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Tragödientheorie des Aristoteles (um 335 v. Chr.)

Sittliche Vortrefflichkeit und Glück

Mittel und Wege zu einem geglückten Leben


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Sittliche Vervollkommnung als Leitperspektive

Die ▪ Tragödientheorie von »Aristoteles (384-322 v. Chr.) steht, auch wenn sie streng deskriptiv vorgeht, im Kontext seiner sonstigen Lehre zu betrachten. Hier können nur ein paar wenige Gesichtspunkte zur Sprache gelangen, die die Tragödientheorie von Aristoteles als Ganzes berühren.

Die Auffassungen von Aristoteles drehen sich im Kern immer wieder um die Frage,  wie und unter welchen (politischen, gesellschaftlichen und kulturellen ) Bedingungen der Mensch Glück (»eudaimonia) erlangen kann.

Um dieses Glück, man kann darunter auch so etwas wie einen auch einen psychosozialen Zustand geglückten Lebens verstehen, zu erlangen, muss der Mensch bestimmte Tugenden erkennen, ausbilden und sein Leben nach ihnen richten. Dabei ist für Aristoteles das Tugend, was in der Regel die Mitte zwischen zwei verschiedenen, mehr oder minder polaren Handlungsalternativen darstellt. (Prinzip der Mitte; z.B. Tapferkeit als Tugend zwischen den Handlungsalternativen Tollkühnheit und Feigheit).

Das Erreichen des Glücks ist auch von der Vortrefflichkeit, der »Arete (altgriechisch ἀρετή aretḗ), abhängig, die in der griechischen Philosophie im Allgemeinen als Voraussetzung gelungenen Lebens angesehen wurde. Für Aristoteles ist darüber hinaus nur das Leben gelungen bzw. ist derjenige ein guter Mensch, der ein vernunftgeleitetes Leben führt.

Das bedeutet aber für Aristoteles nicht, dass das Glück einzig und allein von Verstandestugenden abhängt. Äußere oder körperliche Güter und auch die Lust sind für ihn durchaus hilfreiche, zum Teil auch notwendige Faktoren, um glücklich zu werden. Sie stellen aber nur Mittel dar, mit denen sich wie z. B. mit materiellem Wohlstand, Macht und sozialen Beziehungen Glück verbinden lässt, so wie andere Faktoren wie z. B. bei körperliche Verunstaltung, Einsamkeit oder missratene Kinder dem Glücksempfinden (eudaimonia) entgegenstehen können.

Lustfeindlich ist Aristoteles dabei nicht. Zwar ist er der Ansicht, dass eine hedonistische Lebensführung kein Glück bringe, zugleich betont er aber auch auch die Lust ein Gut sei,  gelungenes und gutes Leben eben auch Lust einschließen müsse, auch wenn diese nicht das oberste Gut sei.

Da der Mensch bzw. die menschliche Seele nicht allein von rationalen Vernunft geprägt ist, sondern auch einen nicht-vernünftigen, emotionalen Bereich hat, der die Affekte hervorbringt, muss der vernünftige Teil die Kontrolle über den nicht-vernünftigen Teil der Seele gewinnen und den Widerstreit der beiden Teile so organisieren, dass sie miteinander dadurch in Einklang gebracht werden können, dass sich die Affekte des Menschen der Vernunft unterordnen.

Nur ein Mensch, dem dies gelingt, kann den Zustand der Vortrefflichkeit erreichen.

Verstandes- und Charaktertugenden als Mittel zu Vortrefflichkeit und Glück

Wer den Zustand der Vortrefflichkeit erreichen will, muss man den beiden Seelenteilen entsprechend  zwei verschiedene Arten von Tugenden durch Erziehung und Gewöhnung ausbilden, zu deren Entwicklung prinzipiell alle Menschen in der Lage sind.

  • Verstandestugenden (dianoetische Tugenden) sind Tugenden wie z. B. die Weisheit, die den Erwerb von kognitivem und deklarativem Wissen über die Welt ermöglichen, und die Klugheit, die quasi den Kompass eines Handlungswissens bereithält, welche Handlungen zur Zielperspektive "guten Lebens" (Eudaimonie) passen und welche nicht.

  • Charaktertugenden (ethische Tugenden) sorgen dafür, dass die Strebungen und Affekte mit dem, was die Vernunft verlangt, im Einklang stehen. Ihre Ausprägungen bestimmten dabei den Charakter eines Menschen. Charaktertugenden sind für Aristoteles durch Habitualisierung bestimmter Haltungen erworbene Tugenden, die nicht auf Anlagen des Menschen beruhen. Zu ihnen zählen z. B. die Tapferkeit, die Besonnenheit, die Freigebigkeit, die Gerechtigkeit, die Großzügigkeit, die Hochgesinntheit und die Wahrhaftigkeit.

Das Zusammenwirken der beiden Tugenden kann den Menschen dahin führen, das richtige Maß zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig zu finden. Dieses Prinzip der Mitte gilt ebenso für das Verhältnis von Kopf und Herz, wie man sagt, bzw. von Verstand und Gefühl. (»Mesotes-Lehre) Dabei kommt vor allem der Klugheit (phronêsis), die eng mit dem Handeln verknüpft ist, eine zentrale Bedeutung zu. Ihr Zusammenspiel mit den Charaktertugenden stellt die Grundlage für letzten Endes vernünftige Entscheidungen dar, mit denen ein Mensch, der sich auf seine Erfahrungen stützt, auf das gute Leben hin handeln kann. Aufgabe der Klugheit ist es in solchen Entscheidungssituationen, die Mitte(mesotês) zu finden.

Vor allem darf aber ein Mensch nicht von seinen Leidenschaften (Affekten, "Trieben"), insbesondere wenn diese selbst schon zweifelhaft sind (z.B. Gier), gesteuert und beherrscht werden. Da diese Affekte aber natürlich, im Sinne von naturgegeben, sind, müssen sie "gezügelt" werden. Auf das rechte Maß gebracht entfalten die Affekte erst ihre für den Menschen wichtigen existentiellen und sozialen Funktionen.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 17.06.2020

 
 

 
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