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Literarästhetische Produktionskompetenz

Überblick

 
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Kreatives Lesen
Kreatives Schreiben
Produktive Textarbeit
Szenisches Interpretieren
Gestaltendes Erschließen
Gestaltende Interpretation (EPA 2002)

Literarisches Schreiben in der Schule

Dass literarisches Lernen auf ▪ literarästhetischen Rezeptions- und Produktionskompetenzen im Literaturunterricht beruht, ist seit dem Einzug handlungs- und produktionsorientierter Methoden in den Umgang mit Texten in der Schule heute unbestritten. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass daraus "ein ernstzunehmendes literarästhetisches Schreibcurriculum" (Abraham/Kepser (42016, S.79) entstanden ist.

Ganz allgemein geht es bei der literarästhetischen Produktionskompetenz darum, Literatur (interpretierend, sprechgestaltend) vorlesen, vortragen oder "erzählen" zu können, literarisch zu schreiben oder Literatur szenisch darzustellen. Gefragt sind dabei ▪ kreative Schreibprozesse, die oft auf der Basis eines ▪ kreativen Lesemodus vorgegebener literarischer Texte umgesetzt werden.

  • Im ▪ handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht sind entsprechende Methoden, welche "im Kern auf die kognitive und emotionale Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Texten ausgerichtet" (ebd. S.80) eingeführt und werden vielfach eingesetzt. In den Konzepten zur sog. ▪ produktiven Textarbeit sind sie schon seit langem aus dem Literaturunterricht nicht wegzudenken, auch wenn eingeräumt werden muss, dass die literarische Produktion der Schülerinnen und Schüler dabei stets eine "dienende Funktion" als Lernmedium hat und das literarische Schreibprodukt selbst im Grunde kein Lerngegenstand ist (ebd.).

  • Gestaltendes Schreiben gehört neben dem informierenden und dem erklärenden und argumentierenden Schreiben zu den unterschiedlichen Textformen der mit Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012) für das Fach Deutsch festgelegten Bildungsstandards für das Erlangen der Allgemeinen Hochschulreife. Dabei wird das gestaltende Schreiben wie folgt beschrieben:

"Die Schülerinnen und Schüler halten eigene Ideen, Fragestellungen, Ergebnisse von Textanalysen und -interpretationen in kreativ gestalteten Texten fest.

Die Schülerinnen und Schüler können

  • nach literarischen oder nicht-literarischen Vorlagen Texte neu, um- oder weiterschreiben, die Korrespondenz von Vorlage und eigenem Text beachten und dabei ein ästhetisches Ausdrucksvermögen entfalten

  • ästhetische, epistemische, reflexive Textformen wie Essay, Tagebuch, Gedicht, Brief zur Selbstreflexion, Wissensbildung und Entfaltung des ästhetischen Ausdrucksvermögens in literarischen oder pragmatischen Zusammenhängen verwenden

  • Texte für unterschiedliche Medien gestaltend schreiben"

  • In den kompetenzorientierten Bildungsplänen gehören kreative und produktive Schreibformen neben den anderen d. h. den informierenden, beschreibenden, analysierenden und interpretierenden Formen, zu den zentralen Schreibformen beim Umgang mit literarischen Texten. Dabei sollen in einem vielgestaltigen Umgang mit literarischen Texten produktionsorientierte und analytische Methoden genutzt werden, um ein plausibles Textverständnis herauszuarbeiten (vgl. Bildungsplan Deutsch SI (BaWü 2016), S.40), dieses darüber hinaus zu vertiefen und zu reflektieren (vgl. Bildungsplan Deutsch Gymnasium, Klassen 11/12 (BaWü 2016), S.65)

Literarisches Schreiben in der Schule ist kein Freies Schreiben

Dementsprechend darf literarisches Schreiben, wie es gemeinhin in der Schule praktiziert wird, auch nicht als um eine literaturdidaktische Adaption des amerikanischen "creative writing" angesehen werden. Es handelt sich in den allermeisten Fällen um ein textbezogenes, gestalterisches Schreiben ausgehend von Texten, bei dem mögliche literarische Qualitäten des von den Schülerinnen und Schülern verfassten Schreibprodukts eigentlich Nebensache sind. Oft geht es dabei vor allem allem um die ▪ Aneignung des Stils der Vorlage (Lutz von Werder 21993, S.25) wenn z. B. deren ästhetische Gestaltung in den Blickpunkt gerückt werden soll. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen ▪ Formen der produktiven Textarbeit, wie z. B.  bei ▪ textproduktiven Verfahren, ▪ szenischen, ▪ akustischen, visuellen oder ▪  multimedialen Gestaltungen sowie beim sog. ▪ Literarischen Rollenspiel. Eine Ausnahmestellung nehmen dabei bestimmte Formen der ▪ Szenischen Interpretation ein, die mit der Gesamtheit der von ihr intendierten personalen und intrapersonalen Wirkungsabsichten deutlich über den primären Textbezug hinausgehen.

Kreatives Schreiben in der Schule führt die Schülerinnen daher gewöhnlich auch nicht an das literarische Schreiben als solches heran und stellt in diesem Sinne auch kein ▪ freies Schreiben dar, sondern arrangiert die Zugänge zum Scheiben und lässt die subjektiven Prozesse damit nicht völlig ungesteuert laufen. (vgl. Spinner 2001, S. 108, vgl. Fix 2006/2008, S.116) Allerdings wird dies auch durchaus anders gesehen.

So zielen z. B. Schreibspiele, die in Schreibwerkstätten üblich und im Literaturunterricht durchaus Platz gefunden haben, darauf, neue Formen von "Geselligkeit" mit "Spiel, Spaß, Lust und Heiterkeit" zu entwickeln, die "den Schreibgenuss und die Erkenntnismöglichkeiten der Dichter"  (von Werder 21993, S.26) Mit dem Schreiben nach Spielkarten, dem Tarot oder auch mit Hilfe des I-Ging sollte "das Spielen mit Worten, Buchstaben, Sätzen, Texten ... ein praktisches Experimentieren" (Mattenklott 1985, zit. n. ebd., S.26). Dass literarisches Schreiben dabei an die Vorstellung gebunden war, in der Kommunikation darüber, einen Raum des herrschaftsfreien Dialogs zu schaffen, indem die unterschiedlichen literarischen Entwürfe gleichberechtigt nebeneinander stehen dürfen, sei nur am Rande erwähnt.

In der Fachdidaktik spricht man dem literarischen Scheiben auch in den engen Grenzen als Lernmedium nicht ab, dass solcherart verstandenes kreatives Schreiben auch zur ▪ Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung beitragen kann, ohne allerdings genauer bestimmen zu können, wie die psychischen Prozesse in diesem Zusammenhang ablaufen. Dennoch gilt literarisches Schreiben als "personal-kreatives Schreiben" (Schuster 1995, S.31-37) verstanden, insgesamt auch als Möglichkeit, die ▪ entwicklungsbedingte Identitätsentwicklung von Schülerinnen und Schülern zu unterstützen und ihre Kreativität insgesamt zu fördern.

Gestaltendes Erschließen und Gestaltende Interpretation

Kreatives Schreiben bzw. literarisches Schreiben wird als textbezogenes gestalterisches Schreiben in der Praxis gestaltenden Erschließens literarischer Texte auch als "Symbiose aus Textanalyse und kreativem Schreiben"1 verstanden. Dies trifft die dominierende Schreibpraxis in der Schule im Zusammenhang mit dem dem literarischen Schreiben und dem Verständnis literarästhetischer Produktionskompetenz in schulischen Lehr- und Lernprozessen ziemlich gut.

Im Konzept des gestaltenden Erschließen literarischer Texte sind literarästhetische Rezeptionskompetenz und ▪ literarästhetische Produktionskompetenz eng miteinander verzahnt. Im Wechselbezug mit der Erschließungsform des ▪ untersuchenden Erschließens, der auf der Grundlage eines  ▪ sinnorientierten Lesevorgangs beim ▪ literarischen und ▪ kreativen Lesen den ▪ Text erfassen und unter Verwendung geeigneter ▪ Leseweisen (Lesetechniken) ein kohärentes Textverständnis schaffen muss, sollen die Gestaltungsmöglichkeiten, welche die Textvorlage bietet, ausgelotet, erkannt und dann im literarischen Schreiben umgesetzt werden.

Anmerkungen:

1 (https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/sprachen-und-literatur/deutsch/sprache/kreatives_schreiben/gestaltende_interpretation

Kreatives Lesen
Kreatives Schreiben
Produktive Textarbeit
Szenisches Interpretieren
Gestaltendes Erschließen
Gestaltende Interpretation (EPA 2002)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 16.11.2020

 

   
 

 
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