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Parabel: Didaktische und methodische Aspekte

Kontexte einbeziehen


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Hermeneutischer Zirkel

Themabereich: Lesen
Lesen und Textverstehen (CI-Modell)
Das Lesen erzählender Texte: Inferenzbildung und Situationsmodelle beim sinnkonstruierenden Lesen
Inferenzbildung beim Lesen kürzerer erzählender Texte

Kontexte dienen der Bedeutungserzeugung bzw. Sinnkonstruktion

Viele ▪ Parabeln, insbesondere die ▪ modernen unter ihnen, bieten keine einfachen Zugänge zu ihrem Verständnis. Sie wirken oft unverständlich, machen irgendwie keinen Sinn oder wirken manchmal auch überaus trivial, dass man ihnen so, wie man das bei anderen Texten gewöhnlich macht, einfach nicht beikommen kann. Sie bleiben einem irgendwie fremd. Ob man diese ▪ Fremdheitserfahrungen überwinden kann und vor den u. U.  demotivierenden Erfahrungen struktureller Fremdheit entgegenwirken kann, hängt neben anderen Faktoren auch davon ab, ob man diese durch Kontexte und vielfältige Kontextualisierungsbemühungen bewältigen kann. Und doch: Selbst wenn man sich in dieser Weise anstrengt, kann es sein, dass die strukturelle Fremdheitserfahrung von einem einzelnen Rezipienten nicht überwunden werden kann.

Kontextualisierungsvorgänge sind, unabhängig davon, ob sie stets ein angemessenes Textverständnis fördern oder nicht, Bestandteil aller Verstehensprozesse beim ▪ Lesen.

Die ▪ antihermeutisch ausgerichtete ▪ kontextuelle Interpretationsmethode geht dabei so weit, dass sie jede Interpretation für prinzipiell kontextgebunden und kontextabhängig sieht. Für sie steht fest, dass Bedeutungserzeugung und Sinnkonstruktion von Texten immer über Kontexte erfolgt und die ▪ hermeneutisch ausgerichtete ▪ werkimmanente Interpretationsmethode damit von grundsätzlich falschen Voraussetzungen ausgeht. Sie geht nämlich "" trotz gegenteiliger Behauptung von Kontexten aus" (Steinmetz 1995, S.482) So stellte z. B. die von dieser Richtung idealisierte deutsche ▪ Klassik (1786-1805) mit ihrer "Vorstellung vom harmonischen Kunstwerk, in dem alle Teile in funktionalem Zusammenhang stünden und miteinander ein kohärentes und konsistentes Ganzes bildeten, den allgemeinen Hintergrund, von dem aus die konkreten Bedeutungszuerkennungen gesteuert wurden." (ebd.) Was die Kritik an der "reinen" werkimmanenten" Interpretationsmethode hervorhebt, gilt in analoger Weise für sämtliche typologischen Ansätze die vom Kriterium textinterner oder textexterner Bedeutungserzeugung ausgehen.

Dabei ist noch nicht einmal an die Stilisierung dieser Methode zu dem einzig gangbaren Weg um das vermeintlich "Ewige, das in den Dichtungen Gestalt wird", (Mahlholz 1923, zit. n. Baasner/Zens 32005, S. 76) in seiner überzeitlichen Größe, frei von jeglichen außertextlichen Bezügen und Gegebenheiten, zu erfassen, gedacht, sondern nur an kognitionspsychologisch irrigen Annahmen über das Lesen selbst. Die kontextuelle Methode steht jedenfalls modernen kognitionspsychologischen Theorien über das Textverstehen durchaus nahe.

Im Übrigen hat sich natürlich auch die Literaturdidaktik und die Praxis der Textinterpretation in der Schule schon seit längerer Zeit von der "lupenreinen" werkimmanenten Interpretation, sofern es sie je überhaupt so gegeben hat, verabschiedet.

Zu den Operationen bei der Textinterpretation gehört die Kontextualisierung, z. B. durch das Entwickeln von literaturgeschichtlichen, gattungsgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen, biographischen, politisch-sozialen Bezügen heute nicht nur dazu, sondern soll auch Umgangsweisen mit literarischen Texten einen Riegel vorschieben, welche die historischen Bezüge eines dichterischen Werkes zugunsten einer verfehlten Vorstellung von "zeitloser Dichtung" ausblenden. Zugleich soll damit auch der Bedeutung entsprechenden Grundlagen- und Orientierungswissens für das Verstehen literarischer Texte Rechnung getragen werden.

Das Konzept, mit der man den Fehlorientierungen der werkimmanenten Interpretation dabei zu Leibe rückt, ist die ▪ Kontextualisierung der werkimmanenten Interpretation, bei welcher der literarische Text auf lokaler Textebene weiterhin werkimmanent und strukturierend erschlossen werden soll, um im Anschluss daran, das gewonnene Textverständnis unter Einbeziehung bestimmter inter- oder extratextueller Kontexte auf seine Stichhaltigkeit und Konsistenz zu prüfen und ggf. mit den aus den verschiedenen Kontexten gewonnenen Informationen zu bestätigen, zu modifizieren, anzureichern und/oder zu erweitern.

Kognitionspsychologisch gesehen spielen Kontexte bei allen ▪ Formen der Inferenzbildung beim ▪ Lesen erzählender Texte eine Rolle. Zudem helfen sie auch, ▪ Erfahrungen alltäglicher Fremdheit und ▪ struktureller Fremdheit zu überwinden, indem begriffliche Unklarheiten oder Schwierigkeiten bei der Herstellung von Bedeutungszusammenhängen auf Textebene durch Einbeziehung ihres textuellen Kontextes geklärt werden.

Parabeln sind ohne Rekontextualisierungs- und Kontextualisierungsprozesse nur schwer verständlich

Viele Parabeln erschließen sich dem Leser erst auf der Basis mehr oder weniger umfangreicher Kontextualisierungsbemühungen. Dies gilt insbesondere auch für Schülerinnen und Schüler, die sich mit den verschiedenen ▪ Typen von Parabeln im Unterricht beschäftigen.

Die literaturdidaktischen Konsequenzen aus allen diesen Überlegungen sind so klar, wie schwer umzusetzen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 24.11.2020

       
 

 
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