teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

Katharsis-Theorie von Aristoteles

Überblick


FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte [ ● Dramatische TexteÜberblick Strukturen dramatischer Texte Genres/Gattungen Theorie des Dramas Aristoteles ÜberblickLeitperspektive sittliche Vervollkommnung [ Katharsis-Lehre Überblick ◄ ▪ Das traditionelle altphilologisches Verständnis der Katharsis-Lehre ] Die Kunstform der Tragödie   Gotthold Ephraim Lessing Bertolt Brecht Didaktik: Das Drama im Literaturunterricht Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten Links ins Internet Textauswahl Bausteine Lyrische Texte Literarische Zweckformen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch ANALYSE UND INTERPRETATION EINES DRAMATISCHEN TEXTES

Die ▪ Tragödientheorie von »Aristoteles (384-322 v. Chr.) ist vor dem Hintergrund seines Menschen- und Gesellschaftsbildes zu begreifen und der Entwicklung, welche die Tragödie im Laufe der Zeit genommen hat.

In seiner um 335 v. Chr., ein Jahr bevor »Alexander, der Große (356-323 v. Chr.) die Herrschaft anstelle seines ermordeten Vaters »Philipp II. (382-336 v. Chr.) antrat, nur teilweise erhaltenen Schrift »Poetik beschrieb er grundlegende Strukturmerkmale der Tragödie. Diese hatte sich bis dahin hinsichtlich ihrer Behandlung der mythischen Stoffe, ihrer Dramaturgie, den Rezeptionsweisen des Publikums und ihrer Funktion im gesellschaftlichen Leben seit der klassischen Zeit des 5. und 4. Jahrhunderts schon ▪ weiterentwickelt, ohne jedoch ihre mythologischen Wurzeln preiszugeben.

Die Manipulation der Affekte durch den Logos

In »hellenistischer Zeit hatte der radikale, subjektivistische und relativistische Denkansatz der »Sophisten mit dem Menschen als Maß aller Dinge, nicht nur den naiven Glauben an überliefertes Wissen in Frage gestellt, sondern auch die Fragen aufgeworfen, was, wenn nicht göttliche Determination, menschliches Handeln antreibt und welche Grenzen diesem Handeln gesetzt sind. In diesem Zusammenhang wurde natürlich auch den Affekten - der Begriff "(umfasst) alle Gefühls- und Willenszustände" (Brauneck 2012, S.35) -, ihren Erscheinungsformen und Funktionen, immer mehr Beachtung zuteil.

So ist wohl davon auszugehen, dass solche Überlegungen auch den sophistischen Rhetoriklehrer »Gorgias (483-375/374 v. Chr.) beeinflusst haben, als er sich mit der Wirkung der Tragödie auseinandersetzte. Seine wirkungsästhetischen Überlegungen, wonach die Zuschauer bei der Rezeption affektive Zustände wie "angstvolle  Schauer (phrike)", "tränenreiche(n) Jammer (éleos)", "schmerzliche Sehnsucht (póthos)", "Glück und Unglück" erlebten und durchmachten (vgl. ebd., dort zit. n. Richter 1983, S.176), mündeten dabei in der Vorstellung einer "uneingeschränkte(n) Möglichkeit der Manipulation der Affekte durch den Logos, also durch das Wort". (ebd.)

Damit rückte er auch die suggestiv-manipulierende Funktion von Dichtung im Allgemeinen in den Blick, die als Logos alle Affekte nach Belieben steuern konnte. (vgl. Richter 1983, S.175) Affekte waren jedenfalls aus dieser Sicht keine seelischen Urgewalten, sondern konnten über mimetisch-fiktionale Darstellungen, wie sie die Tragödien darboten, evoziert werden.

Diese und andere ErkenntnisseIdeenlehre) trugen wohl auch dazu bei, dass »Platon (428/427-348/347 v. Chr.), der Lehrer von »Aristoteles (384-322 v. Chr.) den ▪ Affekten rundum ablehnend gegenüberstand.

Die Wirkung der Tragödie auf den Zuschauer: Die Katharsis-Theorie von Aristoteles

Der Begriff der Katharsis, der immer wieder in das Zentrum der Dramen- bzw. Tragödientheorie von Aristoteles gerückt wird, taucht in seiner »Poetik, von der wichtige Teile, vor allem die über die Komödie, verlorengegangen sind, nur ein einziges Mal auf (vgl. Fuhrmann 1994, S.146). In seiner berühmten Definition der Tragödie zu Beginn des 6. Kapitels heißt es nämlich:

"Die Tragödie ist die Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, wobei diese formenden Mittel in den einzelnen Abschnitte je verschieden angewandt werden - die Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammern und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung [griech. κάθαρσις kátharsis] von derartigen Erregungszuständen bewirkt." (Aristoteles, Poetik, 6. Kap., S.19)

Die Frage, die die Aristoteles-Rezeption über viele Jahrhunderte umtrieb, "ob Aristoteles eine Reinigung der Affekte oder eine Reinigung von den Affekten gemeint habe" (Allkemper/Eke 22006,S. 114) , scheint heute gemeinhin zugunsten der letzteren Antwort entschieden zu sein: Die aristotelische Katharsis dient hernach, psychologisch betrachtet, der Affektabfuhr und zielt damit "auf die Abreaktion eines Affektstaus" (ebd.) Ob dies wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, sei dahingestellt, zumal der historische Kontext bei einer solcherart psychologischen Sicht außen vor bleibt. Festzustehen scheint aber, dass für Aristoteles die Tragödie und ihr Spiel mit den Affekten, ohnehin, keinen, jedenfalls nicht unmittelbaren politisch-pädagogischen Zweck mehr besaß (vgl. Brauneck 2012, S.36) und auch den Heroen "überhaupt keine religiöse Bedeutung mehr zu(kam)" (Fuhrmann 1994, S.160).

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 19.06.2020

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz