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Formen politischer Beteiligung

Politisches Interesse

 
 
  Ob sich jemand politisch beteiligt oder nicht, hat natürlich auch mit dem politischen Interesse des einzelnen zu tun. Natürlich muss sich jemand, der sich für Politik interessiert, noch nicht aktiv daran beteiligen wollen. Und doch ist es bei vielen Menschen eine vergleichsweise dauerhafte Eigenschaft, mit der sie gegenüber politischen Ereignissen aufmerksam sind, Was in der Politik passiert, ist in ihren Augen auch für ihr eigenes Leben bedeutsam und aus diesem Grund bemühen sie sich auch zu verstehen, was politisch "läuft". Dass nicht alle, die sich für Politik interessieren, dies in gleichem Umfang tun, macht auch klar, dass es dafür keinen verlässlichen Maßstab gibt. Und so lässt auch der Grad der Involviertheit (Ich-Beteiligung) des einzelnen nicht unbedingt verlässliche Rückschlüsse darüber zu, ob und in welchem Umfang es zu politischen Handlungen kommt, mit denen auf politische Entscheidungen Einfluss genommen werden soll.
Fragt man die Menschen allgemein danach, ob sie sich für Politik interessieren, dann ist der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und politischem Interesse besonders deutlich. Je höher dieses ist, desto größer auch das Interesse an Politik. (vgl. Gaiser/de Rijke 2006, S.255f.) Werden in der Fragestellung aber  auf bestimmte Bereiche bezogene politische Interessen berücksichtigt, also z. B. nach dem Interesse an Ausländer-, Umwelt-, Familien- oder Bildungspolitik fallen diese Unterschiede kaum ins Gewicht. (vgl. Westle 2006, S.214)

Ob sich Jugendliche für Politik interessieren, hängt sehr stark davon ab, wie die Eltern oder auch die Geschwister mit Politik umgehen. Mit 23 Jahren erreicht das Interesse gewöhnlich einen Höhepunkt. (vgl. Kuhn 2000, S.30) Für den Grad und die Art des politischen Interesses von Jugendlichen, ist darüber hinaus wichtig, wie sie ihre eigene, persönliche Zukunft und die Zukunft der Gesellschaft insgesamt sehen. Wie die Shell-Jugendstudie von 2015 feststellt, stellen sich die jungen Leute von heute die Zukunft eigentlich "so vor wie die Gegenwart". Dementsprechend sei der Gestaltungswille im Hinblick auf die eigene Zukunft eher gering ausgeprägt, zumal die Jugendlichen mehrheitlich das Gefühl hätten, „weder große Spielräume für die persönliche Lebensgestaltung noch für die Veränderung der Gesellschaft zu haben.“ (Quenzel u. a. 2015, S.377) Trotzdem stellen die Forscher ein zunehmendes politisches Interesse bei den Jugendlichen fest. (vgl. S. 282) Allerdings schlage sich dieses politische Interesse, das „aus einer Zufriedenheit mit der gesellschaftlichen Entwicklung“ erwachse, derzeit (noch) nicht in politischem Engagement, schon gar nicht bei den etablierten Parteien nieder, zeige sich aber darin, dass Jugendliche heutzutage ein stärkeres Bedürfnis danach hätten, sich bei politischen Fragen zu positionieren. (vgl. S.383)

Van Deth (2000, S.200) hat das unterschiedlich ausgeprägte politische Interesse von Bürgerinnen und Bürgern auf der Grundlage ihrer Neugier auf Politik und ihrer politischen Involviertheit (Ich-Beteiligung) zu vier verschiedenen Typen zusammengefasst.

Politisches Selbstbewusstsein und politische Partizipation

Neben dem politischen Interesse spielt aber auch die Frage eine entscheidende Rolle, ob man sich überhaupt für kompetent genug hält, um sich politisch engagieren zu können. Häufig sind es auch Jugendliche, die von sich sagen, dass sie sich weder für Politik interessieren, noch hinreichend "Ahnung" davon haben. Nicht zuletzt aus diesem gering ausgeprägten politischen Kompetenzgefühl meiden sie politische Diskussionen, was natürlich den u. U. schon geringen Grad von Involvement gegenüber der Politik noch verstärkt. Wer sich selbst nur eine geringe politische Kompetenz zuschreibt, wird sich so auch mit etwas komplizierteren politischen Fragen schwertun und es an der nötigen Differenzierung mangeln lassen, wenn einfache und populistische Antworten auf komplexe politische Fragen angeboten werden.
Außer dem politischen Kompetenzgefühl kommen aber noch Erfahrungen  und Einschätzungen zum Zuge, die damit zusammenhängen, ob man überhaupt glaubt, mit seinem politischen Engagement irgendetwas bewirken zu können. Ist man der Ansicht, dass das alles sowie so nichts "bringt", die Politik und die Politiker ("die da oben") ja doch machen, was sie wollen, dann wird die Bereitschaft zu politischem Engagement angesichts der vermuteten oder auf Erfahrung beruhenden geringen Responsivität des politischen Systems vergleichsweise gering ausfallen.
Je höher demnach das politische Kompetenzgefühl und das politische Responsivitätsgefühl des einzelnen ausgeprägt ist, desto eher und anhaltender wird man bereit sein, seinen Gefühlen im Sinne politischer Partizipation Taten folgen zu lassen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 28.02.2016

 
     
     
   Arbeitsanregungen:
  1. Wie steht es um Ihr eigenes politisches Interesse? - Ordnen Sie sich einem der vier Typen zu und begründen Sie Ihre Haltung gegenüber der Politik.

  2. Erläutern Sie die Bedeutung des Kompetenz- und Responsivitätsgefühls für die Bereitschaft des einzelnen, sich politisch zu beteiligen. Inwiefern spielt dies bei Ihrer eigenen Selbsteinschätzung eine Rolle?

  3. Führen Sie in Ihrer Klasse eine Umfrage zum politischen Interesse durch. Berücksichtigen Sie dabei die im vorstehenden Text enthaltenen Aspekte und nutzen Sie diese für Ihre Fragestellungen. Visualisieren Sie die Ergebnisse der Umfrage in einer geeigneten Weise.

 

 
     
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