»Abraham
Maslow (1908-1970) beschreibt in einer z. T. willkürlich festgelegten
und nicht universell geltenden Hierarchie die Prioritäten menschlicher
Bedürfnisse. (vgl.
Myers 2005, S.500)
Dabei geht er von der Annahme aus, dass,
solange die Bedürfnisse auf einer niederen Hierarchiestufe nicht befriedigt
werden, diese die gesamte Motivation auf sich ziehen. Erst wenn diese
adäquat befriedigt worden sind, kann man also die höheren Bedürfnisse
spüren.

Insbesondere die Annahme einer strikten Hierarchie und einer
eindeutigen Reihenfolge der Bedürfnisbefriedigung im Zusammenhang
mit Motivation ist fragwürdig. Dennoch: "die Idee, dass einige
Motive stärker sind als andere", gibt "einen Rahmen für die
Beschäftigung mit dem Thema Motivation" ab (Myers
2005, S.500), der noch immer brauchbar ist. Maslow unterscheidet 5 verschiedene Hierarchieebenen von
Bedürfnissen, denen er später noch eine sechste hinzufügt, nämlich die Ebene
des Bedürfnisses nach Transzendenz.
Dieses "Bedürfnis nach spiritueller
Identität jenseits des Selbst oder der persönlichen Identität" (Bourne/Ekstrand
2005, S.283) findet als solches allerdings keine allgemeine
Anerkennung. Besonders in der Humanistischen Psychologie hat die
Bedürfnishierarchisierung durch Maslow starken Anklang gefunden. Dies beruht
vor
allem darauf, dass Maslow das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, "als
Bedürfnis, sich selbst zu erfüllen, 'das zu werden, wozu man fähig
ist'" (ebd.)
besonders herausstellt. Im Allgemeinen umfasst Maslows
Bedürfnishierarchie 5 Stufen:
-
Physiologische
Bedürfnisse (physiological needs)
-
Nahrungsbedürfnis,
Bedürfnis nach Wasser, Sauerstoff, Bedürfnis, eine bestimmte
Temperatur aufrechtzuerhalten, Sexualität, Aktivität, Erholung,
Entspannung
-
Bedürfnis nach
Sicherheit (safety and security needs)
-
Bedürfnis nach
Struktur und Ordnung, Bedürfnis nach dem Gefühl, dass die Welt
geordnet und das Weltgeschehen einschätzbar ist; Bedürfnis, sich
sicher und in seinem Leben geschützt zu fühlen, Behaglichkeit,
Ruhe, Freiheit von Angst
-
Bedürfnis nach
Zugehörigkeit und Liebe (love and belonging needs)
-
Bedürfnis zu lieben
und geliebt zu werden, zu anderen zu gehören, von anderen
akzeptiert zu werden, Gemeinschaftsgefühl
-
Bedürfnis nach
Selbstwert (esteem needs)
-
Bedürfnis nach
Selbstwert und Selbstachtung, Erfolg, Kompetenz, nach Achtung
und Anerkennung von anderen
-
Bedürfnis nach
Selbstverwirklichung (growth motivation)
Die ersten vier Hierarchiebenen von unten bezeichnet Maslow als
Defizitbedürfnisse oder
D-Bedürfnisse (D-needs), einen Sachverhalt, den
George Boeree (1998/2006) wie folgt erläutert: Wenn Sie nicht genug von einem der genannten haben – d.h. Sie haben
ein Defizit – dann verspüren Sie das jeweilige Bedürfnis. Haben wir
alles, was wir brauchen, fühlen wir auch nichts! Anders ausgedrückt,
hören diese Bedürfnisse dann auf zu motivieren. Wie es in einem
alten Blues heißt "you don’t miss your water till your well runs dry!" Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
17.12.2023
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