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 JUngfraw was moegt jhr euch ziehen (Nr. 87)

Text

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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JUngfraw was moegt jhr euch ziehen
[An eine (doch nur zum Schein) sehr schewe und schamhaffte Jungfraw)]

1.

JUngfraw was mögt jhr euch ziehen1, Daß jhr pflegt vor mir zu fliehen, gleich wie ein schewe Hinde2, wie ein Haaß dem Hund' und Winde, jagen überaus geschwinde.

2.

Warumb wolt jhr euch verstecken, wie ein Wild das in die Hecken, sich verkreucht, vor ängsten bebet, wenn ein rauschend Windlein webet. also jhr in Furchten lebet.

3.

O laßt euch vor mir nicht grawen, ich hab´ keine Löwen Klawen, bin nicht wie ein Bähr so grimmig auch nicht rasend vngestümmig, wie ein Tigerthier zornsinnig.

4.

Ihr pflegt euch recht zu gebahren, wie ein Kind von sieben Jahren, gleich als sind euch frembd die Sachen, was jhr mit dem Mann solt machen, ich muß solcher Thorheit lachen.

5.

Da ich euch doch offt gesehen, hier und dar spatzieren gehen, wie jhr an der Haußthür schwellen, Abends spat mit den Gesellen, euch so freundlich könnet stellen.

6.

Ewre Stoltzheit, ewer Prangen, güldne Ketten, Perlen Spangen, thewre Kleider, hohe Kragen, werdet jhr darumb nicht tragen, ewer Mutter zu behagen.

7.

Ihr spatzieret, tantzt vnd springet, vnnd die Zeit damit verbringet, ewer höfflich Bücken, Neigen, Schertz und Gauckelwerck desßgleichen, an euch viel anders zeigen.

8.

Ewer Leffeln3, Hände klopffen, hälsen küssen, kützeln4, stoppfen5, schmutzerlachen 6, schmatzen7, lecken, Ohren zupffen, schimpffen, gecken8, was pflegt hinder dem zu stecken.

9.

Anders nichts, als daß jhr eben, euch nicht wolt ins Kloster geben, wer nicht blind ist kan wol schauen, daß jhr gleich wie sonst Jungfrawen, euch ließ gern mit einem trawen.

10.

Frag ich, was sprecht ihr geschwinde, daß jhr seyd der Sach ein Kinde, da jhr doch seyd gnugsamb mündig, zum Haußhalten gar außbündig, vnnd sonst vieler Sachen kündig.

11.

Seyd geschickt zu allen Dingen, man kan bald in euch was bringen, darumb bitt ich euch numehre, laufft doch vor mir nicht so sehre, jhr habt dessen keine Ehre9.

12.

Ich will hertzen euch vnd drücken, lieben, laben, putzen, schmücken, ehren, nehren, vnnd hoch achten, hegen, pflegen, ewer achten, wollet solches doch betrachten.

13.

Ihr hört daß ich meine Dinge, fein natürlich vor euch bringe, ich verkauff euch keine Brillen, kurz und gut nach meinem Willen, dann viel Wott10 den Sack nicht füllen.

14.

Gut teutsch red ich von den Sachen, kan nicht viel Umbstände machen, wollet mich darumb nicht hassen, sondern lieben guter massen, wolt jhr nicht so mögt ihrs lassen.

(Quelle: Venus-Gärtlein. Ein Liederbuch des XVII: Jahrhunderts. Nach dem Drucke von 1656, herausgegeben von Max Freiherrn von Waldberg, Halle a. S.: Max Niemeyer 1890, S. 128-130) - pd - gemeinfrei)

Worterläuterungen:

1 ziehen: von sich zeihen = sich etwas vorzuwerfen haben, sich versagen,
2 Hind(e): Hirschkuh, ggf. auch für: Hirschkalb
3 Leffeln: Läffeln = einer Person andern Geschlechts seine Liebe bezeigen, und in engerer Bedeutung, schamlos seine Liebe oder Lüsternheit durch unanständiges Betragen und besonders durch dreistes Küssen, an den Tag legen
4 kützeln: kitzeln als Teil einer Liebkosung bzw. des Kokettierens
5 stopffen: hier evt. mit den Füßen aufstampfen, "füßeln" (vgl. Schweizerisches Iditotikon)
6 schmutzerlachen: heimlich lachen, schmunzeln, hier etwa: kokettierendes Lachen
7 schmatzen: jemanden so küssen, dass es schmatzt; in der Alltagssprache sagt man daher auch einen Schmatz geben
8 gecken: zum Narren halten, sein Spiel treiben, necken
9 Ehre: gemeint ist wohl die jungfräuliche Ehre
10 Wott: h: wahrscheinlich für Wort


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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.03.2022

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie den Inhalt des Liedes in Form einer knappen Inhaltsangabe zusammen.
  2. Womit will er bei seinem Werben die junge Frau von sich überzeugen?
  3. Wie verstehen Sie die Zeile:"„laufft doch vor mir nicht so sehre, jhr habt dessen keine Ehre“ in Strophe 11?
  4. Wie deuten Sie den Schluss?
 
 
 

 
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