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Theorien des Selbst

Überblick

Persönlichkeitspsychologie


 PSYCHOLOGIE
Glossar Entwicklungspsychologie Persönlichkeitspsychologie Überblick [
Theorien des Selbst Überblick ◄ • Aspekte des Selbstkonzepts Selbstkonzept und situatives Verhalten Die Bedeutung der möglichen Selbst ] Allgemeine Theorie der Persönlichkeit von Sigmund Freud Psychische Störungen Selbstdarstellung Transaktionsanalyse (TA) Autoritärer Charakter (Erich Fromm ) Theorie der autoritären Persönlichkeit Wahrnehmungspsychologie Kognitionspsychologie Emotionspsychologie Motivationspsychologie Kommunikationspsychologie
 

Die älteste, der Psychologie zuzuordnende Definition des Selbst stammt von dem US-amerikanischen Psychologen und Philosophen »William James (1842-1910), die er in seinem Standwerk zur Psychologie »The Principles of Psychology  aus dem Jahr 1890 gegeben hat (zit. in der Übersetzung von Schneider 1991, S.76):

"Im weitestmöglichen Sinn ist das Selbst die Summe all dessen, was ein Mann sein Eigen nennen kann, nicht nur seinen Körper und seine psychischen Kräfte, sondern auch seine Kleidung und sein Haus, seine Frau und seine Kinder, seine Vorfahren und Freunde, sein Ruf und seine Arbeit, seine Ländereien und Pferde, seine Yacht und sein Bankkonto."

Ältere Vorstellungen über das Selbst

Historisch gesehen ist das, was man sich zu verschiedenen Zeiten unter dem Selbst vorgestellt hat, sehr verschieden. Und wer den Blick über den eigenen Kulturkreis hinaus richtet, wird auch heute noch schnell sehen, dass das Selbst in modernen Industriegesellschaften des Westens anders definiert wird als anderswo in der Welt.

Unsere Entwicklung "eines neuen Modus der Vergesellschaftung", der das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft im Zuge der Individualisierung grundlegend verändert hat (Beck 1986, S. 205ff.), bei dem jeder einzelne "bei Strafe seiner permanenten Benachteiligung" lernen muss, "sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen" (ebd., S.217), besitzt weder aktuell, noch in unserer eigenen Geschichte universelle Gültigkeit.

"Ein aktives Handlungsmodell des Alltags, das das Ich zum Zentrum hat" (ebd.) und ihm mit "Biografiebastelei und Identitätsarbeit" die Aufgabe stellt, unter eigener Regie aus "vorgegebenen biographischen Entwurfsschablonen und Schnittmustern" (Keupp 1997, S. 16) herauszutreten, ist im (europäischen) Mittelalter, in dem der Einzelmensch wenig, sein Platz in seinem Verband aber nahezu alles ist (vgl. Borst 1979, S.234), undenkbar. In einen Stand hineingeboren in einer gottgewollten Ordnung gab es keinen Raum, sein Selbst im Sinne moderner Individualität zu entwickeln. (vgl. Baumeister 1997) Hier galten persönliche Bindungen alles, "niemand, der nicht 'seinen' Herrn gehabt und gekannt hätte." (Borst 1983, S.12)

Und während wir heutzutage ein Leben führen, das fortlaufenden, immer schneller sich vollziehenden Wandlungsprozessen in allen denkbaren Bereichen des Lebens unterworfen ist, geht es im Mittelalter eben gerade "nicht um Wechsel, sondern um Dauer" und "Sein bedeutet: sich nicht verändern. (...) Alles, was mit Unruhe und Forschen zusammenhängt, ist nicht 'in Ordnung'". Und alles ist eingebettet "in die Gewissheit der endlichen Erlösung". (Borst 1983, S.26f.)


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Das Selbst ist ein historisch-soziales Konstrukt

Was uns heute auch im Alltagsverständnis unseres Selbst so selbstverständlich zu sein scheint, dass wir uns in unserem Selbst von anderen unterscheiden, ist auch ein historisch-soziales Konstrukt, das erst nach und nach, an der Zeitenwende zur Neuzeit, in der Renaissance und Frühaufklärung, Bedeutung gewinnt.

In dieser Jahrhunderte währenden Entwicklung schälte sich die Vorstellung eines "inneren Selbst" heraus, das als Metapher den privaten Zugang des einzelnen zu seinen eigenen Gefühlen, Gedanken und Motiven (vgl. Schneider 1991, S.77) legitimierte und ermöglichte. Zudem entwickelte sich die Vorstellung, "dass das 'innere Selbst' die Quelle der Persönlichkeitszüge sei, die für die Leistungen der Person verantwortlich seien." Folgerichtig gewannen Künstler und Schriftsteller, die es im Bewusstsein ihrer Zeitgenossen verstanden, ihrem "inneren Selbst" Ausdruck zu verleihen, ein entsprechend hohes Ansehen. (vgl. Altick 1965)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 28.01.2026

     
 


   Arbeitsanregungen:

  1. Arbeiten Sie heraus, inwiefern unsere moderne Vorstellung vom eigenen Selbst ein historisch-soziales Konstrukt darstellt.

  2. Erläutern Sie, inwiefern die dargestellten Elemente des Selbstkonzepts unser Verhalten steuern können.

  3. Überlegen Sie, wodurch die unterschiedlichen Bereiche des allgemeinen Selbstkonzeptes beeinflusst werden. Suchen Sie dafür geeignete Beispiele.
     

 
 
 

 
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