Die beiden Hälften unseres
▪
Gehirns besitzen für bestimmte Fähigkeiten und Arbeitsweisen des
Bewusstseins eine besondere Leistungsfähigkeit.
Mentale Prozesse vollziehen sich in der Regel im Zusammenwirken beider
Gehirnhälften.
Die so genannte genannte
Lateralisierung der Hirnfunktionen,
von der die ältere Hirnforschung spricht, die dazu führen soll, dass
bestimmte Fähigkeiten des Gehirns in unterschiedlichen Hirnarealen
repräsentiert sind, hat sich vor allem die Lernpsychologie und in deren
Windschatten eine ganze Lernberaterarmada zu eigen gemacht, die das
Zusammenspielen beider Gehirnhälften mit ihren unterschiedlichen
Leistungen für Lernprozesse nutzen wollen.
Doch
solche Auffassungen, wie sie der nebenstehenden Darstellung zugrunde
liegen, gelten inzwischen in der Hirnforschung als überholt, da
mittlerweile erkannt worden ist, "dass fast immer das gesamte Gehirn
beteiligt ist, um eine einzelne Aufgabe zu bewältigen." .Für den
Neurowissenschaftler Michael Skelde, der am Max-Planck-Institut für
Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig arbeitet und die
Forschungsgruppe Frühkindliche Lernentwicklung leitet, folgt eine
auf die Hemisphären-Theorie rekurrierende Lernpsychologie eher
Wunschdenken, denn empirischen Befunden: "Wir wissen inzwischen,
dass das Gehirn ständig mit allen möglichen Nervenzellen
kommuniziert, die in Netzwerken organisiert sind. So entstehen
verschiedene Fähigkeiten. Deswegen ist die Idee unsinnig, dass wir
in der linken Hirnhälfte rationale Informationen verarbeiten und
rechts kreative Prozesse." (Michael Skelde im SZ-Interviev vom
12./13. Juli 2025)
Das inzwischen in die Kritik geratene Konzept der
Lateralisierung der Hirnfunktionen geht davon aus, dass dieser
Prozess in der Hirnentwicklung
des Kindes beginnt, in der die beiden Gehirnhälften zunächst noch bei bestimmten
Funktionen in Konkurrenz zueinander stehen. Mit zunehmendem Alter kommt es
zur Spezialisierung:
|
Linke Gehirnhälfte |
Rechte Gehirnhälfte |
-
Serielle Verarbeitung
auftretender Informationen
-
Beispiele: Sprache,
Mathematik, logische Operationen etc.
-
spezialisiert auf die
fokussierte Perzeption
|
-
Parallele Verarbeitung
auftretender Informationen ( z. B. auf Geschwindigkeit hin
optimierte Aktivitäten, die unverzichtbar sind für die motorische
Ausführung und Bearbeitung von feinen visuellen oder auditorischen
Details)
-
Muster- und
Gesichtserkennung
-
Erkennen räumlicher
Zusammenhänge
-
Erkennen emotionaler
Inhalte
-
Nonverbale Kommunikation
-
spezialisiert auf die
Wahrnehmung des Verhältnisses von einzelnen Bildern und ihrem
Kontext
|
(vgl.
Campbell/Reece 2003, S.1252)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
13.07.2025