Cohen (USPD):
Rede zur 3. Lesung der Verfassung (Juli 1919)
"Die Sozialdemokratie hat von ihren alten Forderungen viel geopfert; in
diesem Abschnitt, aber auch in der Ausgestaltung des konstruktiven Teils
der Verfassung von ihren alten Forderungen viele Forderungen
nicht einmal sozialistischen Charakters, sondern solche, die die
Sozialdemokratie immer an den jetzigen Staat gestellt hatte. Ich spreche
nicht von der Reichsfarbe, das ist nur so mit in das große Opfer
hineingetan worden. Aber wichtiger ist schon die Vermeidung jedes
Versuchs, eine volksmäßige Ausgestaltung des Gerichtswesens
herbeizuführen, geschweige denn gemäß den Bestimmungen des
Parteiprogramms die Wahl der Richter und ferner auch die Wahl der
Behörden durch das Volk in der Verfassung zu fordern. Die
Sozialdemokratie ist in dem Bedürfnis nach weiterem Zusammenhalt mit den
zur Schaffung einer Mehrheit notwendigen bürgerlichen Parteien so weit
gegangen, dass sie eine so völlig unsozialistische Forderung, wie die
Erhaltung des Mittelstandes, hat durchgehen lassen.(aus: Verhandlungen
der verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, Stenographische
Berichte, Berlin 1919, S, 2093ff.)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
14.09.2026
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