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Hans Assmann von Abschatz: [Schertz-Sonnette] (1704) - Textauswahl

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FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren
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Petrarca und die Überbietungspoetik des Barock
Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
▪ 
Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Der epigrammatische Text, den der Autor in seiner ▪ Vorschau über den Sonettzyklus zu diesem Gedicht verfasst, lautet:

11. Die Schöne Stumme.

Sind Wort und Reden gleich den Lippen unbekannt/
Verbirgt der schöne Mund sein Herz in stillem Schweigen/
Schwätzt Wange und Auge doch von deiner Seele Brand.

Hans Assmann von Abschatz
11. Die Schöne Stumme.

Du/ die du bist versteckt in ewig stillem Schweigen/
Bist stumm/ und machst dein Lob durch hundert Zeugen kund/
Zwingst tausend Herzen/ die von deiner Liebe wund/
Des schönen Mundes Ruhm zum Sternen machen steigen.
Die Rosen Sicht man auch Korallene Lippen zeigen/
Die Lilien göldne Zunge'/ und dennoch schweigt ihr Mund.
Durch Schweigen birgt man des schlauen Herzens Grund.
Das kluge Schweigen ist dem Witz/ der Demut eigen.
Ein leer Versprechen stellt den Magen nicht zur Ruhe;
Die Liebe lässt sich mit Worten nicht vergnügen.
Wenn deiner Schönheit noch die Sprache wüchse zu/
Ihr würden allzuviel von dir gefesselt liegen.
Wären auch so stumm/ wie du/ die falschen Wasser-Frauen/
So würde man sie schön und nicht betrüglich schauen.

 

(Hans Assmann von Abschatz: Alexandri Adimari übersetzte Schertz-Sonnette oder Kling-Gedichte über die auch bey ihren Mängeln vollkommene und Lieb-würdige Schönheit des Frauenzimmers in: Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704., online verfügbar: In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/abschatz_gedichte_1704/294>,  abgerufen am 21.03.2022)

Petrarca und die Überbietungspoetik des Barock
Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
▪ 
Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 24.03.2022

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts knapp zusammen.
  2. Inwiefern müntzt es den petrarkistischen Schönheitspreis in ein antipetrarktisches Hässlichkeitslob um? Was macht eine "Stummez" "schön"?
  3. Das Gedicht ist Teil eines Sonettzyklus, den Hans Assmann von Abschatz "Schertz-Sonnette" nennt. Welche Vorstellung verbirgt sich Ihrer Meinung nach dahinter?
  4. Arbeiten Sie den Bezug des epigrammatischen "Vorschau"-Textes zu dem nachfolgenden Gedicht heraus.
  5. Was sagt es Ihrer Ansicht nach aus, dass eine so schwere körperliche Beeinträchtigung zu einem Thema künstlerischer Selbstdarstellung werden konnte?
  6. Das Gedicht kann als ein antipetrarkistisches manieristisches Werk angesehen werden. Inwiefern lässt sich dies begründen?
  7. Könnten Sie sich vorstellen, dass ein solches Gedicht heute Anklang finden würde?
 
 
 

 
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