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An eine vortreffliche schöne und Tugend begabte Jungfraw (Nr. 131) - Gegen=Satz. An eine sehr häßliche Jungfraw (Nr. 132)

Aspekte der Analyse und Interpretation

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Venus-gärtlein (1656)
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Petrarca und die Überbietungspoetik des Barock
Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
▪ 
Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Die Schönheit, aber auch die Hässlichkeit von Frauen wurde in den Liedern der frühen Neuzeit immer wieder thematisiert, gehörte doch das Aussehen einer Frau auch stets zu den Faktoren, die die Partnerwahl beeinflusst haben. So waren Lieder, die die Schönheit von Frauen, aber auch Männern priesen "voll von Lobeshymnen au die schmucke Figur und die strahlenden Augen des oder der Geliebten, auch wenn körperliche Anziehungskraft als trügerisch dargestellt wurde." (Hufton 1998, S.179)

Dabei hatte man wohl in der Realität, ganz im Gegensatz zu den idealisierten Überhöhungen weiblicher Schönheit in der ▪ petrarkistischen Barocklyrik, keineswegs so hohe Ansprüche, denn in den Gesellschaften der frühen Neuzeit "galt eine Person schon als schön, wenn sie, ob Mann oder Frau nicht pockennarbig war und nicht an Vitaminmangelkrankheiten, Geburtsfehlern oder Missbildungen durch Arbeitsunfälle litt." (ebd.) Aber dessen ungeachtet spielte die Aussicht auf ein gesichertes Einkommen und das Vermögen überall in Europa bis zum 20. Jahrhundert die entscheidende Rolle dabei, wer wen heiratete. Anziehungskraft und Zuneigung der Partner waren dem also im Allgemeinen immer untergeordnet. (vgl. ebd.)

Erotischer Petrarkismus und Antipetrarkismus

Die beiden Lieder ▪ An eine vortreffliche schöne und Tugend begabte Jungfraw (Nr. 131) und ▪ Gegen=Satz. An eine sehr häßliche Jungfraw (Nr. 132) aus dem ▪ Venus-Gärtlein (1656) sind in dialektischer Weise thematisch aufeinander bezogen.

Sie stehen in der ▪ Tradition der Bildsprache beim ▪ petrarkistischen Schönheitspreis und antipertrakistischen Hässlichkeitslob von Frauen. Ihre Motive und Topoi prägen beide Gedichte. Der ▪ erotische Petrarkismus malt die Liebeswerbung zum Teil sehr detailreich aus und überhäuft die Geliebte in der Regel mit Komplimenten, frivolen Angeboten und Aufforderungen (z.B. ▪ Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1616-1679). Der sog. Antipetrarkismus, dreht das Motiv der aussichtlosen Liebe zu der unerreichbaren Geliebten so ironisch um wird, dass nicht mehr die Schönheit der Geliebten, sondern, angesichts nicht erwiderter Liebe, deren Hässlichkeit oder ▪ Vergänglichkeit der Schönheit (▪ Hofmannswaldau) besungen wird.

Im Antipetrarkismus hat der Petrarkismus jedenfalls seinen kritisch-parodierenden Antipoden gefunden, der zwar den stilistischen und rhetorischen Vorgaben des petrarkistischen Systems folgte, zugleich aber z. B. dessen Liebes- und Schönheitsideal umwertete, ohne dabei die "petrarkistische(n) Gegenstände in einem niederen, spöttisch-derben Stil" burlesk-travestierend zu behandeln. (vgl. Borgstedt 2007, S. 59) Beispielhaft dafür ist auch ▪ Paul Flemings (1609-1640) Parodie Wie? ist die Liebe nichts? auf das Mustersonett Francisci Petrarchae ( Sonnet. Aus dem Italienischen Petrarchae), das ▪ Martin Opitz (1597-1639) der Nachwelt zur Nachahmung und zum Übertreffen mit eigenen Umdichtungen in seiner Übersetzung/Umdichtung der Vorlage von »Francesco Petrarca (1304-1374) anpries.

Ebenso können die von ▪ Hans Assmann von Abschatz (1656-1699) übersetzten ▪ "Schertz-Sonette" (1704) als thematisch besonders herausragende Beispiele des antipetrarkistischen Hässlichkeitslobes gelten. Eine ▪ Auswahl seiner Texte finden Sie hier. Sie lauten u. a.: ▪ Die Schöne Blattende, Die Schöne Hinkende, ▪ Die Schöne Gelbsüchtige, ▪ Die Schöne Schielende, ▪ Die Schöne Zerrissene, ▪ Die Schöne Zahnlückige, ▪ Die Schöne Einfältige, ▪ Die Schöne Groß-Nase, ▪ Die Schöne Pockengrübigte,▪ Die Schöne Unfruchtbare, ▪ Die Schöne Magere, ▪ Die Schöne Fette, ▪ Die schönen grauen Haare, ▪ Die Schöne Lange-Geliebte, ▪ Die Schöne Häßliche, ▪ Die Schöne Alte ...

Auch das "Überzwerche Lob einer schönen Dame", das ▪ Grimmelshausen (1622-1676) in seinem Roman ▪ Simplicissmus Teutsch (1668) gestaltet hat, stellt dabei, allerdings in der oben bezeichneten burlesk-travestierenden Art und Weise eines spöttisch-derben Stils, eine Parodie des ▪ petrarkistischen Schönheitspreises dar (vgl. Willems 2012, Bd. I. S.235), ist aber i. e. S. keine antipetrarkistische Gestaltung, die es ästhetisch mit einem bestimmten Prätext aufnehmen und diesen gar noch übertreffen will, sondern dient satirischen Zwecken.

Erotischer Petrarkismus und der auf ihn bezogene Antipetrarkismus stützen sich dabei auf ein gemeinsames Reservoir fester Stereotypen und klischeeartiger Vorstellungen und rhetorischer Strategien, die insbesondere in die ▪ barocke Liebeslyrik Eingang gefunden haben.

Bei der Frauenbeschreibung bzw. dem sogenannten Schönheitspreis zeigenn sich solche Rollenstereotype zur Frauen- und Männerrolle in besonderer Weise als Kernelemente petrarkistischer Bildsprache. Ihre stets mehr oder weniger gleichen Stereotypen sind u. a.folgende: "Das Antlitz ist Diamant, die Wangen sind Rosen, die Haare Gold, die Brüste Marmorbälle" (Szyrocki 1968b, S.18f.) und auf die Röte der Lippen verweisen Korallen, weißer Schnee auf die Haut, Bäche auf Tränen und Marmor und andere Steine auf die Herzenskälte und Unnahbarkeit der Geliebten. (vgl. Niefanger 2006, S.109) Und "die überschönen, blind machenden, tötenden Augen" (Szyrocki 1968b, S.18f.) der Angebeten und Begehrten werden mit Edelsteinen oder Quellen verglichen. (vgl. Niefanger 2006, S.109)

Solche stereotype Vorstellungen über das Äußere von Frauen sind dabei begleitet von Vorstellungen, die bestimmte Metaphern repräsentieren, wenn z. B. die "Liebe als Kampf, Feuer, Leben und Tod"  dargestellt wird. (Meid 2000., S.28)

Eine sich ständig selbst überbietende Naturmetaphorik, die der unerhörten Liebe eine geradezu kosmische Dimension verleiht, gehört ebenso zum petrarkistischen System wie verschiedene Trostmotive (Träume und Erinnerungen an die Geliebte) oder die Darstellung von Rückzugsmöglichkeiten für den Sänger, der weit weg von der Geliebten, meistens in Einsamkeit, Ruhe und Besinnung erlebt. (vgl. Niefanger 32012, S.119)

Ihre Bildlichkeit und die Technik ihrer Verknüpfung ist dem kompetenten, d. h. entsprechend gebildeten, barocken Hörer/Leser jedenfalls im Grundsatz vertraut und erscheint ihm - das scheint ihr eigentlicher Reiz  für ihn zu sein - aber durch die Vielfalt der kombinatorischen Möglichkeiten stets auch wieder verfremdet (vgl. Herzog 1979, S.52)

Der dialektische Bezug von Petrarkismus und Antipetrarkismus

Das in der Tradition des petrarkistischen Schönheitspreises stehende Lied ▪ An eine vortreffliche schöne und Tugend begabte Jungfraw (Nr. 131) ist zugleich ein Beispiel für einen ▪ manieristischen Stil, der einen klaren Hang zu überzogener "Artistik" der Darstellung aufweist, von von regelrecht gesucht wirkenden Bildern und rhetorischen Gestaltungsmitteln und allerlei Chiffren strotzt, die sich nur einem kompetenten zeitgenössischen, in dieser Bildsprache und ihrer Rhetorik bewanderten Leser erschließen. Es schickt damit seinen Sänger und die Zuhörer*innen quasi auf eine Art einer Entdeckungsreise mit eingebauten Wiedererkennungseffekten, bei der sie genussvoll den Sinn von Hyperbeln, Synästhesien oder Oxymora, die Bedeutung von Fremdwörtern erkennen, gelehrte Anspielungen auf die antike Mythologie entschlüsseln und oft noch lateinische Satzfragmente übersetzen soll.

In der dialektisch aufeinander bezogenen Bildsprache beider Gedichte liegt dabei auch der besondere Reiz der Lieder, wenn sie von ihren Sängern nacheinander präsentiert wurden. Zugleich ist auch ein ironisierender Grundton schon beim petrarkistischen Schönheitspreis zu erkennen. Die Häufung von Diminutiven  wie z. B. Münd-lein, Zähn-lein, Züng-lein, Hälß-lein, Aermlein oder Brüstlein, sowie die z. T. sehr gekünstelt wirkenden Vergleiche wie z. B.  "Brüstlein wie zween Zucker-Ballen", machen den Schönheitspreis selbst zu einem bloß der Unterhaltung dienenden Spiel, das den Kontrast zu dem nachfolgenden Hässlichkeitslob in dem Lied An eine sehr häßliche Jungfraw (Nr. 132) verstärken soll, indem jedes Element des Schönheitspreises antipetrakistisch umgedeutet erscheint.

An eine vortreffliche schöne vnd Tugend begabte Jungfraw (Nr.131) An eine sehr häßliche Jungfraw
(Nr. 132)

Gelbe Haare, güldne Stricke

Grawes Haar voll Läuß vnd Risse

Tauben-Augen, Sonnenblicke Augen von Schablack1, von Flüsse
schönes Mündlein von Corallen, Zähnlein, die wie Perlen fallen blawes Maul voll kleiner Knochen, halt verrost vnnd halb zerbrochen
Lieblichs Zünglein in dem Sprachen Blatter=Zunge2, kranck zu sprachen,
süsses Zörnen Affischs=zörnen3
süsses Lachen Narren=lachen
Schnee- und Lilgen weisse Wangen, die voll rohter Rosen hangen Runtzel volle mager Wangen, die wie gelbe Blätter hangen
Weisses Hälßlein, gleich den Schwanen Halß=Haut gleich den Morianen4
Aermlein, die mich recht gemahnen, wie ein Schne, der frisch gefallen Arme, die mich recht gemahnen, wie ein Kind ins Koth5 gefallen,
Brüstlein wie zween Zucker-Ballen Brüste wie zween Drucker=Ballen6
Lebens voller Alabaster Du bist so ein Alabaster7, als en wohlberegntes Pflaster
grosse Feindin aller Laster, frommer Hertzen schöner Spiegel aller Ungestalt ein Spiegel
aller Freyheit güldner Zügel aller Schönen Steigebügel8
Außbund aller schönen Jugend Schimpff der Jungfern vnd der Tugend
auffenthaltung aller Tugend, Unhuld aller lieben Tugend
Hoff=statt aller edlen Sitten Einöd aller plumpen Sitten
jhr habt mir mein Hertz bestritten lästu dich zum freyen bitten

Worterklärungen

1 Schablack: Zum Restaurieren von alten Möbeln wird Schellack verwendet.   Lackharz bezeichnet, ist eine harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus Kerria lacca (Pflanzenläuse, Familie Kerridae) nach ihrem Saugen an bestimmten Pflanzen gewonnen wird.

2 Blatter-Zunge: Zunge, die von den Pocken entststellt ist; Pocken sind  eine für den Menschen äußerst gefährliche und lebensbedrohliche, sehr ansteckende Infektionskrankheit, die von Pockenviren (Orthopox variolae) verursacht wird; das für die Erkrankung typische und namensgebende Hautbläschen wird als Pocke oder Blatter bezeichnet; typischer Krankheitsverlauf: "Nach einer anfänglichen Fieber-phase, der eine Inkubationszeit von durchschnittlich zwölf Tagen vorausgeht, zeigen sich kleine bis linsengroße rötliche Flecken, die sich vom Kopf ausgehend über den ganzen Körper ausbreiten. Diese entwickeln sich im Verlauf weniger Tage zu Knötchen (Papeln) und dann zu perlmutterartig glänzenden Bläschen (Vesikeln). Die zunächst mit klarer, eiweißhaltiger Flüssigkeit (Lymphe) gefüllten Blattern beginnen um den achten Krankheitstag herum zu vereitern." (Jütte (2013): Krankheit und Gesundheit in der Frühen Neuzeit, Kindle-Version); wenn die Krankheit besonders schwer und meistens tödlich verläuft (variola haemorrhagica), kommt es zu heftigen Blutungen, die auf der Haut als blauschwarze Flecken in Erscheinung treten (volkstümliche Bezeichnung: »Schwarze Blattern«); Erkrankte starben dabei meistens binnen einer Woche; bei der häufigsten Form der Pocken (variola major) lag die Sterblichkeit, als es noch keine Immunisierung durch eine Schutzimpfung gab, bei 20 bis 40 Prozent; Pocken galten jahrhundertelang neben der Pest als die Hauptgeißel der Menschheit, weil die Sterblichkeitsrate ziemlich hoch war und die Krankheit insbesondere unter Kindern wütete; wer die Krankheit überlebte, war oft für das ganze Leben entstellt. Der englische Geschichtsschreiber Thomas Macaulay (1800–1859) liefert eine dramatische Schilderung dieser Seuche: »Die Pocken waren immer da, füllten die Kirchhöfe mit Leichen, peinigten den Verschonten mit ständiger Angst, hinterließen an dem mit dem Leben Davongekommenen die scheußlichen Spuren ihrer Macht, verwandelten den Säugling in einen Wechselbalg, vor dem die eigene Mutter zurückprallte und ließen die Wangen der Verlobten dem Bräutigam zur Abscheu werden.« (zit. n. Jütte 2013, ebd.); es waren neben den für jeden sichtbaren Spätfolgen vor allem der schnell eintretende Tod, den die Menschen früher besonders fürchteten;  das einzige wirksame Mittel gegen die Pocken ist bis heute die »Pockenimpfung; Menschen, die in der Frühen Neuzeit ein wegen einer früheren Pockenerkrankung von zum Teil kraterförmigen Narben (= sog. "Blattersteppen") entstelltes Gesicht hatten, gab es viele, und die anderen Menschen bekamen sie oft zu sehen; wer ein pockennarbiges Gesicht hatte, besaß sowohl als Frau als auch als Mann geringere Heiratschancen; verringerte übrigens nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern die Heiratschancen;  im Übrigen wütete die Krankheit unter allen Bevölkerungsschichten.

3 Affischs=zörnen: affisch = affenartrig, läppisch; zörnen = mürrisch, beleidigt sein

4 Morianen: Moriane =  von Mohr (= Menschen mit schwarzer bzw. dunkler Hautfarbe); im 16. Jahrhundert in Gelehrtenkreisen verwendete Weiterbildung des Wortes Mohr

5 Koth: h. wohl im Sinne von: Dreck, Modder

6 Drucker-Ballen: »Druckerballen sind mit glattem Leder überzogene Ballen, mit welchem die Drucker die aufgestrichene Farben auf die Formen, besonders beim Buch- und Kupferdruck, bringen;

7 Alabaster: »Alabaster: ist eine sehr häufig vorkommende, mikrokristalline Varietät des Minerals Gips, je nach Fundort weiß, hellgelb, rötlich, braun oder grau; besitzt optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit Marmor, fühlt sich aber als schlechter Wärmeleiter im Gegensatz zu diesem warm an; außerdem ist er im Unterschied zu Marmor nur bedingt wetterfest, zersetzt sich also witterungsbedingt schnell und wird dann unansehnlich; in der Bildhauerei ausschließlich für Innenraumobjekte genutzt.

8 Steigebügel: »Steigbügel (Reiten) die Fußstütze für einen Reiter, die in Höhe der Füße seitlich vom Reittier (z. B. einem Pferd) herabhängt; als Rolle (»Steigbügelhalter), Bezeichnung für eine Person, die einem anderen die Steigbügel festhält, um es diesem zu erleichtern, in den Sattel zu kommen. heute in der Politik häufig abwerten verwendet für Politiker, die selbst eine geringere Rolle spielen, aber der als Gegner angesehenen Partei helfen, an die Macht zu kommen;

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Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
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Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 06.04.2022

 
 

 
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