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Theorie der autoritären Persönlichkeit

F-Skala

Theodor W. Adornos Ansatz

 
 
  Bei der wissenschaftlichen Arbeit entwickelte »Theodor Adorno (1903-1969) die Vorstellung von einem autoritätsgebundenen Charakter (Theorie der autoritären Persönlichkeit), für den die nachfolgenden neun verschiedenen Denkmuster kennzeichnend sind. Diese werden in einer so genannten F-Skala ("implizite antidemokratische Tendenzen u. Faschismuspotential") erfasst, wobei das F für faschistisch steht und die Denkmuster als antidemokratisch und präfaschistisch zu bezeichnen sind.

 

Autoritäre Denkmuster Merkmale
(Adorno 1973, S.45)
Typische Sätze
(Adorno 1973, S.81-84)
Konventionalismus (coventionalism)

Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstands

(konventionell = herkömmlich)

"Gehorsam und Respekt gegenüber der Autorität sind die wichtigsten Tugenden, die Kinder lernen sollen."
Autoritäre Unterwürfigkeit (authoritarian submission)

Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe

"Was dieses Land vor allem braucht, mehr als Gesetze und politische Programme, sind ein paar mutige, unermüdliche, selbstlose Führer, denen das Volk vertrauen kann."
Autoritäre Aggression (authoritarian aggression) Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie zu verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können. "Sittlichkeitsverbrechen, wie Vergewaltigung und Notzucht an Kindern verdienen mehr als bloße Gefängnisstrafe; solche Verbrecher sollten öffentlich ausgepeitscht und noch härter bestraft werden."
Anti-Intrazeption (anti-intraception) Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen "Der Geschäftsmann und der Fabrikant sind viel wichtiger für die Gesellschaft als der Künstler und der Professor."
Aberglaube und Stereotypie (substitution and stereotypes) Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals; die Disposition , in rigiden Kategorien zu denken "Kriege und soziale Unruhen werden wahrscheinlich eines Tages durch ein Erdbeben oder eine Flutkatastrophe beendet werden, welche die Welt vernichtet."
Machtdenken und "Kraftmeierei“ (power and toughness) Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit. "Weder Schwäche noch Schwierigkeiten können uns zurückhalten, wenn wir genug Willenskraft haben."
Destruktivität und Zynismus (destructiveness and cynicism) Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen "Es wird immer Kriege und Konflikte geben, die Menschen sind nun einmal so.“
Projektivität (projectivity) Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt

"Die meisten Menschen erkennen nicht, in welchem Ausmaß unser Leben durch Verschwörungen bestimmt wird, die im Geheimen ausgeheckt werden.“

Sexualität (sex) Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen "Vorgängen"

"Die sexuellen Ausschweifungen der alten Griechen und Römer waren ein Kinderspiel im Vergleich zu gewissen Vorgängen bei uns, sogar in Kreisen, von denen man es am wenigsten erwarten würde."

Die von Adorno beschriebenen autoritären Denkmuster finden sich häufig auch hinter einfach dahergesagten Stammtischparolen. Wer hin und wieder zu ihnen greift, ist, insgesamt gesehen, auch nicht sofort rechtsextrem, rassistisch oder antisemitisch eingestellt. "Wer aber", so betont Klaus-Peter Hufer (2001, S. 77) "ständig unreflektiert und in aggressiver Art und Weise solche rigiden Parolen verkündet, neigt zu einem autoritären Charakter und muss sich fragen lassen (bzw. selbstkritisch fragen), wie anfällig er/sie für menschenverachtende Ideologien und totalitäre Politik ist.“

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

 
     
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