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Aspekte der Analyse des 1. Akts in Friedrich Schillers Maria Stuart

Exposition der Vorgeschichte

Präteritaler Expositionsbezug


FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Friedrich Schiller Biographie
Werke Dramatische Werke Die Räuber ● Maria Stuart Überblick Didaktische und methodische Aspekte Entstehungsgeschichte Historischer Hintergrund Stoffgeschichte Aufbau und Komposition Handlungsverlauf Überblick Akte und Szenen Inhaltsüberblick Akt- und Szenenschema ● Erster Akt [ Aspekte der Aktanalyse Exposition der VorgeschichteExposition der DramengegenwartExposition der Dramenzukunft Gliederung der allgemeinen Expositionsanalyse ] Szenenüberblick  I,1 I,2 I,3 I,4 I,5 I,6 I,7 I,8 Bausteine 2. Akt 3. Akt 4. Akt 5. Akt Szenenbilder/Illustrationen Figurengestaltung Einzelne Figuren Sprachliche Form Interpretationsansätze Aufführungsberichte und - kritiken Bausteine Häufig gestellte Fragen (FAQs) Links ins Internet Lyrische Werke Sonstige Werke Bausteine Links ins Internet  Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene W-Fragen zur systematischen Szenenanalyse Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten
Expositionsanalyse als produktive Textarbeit

Exposition im Drama der geschlossenen Form
Allgemeine Expositionsanalyse
Arbeitsschritte
Überblick
Aspektorientierte Expositionsanalyse
Feedbackformular zur schriftlichen Expositionsanalyse

Analyse der Exposition in I,1
Die Vorgeschichte aus Sicht Hanna Kennedys

Die ▪ Exposition der Vorgeschichte in ▪ Schillers Drama ▪»Maria Stuart« wird mit allen wichtigen Aspekten im ▪ 1. Akt des Dramas geleistet. Nur wenige Elemente der Vorgeschichte  (▪ präteritaler Expositionsbezug = Vergangenheitsbezug), werden im weiteren Verlauf der Dramenhandlung noch eingefügt. Allerdings handelt es sich bei den später zur Vorgeschichte nachgelieferten Informationen meist nicht mehr um Informationen, die für das Verständnis der grundlegenden Strukturen der Handlung nötig sind. (▪ Exposition)

 

Formen der Expositionsanalyse

Drei verschiedene ▪Zeitbezüge expositorischer Informationsvergabe können unterschieden werden:

Textstellen mit ▪ dominantem präteritalen Expositionsbezug
  • Maria Stuart ist als neugeborenes Kind Königin (▪ I,1)

  • Maria wird behütet und in allem Luxus am Hof der Mediceerin erzogen ( I,1

  • Maria verliert ihre Macht (▪ I,1)

  • Maria erhebt einen Thronanspruch auf die englische Krone. (▪ I,1 ). Sie weigert sich, den Edinburger Vertrag zu unterschreiben, mit dem sie auf ihren Anspruch auf die englische Krone verzichten soll. (▪ I,1) (Amias Paulet)

  • Robert Dudley, Graf von Leicester, soll sich noch in der Zeit, bevor Maria Darnley heiratet, mit Maria Stuart vermählen, lehnt dies aber ab. (II,8 - 1762).

  • Maria hat – selbst als Königin - Darnley zur Königswürde verholfen (I,4 – 301). (Hanna Kennedy)

  • Nach der Hochzeit wird Maria von ihrem Mann Darnley bald schon verdächtigt und grob behandelt. Zudem will er Maria beherrschen und ihr seine Dominanz beweisen, indem er ihren "Liebling, den schönen Sänger Rizzio" vor ihren Augen ermorden lässt. Aus diesen Gründen wendet sich Maria von ihm ab. (1,4 - 307ff.) Maria beginnt in Sterylin als verheiratete Frau ein Verhältnis (37f.) mit Bothwell (I,4 – 327), dessen ungestümem männlichen Durchsetzungsvermögen sie voller Bewunderung erliegt (I,4 –328), ja letzten Endes hörig wird (IV,1 – 341). Nach dem Mord an Darnley lässt Maria Bothwell das königliche Schwert unter der hellen Empörung des Volkes durch Edinburgh tragen (I,4 – 347), nötigt die Richter Bothwell vom Mordvorwurf an Darnley freizusprechen, und bietet ihm darauf die ihre Hand zur Heirat. (I,4 – 355) , sie hat von der Ermordung ihres Ehemannes Darnleys gewusst, Darnley sogar in die Falle gelockt und nichts gegen den von anderen durchgeführten Mordanschlag unternommen (I,4 – 292)

  • Maria hat einen Sohn (I,7 – 700).

  • Maria sucht in England als politisch Vertriebene Asyl (▪ I,1 ) (Kennedy) und wird dort "wider Völkerrecht und Königswürde"  festgehalten und als Königin "auf Leib und Leben" angeklagt (97) (Kennedy). Maria erhält seit ihrer Ankunft in England keine Audienz bei der Königin von England (II,1 – 169)

  • Maria wird angeblich "gastfreundlich" in England empfangen (▪ I,1) Paulet) Maria kommt als vom Volk vertriebene "Mörderin" nach England, die ihren Thron verloren hat, weil sie ein Verbrechen begangen hat (▪ I,1.) (Paulet)

  • In England will Maria seitdem den katholischen Glauben mit den gleichen blutigen Mitteln wiederherstellen, wie dies zuvor die "spanische Maria" in England praktiziert hat. (▪ I,1) (Paulet). Maria Stuart hat gehofft, die Kronen Englands und Schottlands "friedlich zu vermählen". (I,7 – 838) (Maria)

  • In der Vergangenheit sind Babington und Tichburn und zahlreiche andere wegen ihrer Aktionen zur Befreiung Maria Stuarts hingerichtet worden (I, 655).

  • Im Jahr zuvor wird in England ein Gesetz verabschiedet, das bei einem Tumult in England nicht nur die Täter, sondern auch die Hintermänner, die von derartigen Aktionen profitieren, mit der Todesstrafe bedroht. (I,7 – 847ff.)

  • Mortimer, der Neffe von Marias Bewacher Paulet,  nimmt nach seiner Romreise in Frankreich Kontakt zu dem Kardinal von Guise, dem Onkel Maria Stuarts, auf, und tritt zum Katholizismus über. Dort verkehrt er auch mit Verbannten katholischen Würdenträgern aus Schottland und England und gerät unter den Einfluss der Jesuiten, die gegen die anglikanische Staatskirche auf englischem Boden weiter für den Katholizismus missionieren wollen. Als in Frankreich bekannt wird, dass sein Onkel Paulet die Verantwortung für Marias Bewachung übernommen hat, wird Mortimer von seinen französischen Unterstützern, den Guise, und den anderen Verbannten ausersehen, eine weitere Aktion zur Befreiung Maria Stuarts zu unternehmen. (I,6 - 460-548)

  • Marias persönliche Habe sind vor einiger Zeit beschlagnahmt worden und ihre Dienerschaft ist an einen Maria unbekannten Ort gebracht worden (I,2 - 202)

  • Ein Monat zuvor hat ein Prozess gegen Maria Stuart stattgefunden, währenddessen Maria ohne anwaltlichen Beistand einem Richterkollegium von vierzig beauftragten Richtern auf verschiedene Anklagepunkte Rede und Antwort stehen musste. (I,2 – 216) Während des Prozesses werden Maria Stuart Briefe als Beweise vorgelegt, die sie ihren beiden Schreibern Kurl und Nau diktiert habe (I,7 – 884), deren Aussage unter der Folter erpresst worden ist (I,7 – 895). Die Authentizität der Briefe wird von Maria Stuart bestritten. Die von Maria Stuart unter Berufung auf englisches Recht geforderte Gegenüberstellung mit Babington, und den sie belastenden Schreibern Nau und Kurl wird während des Prozesses nicht gestattet (I, 7 – 909 und 921)

  • Es gibt verschiedene Verfehlungen, die Maria vorgeworfen werden (▪ I, 1, Paulet).

    Sie habe, seit sie in England ist,

    • Bürgerkrieg anfachen wollen (▪ I,1)

    • die englische Königin ermorden lassen wollen (▪ I,1)

    • Parry und Babington zum Mord an der Königin angestiftet (▪ I,1) (auch I,7 – 867)

    • aus dem Gefängnis (Eisengitter) heraus, Norfolk umgarnt, der wegen ihr hingerichtet worden sei (▪ I,1)

    • die Verantwortung, für alle weiteren Opfer von Verschwörungen. (▪ I,1)

    Außerdem will Maria angeblich, England an den Feind, an Frankreich, verraten (▪ I,1). (Paulet)

  • Mortimer ist vor zehn Tagen nach England zurückgekehrt (I,6 -548) und hat sich mit zehn weiteren Männern zur Befreiung Marias verschworen.

  • Mortimer hat mit seinen Helfern am frühen Morgen des gleichen Tages den Segen der katholischen Kirche für seine Befreiungsaktion erhalten. (I,6 – 636) Zugleich  ist allen Verschwörern Sündenerlass (Ablass) für alle jene Taten erteilt worden, die bei der Verschwörung, die mit einem Schwur auf die Hostie (III,6 -2526) beeidet ist, geplant sind: die Ermordung von Drugeon Drury und von Paulet (III, 6 - 2502)

  • Paulet durchsucht die persönlichen Habe von Maria ständig sehr genau und beschlagnahmt sämtliche Wertgegenstände. (▪ I,1, "noch" V 7; 27)

  • Paulet findet einen wertvollen Schmuckgegenstand im Garten, von dem er annimmt, dass er von Maria zur Bestechung des Gärtners geplant ist (point of attack). (▪ I,1)

Aussagen, die eindeutig die Deutung von bestimmten Figuren (figural perspektivierte Informationen im Rahmen der Exposition) sind, wurden mit dem Namen der jeweiligen Figur versehen.

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Analyse der Exposition in I,1
Die Vorgeschichte aus Sicht Hanna Kennedys

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.05.2021

 
   Arbeitsanregungen:

Erläutern Sie die in der Exposition des Dramas gegebenen Informationen mit den historischen Fakten aus dem geschichtlichen Hintergrund, auf den sie sich beziehen.

 
 
 

 
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