Schulentwicklung

Schul- vs. Organisationsentwicklung

Vergleich


Pädagogische Schulentwicklung und Organisationsentwicklung besitzen jeweils eigene Ausgangspunkte und gestalten den Prozessverlauf auf unterschiedliche Art und Weise.

 

Pädagogische Schulentwicklung
(nach J. Bastian, 1997)
 

Organisationsentwicklung
(nach Dalin, Rolff, Buchen 1995)

 

1

  • in Tradition der "inneren Schulreform" stehend

  • Ausgangspunkt: Widerspruchserfahrungen der Lehrer zwischen pädagogischen Veränderungsinteressen und institutionellen Rahmenbedingungen

  • Interesse an Unterrichtsreform

  • in Tradition pädagogisch-sozialpsychologischer Konzepte: der Einzelne im untrennbaren Zusammenhang mit Organisationen und Institutionen (Lewin)

  • Ausgangspunkt:
    Interesse an Veränderungen der institutionellen Bedingungen

  • Verfahren zur Diagnose und Bearbeitung von institutionellen Schwächen
     

 

2

  • Schaffung unterrichtsbezogener Stützungssysteme

  • Aktivierung der Binnenkräfte eines Kollegiums

  • Involvierung von Lehrer(inne)n in Erprobungs- und Aushandlungsprozesse über veränderte Lehr- und Lernformen

  • klare Prozessorientierung

  • Unterstützung der Schule

    • in Einstiegsphase bei Klärungen der Erwartungen

    • in Diagnosephase bei Analyse von Stärken und Schwächen

    • in Zielklärungsphase bei der Prioritätenfestsetzung

    • in Implementationsphase, bei Umsetzung und Evaluation
       

 

3

  • langfristige Bearbeitung der Widersprüche von Unterrichtsreform und schulischen Rahmenbedingungen

  • Schaffung einer "Kultur der professionellen Kooperation" (Terhart, 1996) mit erweiterten Handlungsspielräumen für Schüler und Lehrer(innen)

  • eigenständiges, handlungsorientiertes oder projektorientiertes Arbeiten und damit einhergehende Veränderungen der Lehrer-Schüler-Interaktion

  • langfristige Aufhebung des Planungs-, Informations- und Kontrollmonopols des Lehrers
     

  • Veränderung von Organisations- und Kommunikationsstrukturen

  • Verbesserung von Schulmanagement, Lehrerkooperation

  • Hilfen bei gemeinsamer Zielklärung und Planung

  • indirekte Einflussnahme auf das Unterrichtsgeschehen durch Einwirkung auf die Rahmenbedingungen des Unterrichtens

 

4

  • Nutzung von Angeboten der schulinternen Lehrerfortbildung (SCHILF)

  • Experten in Unterrichtsreform. Supervision, pädagogischer Fallbesprechung und Prozessmethode
     

  • Nutzung ausgebildeter OE-Moderatoren, die in der Regel keine Experten für Unterrichtsreform sind, sondern als Prozessberater in der Einstiegs-, Diagnose- und Zielklärungsphase den Prozess begleiten
     

 

5

Schwäche:

  • keine ausführliche Diagnose und Zielklärungsphase

  • Reduzierung der Komplexität möglicher Veränderungsinteressen auf den Punkt der Unterrichtsreform

  • institutionelle Veränderungsperspektiven entwickeln sich erst im Zuge dieses Prozesses
     

Schwäche:

  • relativ abstraktes Verfahren

  •  langandauernder Diagnose- und Zielklärungsprozess

  • sehr differenzierter, daher auch sehr aufwendiger Schulentwicklungsprozess mit immer neuen Entscheidungsprozeduren

 

6

 Stärke:

  • Ansetzen im Zentrum der schulischen Lehrertätigkeit

  • keine langen Entscheidungs- und Klärungsphasen

  • relativ schnell konkrete Teilergebnisse

  • Vermeidung von Verzettelung in Teilaktivitäten

  •  gemeinsames Entdecken der hinderlichen oder förderlichen institutionellen Rahmenbedingungen (Lehrpläne, 45-Minuten-Takt, Kooperationsdefizite)
     

Stärke:

  • Gelingen oder Nichtgelingen von Unterricht wird stärker abhängig von den institutionellen Rahmenbedingungen gesehen und diese werden daher stärker reflektiert

  • Reflexion über Management der Schulleitung, Fähigkeiten zur Kooperation, gemeinsamer Planung und Abstimmung

(vgl. Bastian 1997)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

     
   
     
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