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Geschichte des Lesens

Lesen in der Antike bis zum Hellenismus

 
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Glossar
Was sind teachSam-Projekte? Lesen Fragen zur eigenen Lesebiographie und zum eigenen Leseverhalten Überblick [ Geschichte des Lesens Überblick Lesen in der Antike  bis zum Hellenismus Lesen im Römischen Reich und in der SpätantikeLesen im Mittelalter Lesen in der frühen Neuzeit (16./17. Jh.) Lesen im 18. Jahrhundert Von der Tontafel zum E-Book-Reader ] ▪ Lesen und Textverstehen (CI-Modell) Grundantriebe des Lesens und Lesertypologie Aktive und passive Lesearten Lesen und individuelle Entwicklung Lesen in digitalen Welten Stilles Lesen Verbotenes LesenWeibliches LesenOhne Lesen leben (Analphabetismus)  ▪ Lesen und gesellschaftliche Entwicklung Bausteine Links ins Internet Lesekompetenz Arbeitstechnik Lesen Verständlichkeit  

arbeitstechnik lesen
Eine Schreibe ist keine Rede
Schrift sind nicht nur Buchstaben

Lesen war in allen antiken Kulturen im Wesentlichen eine elitäre Kulturtechnik, die nur eine Minderheit von Spezialisten, Privilegierten und Interessierten beherrschte. In solchen oralen Kulturen, in denen sich das alltägliche Leben ganz überwiegend in mündlicher Kommunikation abspielte, war Lesen  "in wechselnder Intensität vornehmlich in bestimmten Situationen und für ausgewählte Funktionen" (Hartmann 2015, S.704) vor. Zugleich war es aber auch "eine sinnstiftende Kulturpraxis" (ebd.)

Keilschrift auf Tontafeln: Die Schrift- und Schriftentwicklung in den frühen Hochkulturen Mesopotamiens

Fragt man nach den Ursprüngen des Lesens dann reicht seine Geschichte von Vorformen abgesehen auf den Gebrauch von Zählsteinen bzw. Tonfigürchen zurück, die vor ca. 7.000 Jahren in den frühen Hochkulturen »Mesopotamiens (z. B. »Sumerer, »Akkader, »Babyloninier und  »Assyrer), weil geografisch zwischen den Strömen Euphrat und Tigris in »Vorderasien gelegen auch Zweistromland genannt,

Verwendung fanden. Was in sumerisch-akkadischer »Keilschrift bis heute überliefert ist, sind in der Regel Verwaltungsdokumente, die von der Tempelverwaltung zur Organisation des gesellschaftlichen Lebens benutzt wurden. Das Lesen der Tontafeln und das Schreiben darauf konnten nahezu nur dafür ausgebildete Spezialisten, über diesen Kreis hinaus gab es keine nennenswerte Schreib- und Lesekultur. ( vgl. ebd.)

Die Bedeutung der Schreiber in den mesopotamischen Hochkulturen war außerordentlich: "Man brauchte ihn, um Botschaften zu übermitteln, um Nachrichten zu verbreiten, um die Befehle des Königs niederzulegen, um Gesetze aufzuzeichnen, um die astronomischen Daten festzuhalten, dank denen ein Kalender geführt werden konnte; man brauchte ihn, um den Bedarf an Soldaten zu ermitteln, an Arbeitern, an Vorräten, an Zuchttieren; man brauchte ihn, um Geschäfte und wirtschaftliche Unternehmungen zu protokollieren; er musst die medizinischen Diagnosen und Rezepturen verzeichnen, die Feldzüge begleiten, Meldungen versenden, die Soldatenchronik verfassen, er musste Steuern festsetzen, Verträge entwerfen, die heiligen Texte bewahren und seine Mitmenschen durch Vorlesungen aus dem »Gilgamesch-Epos bei Laune halten. Nichts ging mehr ohne den Schreiber." (Manguel 1998, S.210) Wer im Babylonischen Reich Schreiber wurde, stieg in die aristokratische Elite auf, nachdem er sein "Handwerk" schon von früher Kindheit an in einer Privatschule gelernt hatte. (vgl. ebd. S.211) Schreiber waren in diesen patriarchalischen Gesellschaften mit ganz wenigen Ausnahmen, z. B.  Prinzessin Enheduanna (um 2300 v. Chr.), die als Hohepriesterin des Mondgottes einige Lieder, mit denen sie die Liebes- und Kriegsgöttin »Inanna verherrlichte, Männer.

Bücher, wie wir sie heute kennen, gab es in der Zeit als Tontafeln das Medium war, auf denen geschrieben wurde, nicht. Wohl aber gab es Formate, die dem Verwendungszweck eines modernen Buches ähnlich sind.

Etliche mesopotamische Tontafeln waren nämlich durchaus handlich, quadratisch, manchmal auch länglich ca. 8 cm breit, und ließen sich ganz gut in der Hand halten. Um ein "Buch" zu gestalten, wurden mehrere Tontafeln "möglicherweise in einer Ledertasche oder einem Kasten aufbewahrt, so dass der Leser die Tafeln in der richtigen Reihenfolge herausnehmen und zurückstecken konnte. (vgl. ebd. S.151) Auch wenn solche Bücher aus Tontafeln, ähnlich wie die späteren Papyrusrollen der Ägypter durchaus transportierbar waren, waren diese Formate dem späteren ▪ Kodex, der aus zusammengehefteten Seiten bestand, in vielerlei Hinsicht unterlegen, auch wenn man hin und wieder wenig erfolgreiche Versuche unternahm, Kodizes aus dem brüchigen Material des Papyrus zu erstellen. (vgl. ebd. S.152)

Hieroglyphen auf Papyrus: Die kultische und repräsentative Bedeutung der Schrift in Ägypten

Bei den Ägyptern war das im Grunde nicht viel anders. Auch dort gab es, wahrscheinlich sogar noch einen etwas geringere Anteil von Menschen, die lesen und schreiben konnten. (vgl. Schön 2001, S.2) Im »Alten Reich (ca. 2707-2216 v. Chr.) schätzt man deren Anzahl auf höchstens 1%, im »Mittleren Reich (ca. 2137-1781 v. Chr.) wahrscheinlich ein paar mehr und im »Neuen Reich (1570 - 1070 v. Chr.) 5 - 7% der Bevölkerung. (ebd.) Im Unterschied zu den frühen Hochkulturen in Mesopotamien wurde Lesen und Schreiben aber über seine Bedeutung für die Verwaltung auch Mittel der politischen Legitimation der Pharaonen.

Die überaus komplexe »Hieroglyphenschrift der Ägypter mit ihren mindestens 600 Zeichen war eine so genannte logographische Schrift, die wie die »chinesische Han-Schrift, die »Schrift der Mayas, die altorientalische »Keilschrift oder auch die moderne »Stenografie sich nicht auf Laute, sondern auf die Bedeutung von Wörtern beziehen. Neben dieser komplexen und überaus komplizierten Schrift war in Ägypten aber auch eine für den Alltagsgebrauch viel einfachere »hieratische Kursivschrift im Gebrauch war, dient auch zur Repräsentation der kultisch-religiösen Rechtsordnung. Sie war für die Ägypter eine heilige und göttliche Schrift, eine "Kunst- Zeremonialschrift" (Hartmann 2015, S.706) mit der sie ihre monumentalen Denkmäler mit Inschriften verzierten. Die kultische Verwendung der Schrift in Ägypten, wo man glaubte, dass sie eine Erfindung und ein Geschenk der Götter an die Menschen sei, war den Griechen in der Antike später fremd, und so führt man die schnelle und weite soziale Verbreitung der Schrift im antiken Griechenland unter anderem auch darauf zurück, dass die Griechen "zur Schriftlichkeit ein eher pragmatisches Verhältnis" (Schön 2001, S.3) Was in Ägypten auf »Papyrus-Rollen, dem hauptsächlichen Medium für die Schriftsprache, die man »aus der im Nildelta wachsenden Papyrusstaude herstellte, schriftlich festgehalten wurde, wurde, auch wenn es sich um Dichtung oder Prosaliteratur handelte, nicht zur Unterhaltung eines breiteren Publikums genutzt, sondern landete in Archiven und Bibliotheken von Tempeln und Palästen, wo sich vor allem professionell ausgebildete Schreiber darum kümmerten.

Der Beginn einer literarischen Lesekultur im antiken Griechenland

Das Verhältnis der Griechen im antiken Griechenland zur Schrift und Schriftlichkeit hatte keinen kultischen Charakter wie in Ägypten. Die Griechen griffen auf keinen Mythos zurück, der ihre Entstehung erklärte und waren sich darüber im Klaren, dass sie die phonetische Buchstabenschrift (alphabetische Schrift), die gegenüber allen anderen bis dahin gebräuchlichen Schriften mit ihrem begrenzten Zeichenrepertoire viel leichter erlernbar war, von den »Phöniziern, wo sie wohl ca. 300 Jahre zuvor entstanden war, im 8. Jahrhundert v. Chr. übernommen hatten. Bei ihnen "gab es auch keine 'Heiligen Schriften', wie bei den Ägyptern, wie v. a. bei den Juden und dann später im Christentum, wo Schriftlichkeit und Heiligkeit nahe zusammenrückten." (ebd.)

Insgesamt gesehen steht Griechenland mit seiner besonderen Entwicklung der Schriftlichkeit" von unten" statt "von oben" in der allgemeinen Kulturgeschichte der Schriftlichkeit als Sonderfall" aber ziemlich allein da. Diese Sonderstellung gründet auf ihrer nichtreligiösen, weltlichen Entwicklungsumgebung und dem pragmatischen Zugang (vgl. Schön 2001, S.3) der Griechen zur Schrift, die sie "von Anfang an vorwiegend für für weltliche Angelegenheiten" (Murray/Davies/Walbank 2006, S.128) eingesetzt haben. Schriftliche Zeugnisse darüber gibt es schon zwischen 70 und 650 v. Chr. in vergleichsweise großer Zahl, darunter Siegerlisten der olympischen Spiele, Listen athenischer Jahresbeamten, Dokumente, welche die Gründungsdaten der griechischen Kolonien auf Sizilien festhielten und verschiedene Gesetzestexte sowie einige wenige Werke der Dichtung, deren Blütezeit erst noch kommen sollte. (vgl. ebd., S.122)

Auch die griechischen Stadtstaaten waren vor allem von Mündlichkeit (geprägt), wenngleich sie auch als "erste schriftliche Gesellschaft" betrachtet werden kann, "über die wir ein einigermaßen detailliertes Wissen haben." (Murray/Davies/Walbank 2006, S.125). Lese- und schreibkundig waren wohl auch nur etwa 5 bis 10% der Gesamtbevölkerung, denn das Lesenlernen und ein Schulbesuch (etwa ab dem 5. Jh. v. Chr.) war nur Wohlabenden möglich. Lesen konnten nur Teile der männlichen Oberschicht, spezialisierte Händler und Handwerker und einige Sklaven. (vgl. Hartmann 2015, S.707) Allerdings hängt das auch davon ab, was man unter Schriftlichkeit versteht. Geht man dabei nicht von der höchsten Kompetenzstufe aus, sondern zieht auch bestimmte soziale Praktiken mit ein wie z. B. den  Ostrakismus (Scherbengericht), bei dem man wenigstens den Namen dessen auf eine Tonscherbe ritzen können musste, um ihn in die Verbannung zu schicken, dann ist davon auszugehen, dass spätestens seit dem fünften Jahrhundert v. Chr. "ein durchschnittlicher (männlicher) Bürger von Athen lesen und schreiben konnte". (Murray/Davies/Walbank 2006, S.125) Das wiederum heißt nicht, dass die oft nur rudimentären Lese- und Schreibkompetenzen auch für ein flüssiges Lesen und Verstehen langer literarischer Texte oder komplizierter Argumentationen ausreichten, aber literarische Texte hatten, so vielfältig sie auch schon wurden und waren ohnehin "nur einen geringen Umlauf und wurden nur von einer Minderheit gelesen." (ebd.) Die literal-literarische Kultur jedenfalls war wohl auch in Griechenland wie später im ▪ Römischen Reich eine "Elitekultur" (Hartmann 2015, S.716)

Die vergleichsweise große Fülle griechischer Dichtung in der frühen und der klassischen griechischen Antike war ohnehin nicht zum Lesen gedacht. Über viele Jahrhunderte hinweg wurden mündliche Erzählungen tradiert, die wohl im Handlungsverlauf annähernd gleich blieben, aber auch immer wieder im Erzählvorgang selbst neu erzählt wurden. Die Erzählung war auf diese Weise stets "Unikum, das in genau derselben Form nie wieder rekonstruiert werden kann". (Luz 2015, S.266) Als Zuhörer waren die Rezipienten dies gewohnt und es reichte ihnen, wenn sie bestimmte Elemente und Strukturen wiedererkennen und sich an ihnen irgendwie geläufigen Formulierungen erfreuen konnten. (vgl. ebd.)

Niedergeschriebene Texte waren zunächst einmal kaum mehr als mediale Container, um Wissen zu bewahren, und besaßen in den Augen der meisten wohl nur einen geringen eigenen Wert. Und dementsprechend zog es sich lange hin, bis eine mit der zunehmenden Verwendung der Papyrusrolle verbundene Kultur der Schriftlichkeit in der dominierenden Oralität der Zeit ihren Platz einnehmen konnte.

Dieser ganz allmähliche Paradigmenwechsel führte auch zu einer anderen Art der Textwahrnehmung. Text wird optisch wahrnehmbar und damit auch typografisch und ästhetisch gestaltbar, der Text kann als ein von einem bestimmten Autor genau so geschaffener Text markiert und damit mit einer Art Copyright versehen werden und sein Format kann ihn, selbst wenn er länger ist, aufbewahren und als Kulturgut weiterverbreiten (vgl. ebd., S.266f.), wie dies die Verbreitung griechischer Tragödien in den hellenistischen Großreichen oder auch die Aneignung der griechischen Kultur durch die Römer später sehr deutlich aufzeigen.

Bis ins 5. Jahrhundert hinein bestimmte das laute Lesen im Vortrag die Rezeption und das galt für das Epos genauso wie für das antike Drama, das wegen seinen kultischen Ursprüngen mit der ▪ griechischen Tragödie zur "intellektuellen Leitgattung der griechischen Kultur" (Hose 2012, S.179) wurde.

Auch wenn die Theateraufführungen ▪ im Laufe der Zeit ihre Funktion veränderten, waren sie als öffentliche Großveranstaltungen, an denen oft viele tausend Zuschauer teilnahmen, doch die wichtigsten und massenwirksamsten Events dieser Zeit, die zudem, ohne lesen zu müssen oder zu können, mit wichtigen literarischen Stoffen der Zeit bekannt machte. Dazu kam, dass dies in einem  (agonalen) Wettkampf der Dramen geschah, der die athenischen (männlichen) Bürger auf vielfältige Art an dem  (multimedialen) Spektakel mit Sprache, Gesang, Musik, Tanz und hin und wieder einer Bühnenhandlung beteiligte.

Dass sich die Tragödie allerdings, insbesondere in hellenistischer Zeit, nach und nach aus den besonderen kultischen Festkontexten löste (vgl. Hose 2012, S.185), säkularisierte und zu einem Erfolgsmodell weit über die griechischen Stadtstaaten hinaus wurde, lag auch daran, dass Dramen als Lesetexte, z. B. in der schulischen Erziehung für Lese- und Schreibübungen verwendet wurden, und darüber hinaus in Textform eine spätere Wiederaufführung, wenngleich mit zum Teil erheblichen Abänderungen, möglich machten. (vgl. ebd., S.184)

So wurde auch "das individuelle Lesen und die Gestaltung eines Leseerlebnisses direkt aus dem Buch" (Schön 2001, S.4, Hervorh. d. Verf.) allmählich üblich. Allerdings waren in der Handschriftenkultur der griechischen Antike die am meisten verbreiteten Papyrus-Bücher teure Einzelstücke und demzufolge auch ein Vergnügen, das sich nur die Oberschicht leisten konnte, die ihre Lektüre auch von dem im 5. Jahrhundert v. Chr. entstehenden Buchhandel erstehen konnte. Nennenswerter privater Bücherbesitz war aber dennoch weiterhin selten, berühmt für ihre Sammlungen waren die des Tragödiendichters »Euripides (480 - 406 v. Chr.) und die des Philosophen und Erziehers des späteren »Alexander des Großen (356-323 v. Chr.) Aristoteles (384-322 v. Chr.), der sich für seine Forschungen eine umfangreiche Handbibliothek zulegte.

Eine neue Ära der griechischen Buch- und Leekultur: Lesen im Zeitalter des Hellenismus

In der Zeit des »Hellenismus mit seinen Großreichen »Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.) und der nachfolgenden »Diadochen (bis 30 v. Chr.) entwickelte sich allmählich eine neue Lesekultur, die das individuelle Lesen weiter voranbrachte. (vgl. Schön 2001, S.4) Allerdings stand die damit verbundene stille Lektüre eine Weile lang nicht gerade in hohem Ansehen, wurde aber mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. Es ist vor allem die dabei vollzogene "Emanzipation des Lesens aus der sozialen Situation und damit die Emanzipation des Leser" (ebd., S.5) sowie die Tatsache, dass die Rezeption literarischer Stoffe nun an das Buch gebunden wurde, ein Signal für den kulturgeschichtlichen und mentalitätsgeschichtlichen Wandel, der das Individuum allgemein, aber auch in der "»Vereinzelung des Lesers« im Hellenismus" (ebd.) stärker betonte.( Hartmann 2015, S.706)

In dem Riesenreich »Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.), das die griechische Kultur bis an die Ränder der damals bekannten Welt verbreitete und sich bei der Verwaltung auf eine umfangreiche Schriftkultur stützte, "(wurden) Literatur und Wissenschaft zu politischem Kapital, Bücher zu dessen Währung." (Hartmann 2015, S.709) Und da Alexanders der Große offenbar selbst ein eifriger Leser war, bekam alles, was mit dem Lesen zu tun hatte, offenbar auch von ganz oben Rückdeckung.

Nach seinem Tod entstand im »Ptolemäer-Reich in Ägypten, in dem  »Alexandria zum bedeutendsten Zentrum der Kultur und des Fortschritts wurde, zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. die größte »Bibliothek des Hellenismus und »des gesamten Altertums.

Sie war nicht öffentlich zugänglich und gehörte zu einem Heiligtum, das den Göttinnen der Künste, den Musen (museion) geweiht war. Im »Museion, welches das wohl bedeutendste wissenschaftliche Zentrum der Zeit war, schrieben, forschten und lehrten zahlreiche vom König protegierte und aller weltlicher Sorgen enthobene Gelehrte in einer Art "Denkfabrik, die neben der eigenen, stilbildenden wissenschaftlichen und literarischen Tätigkeit damit beschäftigt war, das gesamte Wissen der damals bekannten Welt, wenn nötig in Übersetzung zusammenzutragen. Dazu beschäftigten sie sich damit, dieses Wissen von ihrem Kenntnisstand aus zu überprüfen und mehr oder weniger systematisch zu ordnen, was über Generationen hinweg immer wieder abgeschrieben worden war. Sie verglichen solche Abschriften miteinander, korrigierten, standardisierten und editierten sie kraft ihrer Autorität so, dass andere Versionen eines Textes, wenn ein solches philologisches Verfahren einmal durchlaufen war, historisch ihre Chance vertan hatten.  Für die Dichtung führten die Gelehrten des Museion aber eine wichtige Änderung ein. Statt der bisher üblichen scriptio continuo, der üblichen typografischen Gestaltung der Texte ohne Zwischenräume zwischen den Wörtern, verteilte man Verse fortan auf eigenen Linien. (vgl. Hartmann 2015, S.710)

Dem Vorbild der bedeutenden Bibliotheken (Alexandria, Bibliothek von Pergamon, die makedonische Königsbibliothek des Perseus in Pella und eine Reihe von Gymnasialbibliotheken) kamen nach und nach immer mehr öffentlich zugängliche Bibliotheken hinzu. Sie trugen zur weiteren Entwicklung der individuellen Lesekultur im Hellenismus bei (vgl. Schön 2001, S.5), an der aber auch nur ein sehr kleiner Prozentsatz der männlichen städtischen Bevölkerung teilhatte, zumal "Bildung (...) weiterhin stark abhängig (war) von privater Initiative" ( Hartmann 2015, S.711), auch wenn der eine oder andere Stadtstaat sich schon mal daranmachte, öffentliche Einrichtungen für eine Elementarunterricht ins Leben zu rufen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.08.2020

 
 

 
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