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Identifikations- und Wiedererkennungsprozesse

Überblick


PSYCHOLOGIE

Glossar Entwicklungspsychologie Persönlichkeitspsychologie Kognitionspsychologie Emotionspsychologie Motivationspsychologie Kommunikationspsychologie Wahrnehmungspsychologie Überblick Neurobiologische Grundlagen der Wahrnehmung Modelle der Wahrnehmung Empfindung und Wahrnehmung Aufmerksamkeit [ Identifikations- und Wiedererkennungsprozesse ÜberblickBottom-up- und Top-down-VerarbeitungPandämonium-Modell (Selfridge) Das Bindungsproblem ]
 

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Eine der wichtigsten Fragen, mit denen sich die ▪ Wahrnehmungspsychologie beschäftigt, ist die Frage, wie wir Objekte aus unserer Umwelt erkennen (identifizieren) und wiedererkennen können. Was sagt uns, ist z. B. die Frage, dass das Objekt, vor dem wir stehen, ein Baum ist, und wo dieser und wir selbst eigentlich zu dem Zeitpunkt, an dem wir ihn sehen, uns eigentlich befinden. Festzustehen scheint jedenfalls, das zeigen z. B. die Wahrnehmungskonstanzen, dass die Interpretation bzw. die Zuordnung des Wahrgenommenen zu Kategorien keine rein Leistung höherer Verarbeitungsformen von Informationen in unserem kognitiven System darstellt, Objektidentifikation und Objektwiedererkennung keine rein postperzeptiven Leistungen sind. (vgl. Müsseler 2017, S.33)

Im wesentlichen stehen sich bei Ansätzen, die Fragen, "wie die Inhalte des Wahrnehmungsprozesses mit der Wissensrepräsentation überhaupt in Verbindung treten" (ebd.) erklären wollen, zwei verschiedene Theorien gegenüber:

  • Die Theorie des sogenannten Schablonenvergleichs (template matching), die mittlerweile aber kaum noch Anhängerinnen* findet, geht davon aus, dass ein konkretes Objekt wie z. B. der schon genannte Baum, mit einer in unserem Wissensgedächtnis gespeicherten Schablone (Prototyp) für dieses Objekt dadurch verglichen wird, dass man quasi die Schablone darüberlegt und dann feststellt, ob sich das jeweilige Objekt mit der ausgewählten Schablone deckt. Dass man dabei davon ausgehen muss, dass in unserem Gedächtnis eine gewissermaßen unendliche Anzahl von Schablonen gespeichert sind, hat u. a. dazu geführt, dass man von dieser Vorstellung Abstand genommen hat. Ferner hat man kritisiert, dass solche Schablonen der Vielzahl von Erscheinungen, man denke dabei nur daran, wie ein Buchstabe in unterschiedlichen Schriftarten, aber auch hinsichtlich seiner Ausrichtung aussehen kann, nicht ohne weitere Verarbeitungsprozesse (Angleichungsprozesse) gerecht werden können.

Distale Reize werden mit unserem gespeicherten Wissen verglichen

Die bewusste Wahrnehmung kann nur funktionieren, wenn wir die auf den ersten Stufen neuronaler Verarbeitung ermittelten Informationen über die physikalischen Eigenschaften des distalen Reizes mit unseren Erfahrungen, unserem gespeicherten (generischen) Wissen (deklaratives Wissen, konzeptuelles Wissen, prozedurales Wissen, episodisches Wissen, Weltwissen etc.) darüber vergleichen.

Schnell erkennen wir dann in der Umwelt Vertrautes und können diesen Perzepten (Wahrnehmungseindrücken) auf dem Weg der Identifikation mit unseren gespeicherten Vorstellungen darüber eine bestimmte Bedeutung geben.

Prozesse der neuronalen Verarbeitung der Wahrnehmungsprozesse

Der neuronale Prozess der Identifikation und des Wiedererkennens kann auf zwei verschiedenen Arten erfolgen, nämlich als Bottom-up und Top-down-Verarbeitungsprozesse.


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Bottom-up-Verarbeitung

Die Bottom-up-Verarbeitung oder datengesteuerte Verarbeitung ist eine Form der Wahrnehmungsanalyse, bei der sensorische Daten mit bestimmten physikalischen Reizmerkmalen an das ▪ Gehirn weitergeleitet werden. Dabei werden diese Daten so transformiert, damit sie im Gehirn in abstrakter Form repräsentiert werden können.

Top-down-Verarbeitung

Die Top-down-Verarbeitung oder konzeptgesteuerte Verarbeitung ist dagegen eine Form der Wahrnehmungsanalyse, die höhere mentale Prozesse zur Identifikation und Wiedererkennung von Objekten oder Ereignissen heranzieht. Bei dieser Art von Verarbeitung kommen also unsere Erfahrungen, unser Wissen, unsere Motive und unsere kulturelleren Dispositionen ins Spiel. Ausgangspunkt der kognitiven Verarbeitung der Perzepte sind bei diesem Verarbeitungsprozess Konzepte oder Hypothesen (daher auch hypothesengesteuerte Verarbeitung genannt), mit denen wir den Perzepten Bedeutung verleihen. (vgl. Zimbardo/Gerrig 2003, S. 194).

Prozesse der Wiederkennung bei der Verarbeitung distaler Reize

In der ▪ Gedächtnispsychologie werden grundsätzlich zwei verschiedene Prozesse beim Wiedererkennen bzw. der Identifikation: (volle) Erinnerung (recollection) und Vertrautheit (familarity)

Recollection (Erinnerung)

Mit dem Begriff Recollection (= Erinnerung) werden Wiedererkennungs- und Identifkationsprozesse bezeichnet,  die zu so genannten Remember-Urteilen führen. Solche Urteile beruhen darauf, dass wir uns "voll und ganz" an ein Objekt, eine Person, einen Ort etc. erinnern, wenn wir den distalen Reiz verarbeiten.

Das Remember-Urteil könnte an dem simplen Beispiel der obigen Darstellung etwa so ausfallen: "Ich kann mich genau/bewusst daran erinnern, dass ich gesehen habe, wie die Kerze gebrannt hat." Und: "Ich weiß, das deshalb noch so genau, weil, als ich in den Raum kam,  der Raum nur von diesem Kerzenlicht erleuchtet war." Mit der Kontextinformation werden weitere Informationen eingebracht, die aus unserem ▪ episodischen Gedächtnis stammen, in dem spezifische individuelle Ereignisse gespeichert werden.

Familarity (Vertrautheit)

Neben Recollection-Prozessen gibt es aber auch ein Wiedererkennen von Objekten, Personen,  Orten etc

Ein typisches Know-Urteil stellt die Abbildung dar. Im Bus will der Mann eine Frau, deren Gesicht ihm bekannt vorkommt, namentlich begrüßen, kann sich aber nicht genau erinnern, wer sie ist und folglich auch nicht, wie sie heißt. Erst später, als die peinliche Situation schon hinter ihm liegt, fällt ihm wieder ein, dass es sich um die Frau des Metzgers handelt, die ihn tags zuvor bei der Auswahl von Grillfleisch beraten hat. Diese bekannte Anekdote (butcher-in-the-bus) verdeutlicht auch, wie diese Art der Wiedererkennung funktioniert. Um sich wieder zu erinnern, greift der Mann auf sein ▪ episodischen Gedächtnis zurück. Es kann aber auch vorkommen, dass man z. B. einer prominenten Person begegnet, die man noch nie persönlich getroffen hat, und zunächst auch nicht weiß, wer sie ist. Erst kurze Zeit später kann man dann manchmal ihren Namen und andere Informationen über sie aus dem  ▪ semantischen Gedächtnis abrufen, wenn der Augenblick, um ein Selfie zu bitten, schon verstrichen ist. (vgl. Wentura/Frings 2013, S.117f., S.124)

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 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 15.02.2021

 
 

 
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