Nachdem Adam von seinem
Schreiber • Licht erfahren hat,
dass es bei der Klage, die vor seinem Gericht erhoben werde, um einen
Krug geht, versucht er heimlich mit •
Eve ins Gespräch zu kommen, um mehr zu
erfahren, wird aber von dieser entschieden zurückgewiesen. Ihre Reaktion
scheint ihn aber so zu verunsichern, dass er sich unter dem Vorwand
seiner seiner Wunde am Schienbein und Übelkeit verdrücken will.
Als er •
Licht auffordert, die
Verhandlungsführung zu übernehmen, lehnt dieser jedoch, ohne
entsprechende Zustimmung des Gerichtsrats, entschieden ab. ("Ich
glaub, Ihr seid verrückt",
V 516; "Ich glaub,
Ihr rast, im Ernst.[...] / –
Ich weiß nicht, was
Euch fehlt?", V 518)
Wahrscheinlich steht ihm dabei vor Augen, was Gerichtsrat •
Walter über den
amtsenthobenen •
Richter Pfaul in Holla gesagt hat, wonach dieser sich erst mit
seinem gescheiterten Versuch durch Selbstmord weiterer Verfolgung
zu entziehen, wirklich verdächtig gemacht habe. (vgl. •
4. Auftritt,
V 341 - V 343)
So sieht sich
•
Adam gezwungen, weiter in
• Eve zu
dringen, um herauszufinden, was bei dem anstehenden Prozess zur Sprache
gebracht werden soll. Trotz • Eves
Erklärung, dass es einzig und allein um den Krug gehen werde,
wechselt Adam seinen anfangs noch einschmeichelnden Ton (V
521) und spricht die unverhohlene Warnung an Eve aus, sich klug zu
verhalten. (V 527) Als
Adam die Bedeutung seiner Warnung präzisiert, ist dem Leser und
Zuschauer endgültig klar, dass •
Adam die junge Frau erpressen will,
den Mund über ein Vergehen zu halten, dass er sich hat im Umgang mit ihr
zuschulden kommen lassen.
Es braucht an dieser
Stelle des Stückes daher nicht viel, sich einen Reim auf die bisher
vermittelte Vorgeschichte und das bisherige Geschen zu machen. Indem
• Adam
in erpresserischer Absicht und Manier • Eve die Konsequenzen vor Augen
hält, wenn sie nicht tue, was er wolle, begeht er ein strafbares
Verbrechen, mit dem er sich vor den Augen des Publikums endgültig
demaskiert. Zugleich bürdet er der jungen Frau mit seiner Behauptung auf,
sie allein werde andernfalls die Schuld daran tragen, dass
•
Ruprecht,
von dessen Einberufung zum Militärdienst Eve ja schon selbst gesprochen
hat (6. Auftritt,
V 457 -
V 460), binnen Jahresfrist
krepiere und sie Trauerkleidung tragen müsse. Auch wenn diese Behauptung
eigentlich völlig
unhaltbar, wirkt sie dennoch für • Eve
sehr belastend.
Adams Erpressung – ihre
ganzen Umstände werden erst durch • Eves
Darstellung nach • Adams Flucht enthüllt (12.
Auftritt, Variant
V 2001 -
V 2217) –
entzieht damit dem von ihm repräsentierten Gericht schon vor Beginn der
Verhandlung in den Augen der Leser und/oder Zuschauer jegliche
Legitimität. die sich auch im äußeren Erscheinungsbild
• Adams
niederschlägt. Mit dem gepudertem Kopf statt Perücke als Ausdruck
richterlicher Würde erscheint der "Ornat" (Amtstracht), mit dem er sich
kleidet, nur noch angemaßt.
So kann das Publikum kann nun mit großer Sicherheit annehmen, dass
• Adam der Verursacher allen bisher dargestellten Übels ist und sich mit
der Frage befassen, ob und wie die Wahrheit in einem Prozess, in dem der
Richter selbst der Schuldige ist, herauskommt. Spätestens von hier an
nimmt der Zuschauer die Rezeptionsrolle ein, die ihm die •
analytische Dramenstruktur in der •
dramatischen Kommunikation
des Stückes zuweist.
Trotz seiner
erpresserischen Warnung • Eves
und deren Zusicherung, es werde nichts
anderes als die Krugsache zur Sprache kommen, ist sich •
Adam seiner Sache nicht sicher. Als ihn Gerichtsrat •
Walter ermahnt, nicht weiter mit den
Klageparteien vor dem Prozess irgendetwas heimlich auszumauscheln ("Mit
den Partein zweideut'ge Sprache führen",
V 542) Im monologischen
Beiseite-Sprechen (a
parte), haben die Leser*innen oder das Publikum teil an
• Adams
Gedanken, die als weitere Bruchstücke die mysteriösen Vorgänge der
Vornacht weiter ein Stück weit erhellen ("Es klirrte etwas, da ich
Abschied nahm",
V 546; "Ich hatte sie
behutsam drauf gehängt", V 548).
Allerdings muss man dabei als Leser die Referenz der Aussagen "etwas
klirren" mit dem zerbrochnen Krug und den Bezug des Draufhängens mit
Adams Perücke in Verbindung bringen, um die Bedeutung seiner Aussage zu
verstehen.
Dass •
Adam in der Kammer • Eves
seine Perücke abgenommen und auf
den auf dem Wandgesims stehenden Krug gehängt hat und der Krug bei
seiner heillosen Flucht von ihm heruntergerissen wurde, erfährt der
Leser bzw. Zuschauer erst am Ende des Stückes aus • Eves
ausführlichem
Bericht über die Ereignisse der Vornacht. (12.
Auftritt, Variant,
V 2209f.,
V 2233f.)
Selbst
wenn Rezipient*innen diese Bezüge nicht herstellen können, wird ihnen •
Adam, da sie inzwischen mehr wissen als z. B. •
Walter nicht nur als dem
Augenschein nach "sonderbar
zerstreut" (V 557)
wirkende, sondern als von der Angst vor Entdeckung geplagte, geradezu
orientierungslos in Raum und Zeit agierende lächerliche Figur vor Augen
geführt.
Dass ihn sein Schreiber •
Licht wie aus einem Tagtraum
aufschreckt (V
547, Nebentext), •
Adam weiterredet, als sei er allein mit seinen
Gedanken, verdeutlicht, wie ihn seine Angst, ganz so wie von •
Licht gesagt, "taub"
(V 550) für die Wirklichkeit um ihn herum macht. Die durch die schnelle
Abfolge von Sprecherwechseln in Form von
Antilaben erzeugten
Missverständnisse reizen den Zuschauer dabei zum Lachen.
Adam gewinnt aber schnell
seine Fassung zurück. In einem weiteren kurzen monologischen
Beiseite-Sprechen (a
parte) • Adam
artikuliert er, wie er weiter vorzugehen gedenkt: "Ei! Hol's der Henker
auch!
Zwei Fälle gibt's, / Mein Seel, nicht mehr, und wenn's nicht biegt, so
bricht's.",
V 553f.) Dabei ist er sich
der Tatsache bewusst, dass alles gut oder eben schlecht ausgehen kann,
eine fatalistische Haltung, die er wenig später bei der Eröffnung des
Prozesses noch einmal, allerdings ironisch gebrochen, unterstreicht ("
So nimm,
Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!",
V 573).
Zunächst aber muss er
noch Gerichtsrat •
Walter Rede und Antwort stehen, dem
die sonderbare Zerstreutheit (V
557) • Adams
nicht entgangen ist. Der Dorfrichter, ganz der alte, tischt ihm als
Antwort die Geschichte auf, er habe sich beim Essen eines Perlhuhns den
Magen verdorben und •
Eve daher nur fragen wollen, was er dagegen tun könne.
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