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Lesertypologie

Grundantriebe des Lesens 


Lesen besitzt in der Lesertypologie von Hans E. Giehrl (1968) drei Grundantriebe, die sich in drei verschiedenen Formen des Lesens niederschlagen:

In seiner Lesertypologie geht es Giehrl um, die Herausarbeitung von Unterschieden in der seelisch-geistigen und künstlerischen Erschließung von Texten. In diesem Zusammenhang unterscheidet Giehrl  vier verschiedene Hauptlesertypen

  • Der funktional-pragmatische Leser liest informatorisch und strebt nach Orientierung bei der Erfassung von Welt.

  • Der emotional-phantastische Leser liest evasorisch und möchte den Begrenzungen seines bzw. menschlichen Daseins schlechthin entfliehen.

  • Der rational-intellektuelle Leser liest kognitiv und folgt zum einen in seinen Grundantrieben denen des funktional-pragmatischen Lesers, geht aber mit seinem Suchen nach Sinndeutung der Welt und des menschlichen Daseins noch darüber hinaus.

  • Der literarische Leser liest aus den Grundantrieben die sowohl den emotional-phantastischen als auch den rational-intellektuellen Leser kennzeichnen.

Darüber hinaus nimmt Giehrl eine Bewertung der jeweiligen Persönlichkeit der Leser auf der Basis der Lektüreinhalte bzw. Lesestoffe vor.

Gegen diese und andere  Leser-Typisierungsansätzen (vgl. auch Lesehaltungen) gibt es Kritik. So wird u. a. hervorgehoben, dass diese Klassifizierung "weder empirische noch theoretische Hinweise auf die Genese der Leseinteressen, d.h. zur Erklärung, wie die postulierten Grundantriebe zustande kommen." gebe. (Lagner, R. 1986, S.124) Ganz grundsätzlich gegen diese Art von Lesertypologien argumentiert Susanne Limmroth-Kranz (1997).

Gegen herkömmliche Ansätze zur Lesertypologie  (vgl. auch Lesehaltungen) wendet sie ein, "dass sie sich an der Art und Weise, wie Literatur rezipiert werden sollte, orientieren  und nicht danach ausgelegt sind, wie die Leser die Literatur lesen und für sich einsetzen. Es werden weniger die Leseprozesse berücksichtigt als 'vielmehr die Kategorisierungen von Gelesenem.'( Graf, Werner 1995) (...) Nicht zuletzt bleiben durch die Orientierung der Lesertypologien am Kanon der Literatur, gerade alltägliche Gebrauchstexte weitgehend unberücksichtigt und außerhalb der Kategorienbildung."

Ferner betont Limmroth-Kranz (1997):

"Bisherige Charakterisierungen und Definitionen der Lesertypen sind häufig an den den Entwürfen von Leserentwicklung orientiert. Diese ... rekurrieren auf Inhalte des Lesestoffes und nicht auf die Persönlichkeit und durchlebte Lesesozialisation der Leser, die sich ihre Lesestoffe im individuellen Textverarbeitungsprozess - dem Lesen - aneignen. Da aber ein und derselbe Inhalt bei unterschiedlichen Lesern eine Vielfalt von Wirkungen auslöst, sind Lesertypen anhand von Lesestoffen nur sehr unscharf zu definieren."

 

 

  

 
 

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