plan; aber übermorgen, wenn wir besser dazu vorbereitet sind, wenn wir wieder Brot und Rohstoffe haben und unsere kapitalistische Produktionsweise sich wieder in vollem Gang befindet, dann wollen wir über die Sozialisierung der Gesellschaft mit uns reden lassen. Nein, das ist eine grundfalsche und lächerliche Auffassung von dem Wesen der geschichtlichen Entwicklung. […]
Der entscheidende Augenblick ist gekommen. […]
Die Verwirklichung des Sozialismus ist unvermeidlich; sie muss kommen, gerade weil wir die Unordnung, über die man sich jetzt so aufregt, endgültig überwinden müssen. Aber diese Unordnung ist unüberwindlich, solange die Machthaber von gestern, die wirtschaftlichen und politischen Gewalten des Kapitalismus, am Ruder bleiben; denn sie haben dieses Chaos verursacht. [...]

(aus: Karl Liebknecht, Was will der Spartakusbund? Rede in den Unionsfestsälen in der Hasenheide in Berlin, 23. Dezember 1918, in: ders., Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin (DDR) 1952, S.505-520)

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.09.2026

    
   Arbeitsanregungen:

  Arbeiten Sie aus der der Rede Karl Liebknechts vom 28.12.1918 heraus:

  1. Welchen Stellenwert hat die Sozialisierung in der revolutionären Politik?
  2. Welche Maßnahmen sollen auf diesem Weg ergriffen werden?
 
 
 

 
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