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Sprechakte

Indirekte Sprechakte

(John R. Searle)


FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Linguistik (Sprachwissenschaft)
RechtschreibungGrammatik / Syntax Semantik Pragmatik ▪ Überblick Sprechen als Handeln Überblick  ▪ Handlungsarten Sprechen als kommunikatives Handeln Komponenten von Sprachhandlungen  [ Sprechakte Didaktische und methodische Aspekte Überblick   Teilakte eines Sprechaktes Notwendige Bedingungen für das Gelingen von Sprechakten Regeln für den Vollzug von Sprechakten Sprechakttypen Indirekte Sprechakte Bausteine ] Bausteine Kommunikation Soziolinguistik Textlinguistik Gesprächsanalyse Schreibformen Rhetorik Filmanalyse Operatoren im Fach Deutsch
 

▪ Sprechen als Handeln
  Überblick
 
Handlungsarten
 Sprechen als kommunikatives Handeln
Kommunikationspsychologie
Vier-Seiten-Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation

In der alltäglichen Kommunikation verwenden wir eine Vielzahl von Äußerungen, deren Sprechakt, d. h. Zuordnung zu einem bestimmten ▪ Sprechakttyp durch die üblichen sprachlichen ▪ Illokutionsindikatoren nicht oder nur zum Teil vorgenommen werden kann. Die Bedingung, die Searle für die "normalen" illokutionären Akte formuliert, wonach sie wörtlich zu verstehen sind, gilt für manche ▪ Sprechakte eben nicht.

So ist da eben bei den folgenden Äußerungen der Fall:

  1. Hast du Feuer?

  2. Bist du von allen guten Geistern verlassen?

  3. Hier ist dicke Luft.

  4. Weißt du, wo ich meine Brille hingelegt habe?

  5. Könnt ihr mal leise sein?

  6. Ist Schweigen nicht oft besser als Reden?

Natürlich können solche Äußerungen zu Missverständnissen führen. So könnte jemand auf die in Frageform daherkommenden Äußerungen mit Ja oder Nein antworten und sie damit als Entscheidungsfragen verstehen.

In unserer sprachlichen Kommunikationspraxis kommt dies aber wohl eher selten vor. So wissen wir also schon, dass jemand, der uns fragt, ob wir Feuer haben, uns eigentlich bittet, ihm, sofern wir im Besitz eines solchen sind, ein Streichholz oder ein Feuerzeug zu reichen, mit dem er sich seine Zigarette anzünden kann. Und wenn jemand sagt, dass da, wo wir uns befindet, dicke Luft herrscht, ist uns ebenso klar, dass er/sie damit sagen will, dass Streit in der Luft liegt. Ob er uns damit auch auffordert, was dagegen zu tun, ist der Äußerung in dieser kontextlosen Darbietung aber kaum zu entnehmen. Und mit der Bemerkung zum Schweigen und Reden wird wohl am ehesten eine rhetorische Frage, die im Kern nichts anderes als eine assertive Behauptung bzw. Feststellung darstellt. Aber: auch das entscheiden in letzter Konsequenz Kontextindikatoren wie z. B. die konkrete Verwendungssituationen, die zu ihrer Bewältigung konventionalisierten Rahmenbedingungen oder Schemata sowie die psychischen und kognitiven Voraussetzungen, die der/die Sprecherin* in die Sprachhandlung einbringt und die bei  der/die Hörerin in den Verstehensprozessen einfließen.

Die Doppelstruktur indirekter Sprechakte

Betrachtet man das, was passiert, wenn wir solche Äußerungen, die alles andere als wörtlich gemeint sind, unter der Perspektive der ▪ Sprechakttheorie, dann kann dazu »John R. Searle (geb. 1932) Theorie der indirekten Sprechakte heranziehen, mit deren Hilfe er erklärt, wie es uns gelingt, Äußerungen, in denen der Sprecher offenkundig etwas anderes meint, als er sagt, zu erkennen.

Für Searle funktionieren solche indirekten Sprechakte im Grunde auf der Grundlage der Bedingungen und Regeln, die er für Sprechakte im Allgemeinen formuliert. Um eine Äußerung wie Hast du Feuer? richtig zu verstehen, ordnen wir sie den Einleitungsbedingungen zu, die für alle ▪ Direktive ( z. B.  auffordern, befehlen, anordnen, bitten, vorschlagen, nahelegen) gelten. Damit das gelingt, schließen wir von dem konkret Geäußerten auf den dieser Äußerung tatsächlich zugrundeliegenden Sprechakt, d. h. wir fassen die Äußerung Hast du Feuer? also letzten Endes nicht als Entscheidungsfrage auf, sondern erschließen im Verstehen auf der Basis unseres Hintergrundwissens und der Kenntnis entsprechender Regeln im Gespräch, die tatsächlich gemeinte Illokution. Im Grunde genommen "neutralisiert die Verwendungssituation den in der sprachlichen Form signalisierten illokutionären Zweck, jedoch nur, um damit einen anderen illlokutionären Zwecke hervortreten zu lassen." (Krämer 2001, S. 69f.)

Searle spricht im Zusammenhang mit diesem Erschließungsprozess von der wörtlich ausgedrückten, primären Illokution und der sekundären, d. h. der gemeinten Illokution. (vgl. Meibauer 22001, S.102) Indirekte Sprechakte zeichnen sich daher nach Searle dadurch aus, dass ein Sprecher eine gemeinte Illokution dadurch vollzieht, indem er einen anderen, d. h. die primäre Illokution vollzieht.

Geht man alle logischen Zwischenschritte durch, die bei indirekten Sprechakten logisch durchlaufen werden, kann sich dieser Schlussfolgerungsprozess über etliche Schritte hinziehen. Müssten wir bei jedem Sprechakt, diese mentalen "Rechenaufgaben" abwickeln, würde sich unsere Kommunikation nicht nur verlangsamen, sondern wäre darüber hinaus auch noch für "Fehlberechnungen" anfällig. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass solche Zwischenschritte beim Schlussfolgern sprachlich und gesellschaftlich konventionalisiert sind. Wir folgen dabei konversationellen Mustern (z. B. konversationellen Implikaturen) und kognitiven Schemata, die wir im Sprachgebrauch gelernt haben, und wenden sie ohne zusätzlichen mentalen Schlussfolgerungsaufwand an.

Eine vor allem sprach- und literaturdidaktisch reizvolle Aufgabe

Ohne den Ansprüchen der linguistischen Pragmatik dabei entsprechen zu wollen, ist die Illokutionsanalyse gerade der indirekten Sprechakte eine äußerst reizvolle und und interessante Aufgabe, die bei der Analyse mündlicher Äußerungen und schriftlicher Texte verwendet werden kann. Dabei kommt es natürlich nicht auf den lückenlosen Nachweis logischer Schritte und Operationen an, die ein/e Hörerin* beim Verstehen indirekter Sprechakte durchführen muss, sondern vor allem um die Bewusstmachung in Frage kommender Kontextindikatoren, die den jeweils gemeinten Sprechakttyp im Unterschied zu dem in der Äußerungen vollzogenen erkennen lassen.

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Kommunikationspsychologie
Vier-Seiten-Modell der zwischenmenschlichen Kommunikation

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.12.2020

 
 

 
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