In der vorindustriellen ▪
Frühen Neuzeit (ca.1350–1800) lebte die große Mehrheit der
Menschen in Europa auf dem Land und arbeitete in der
Landwirtschaft. Die Lebenserwartung war wegen hoher
Kindersterblichkeit, Kriegen, Hungersnöten und
Krankheiten niedrig. Ab etwa 1750 begann die •
Bevölkerung zu wachsen.
Das Leben auf dem Land war geprägt von schwerer
körperlicher Arbeit, einfacher Technik und einer
weitgehend selbstversorgenden Landwirtschaft. Mehrere
Generationen lebten häufig zusammen und alle
Familienmitglieder mussten zum Lebensunterhalt
beitragen. Bildung war wenig verbreitet, viele Menschen
waren Analphabeten; Kinder arbeiteten früh mit und
besuchten, wenn überhaupt, nur einfache Dorfschulen.
Die Gesellschaft war stark hierarchisch. Die soziale
Stellung wurde meist als gottgegeben akzeptiert, soziale
und räumliche Aufstiegsmöglichkeiten waren gering. Das
Dorf kontrollierte das Leben seiner Bewohner stark,
insbesondere in •
Fragen von Moral, Ehe und Sexualität und legte in
Sitten und Gebräuchen die Regeln fest, nach denen sich
die • Annäherung der
Geschlechter zu vollziehen hatte.
Die dörfliche Gemeinschaft war jedoch keineswegs eine
Idylle: Es gab soziale Unterschiede zwischen Bauern,
Kleinbesitzern und Landlosen sowie Abhängigkeiten von
Adel und Obrigkeit. Gleichzeitig bestand ein starkes
Gemeinschaftsgefühl, das das Dorf auch zu einem •
Ort besonders
ausgeprägter sozialer Kontrolle werden ließ.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts begann in Deutschland
langsam der Übergang von der Agrar- zur
Industriegesellschaft, der sich ab Mitte des 19.
Jahrhunderts deutlich beschleunigte.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
12.09.2026