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Literaturepoche Barock (1600 - 1720)

Annäherungen

Spuren, Zeugnisse und Zugänge zu einer fremden Welt


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Der dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Liebe und Erotik im Barock

Der Begriff Barock als Nomen oder als Adjektiv taucht heute zur Bezeichnung oder als Attribut zahlreicher Erscheinungen dieser Zeit auf: Man spricht von barocken Schlössern und Kirchen, barocken Ornamenten, dem barocken Garten- und Landschaftsbau oder auch dem barocken Lebensgefühl. Und nahezu jeder hat schon einmal einen dieser  kindlich "putzigen" »Barockengel (Putten) gesehen, als Skulpturen oder in Gemälden, die meist wenig bekleidet oder nackt auftreten, mit oder ohne Flügel, manchmal in besonders manieristisch-überladen gestalteten Kirchen zu (gefühlt) Hunderten von Altären, Orgeln, Geländern, Gesimsen, Plastiken und Fresken auf ihre Betrachterinnen* herabblicken.

Wenn sie auch meistens nur zu Dekozwecken in solchen Gebäuden verwendet wurden, stehen sie doch in einem engen Bezug zum christlichen Engelsglauben und gemahnen damit auch auf ihre eigene Art und Weise an die Endlichkeit allen irdischen Daseins und die himmlische Erlösung. Allerdings gab es auch Putten, die eine andere Funktion hatten und sich im Barock und im Rokoko großer Beliebtheit erfreut haben. Diese Putten in einer Kindsgestalt des antiken Liebesgottes »Amor werden »Amoretten genannt und verweisen auf die Freuen der diesseitigen Liebe und Erotik. Sie zeugen damit von dem Streben nach Lebensgenuss (▪ carpe diem) in einem ansonsten von Vergänglichkeit und Nichtigkeit und nur über seinen Jenseitsbezug sinnvoll zu lebenden Lebens. Allerdings stehten die kleinen Barockengel im Ensemble oft auch im Kontext anderer Abbildungen wie z. B. Totenköpfen, Abbildungen des Gevatters Tod als Sensenmann im Gerippe (auch: Schnitter Tod genannt) platziert sind, die dem/der Betrachterin auch schnell die Mahnung memento mori (Gedenke des Todes!) zu Bewusstsein bringen.

Dem Barockzeitalter als historische Epoche kann man heutzutage auf vielfältige Weise auf die Spur kommen. Wer an barockem Baustil interessiert ist, kann sich z. B. auf eine Fahrt entlang der »Oberschwäbischen Barockstraße machen, einer über verschiedene Routen erschlossenen Ferienstraße in »Oberschwaben, die einen an zahlreichen weltlichen und sakralen Bauwerken der Barockzeit entlang, und bei Lust auf mehr, dazu noch »in den Bodenseeraum, die »Ostschweiz und das  österreichische Bundesland »Vorarlberg führt. Die »Basilika in Birnau am Bodensee und viele andere Sehenswürdigkeiten harren auf einen Besuch interessierter Reisender.

Aber natürlich kann man sich auch in anderen Regionen Deutschlands auf die Spur des Barock begeben und zum Beispiel die Zeugnisse des sogenannten »Dresdner Barocks bewundern. Wer nach »Ludwigsburg kommt, kann sich im dortigen »Residenzschloss einen für deutsche Verhältnisse fast einzigartigen Eindruck vom ▪ gesellschaftlichen Leben in einer Residenzstadt, der ▪ höfischen Festkultur zur Zeit ▪ Carl Eugens von Württemberg (1738-1793) verschaffen.

Und in »Bayreuth steht bis heute das barocke »markgräfliche Opernhaus (seit 2012 UNESCO-Welterbe), das allen Besucherinnen bis heute einen lebendigen Eindruck von der barocken Theater- und Festkultur gibt.

Und wer im benachbarten europäischen Ausland unterwegs ist, kann z. B. in Frankreich mit dem »Schloss von Versailles das stilbildende Bauwerk seiner Art für diese Zeit einschließlich der barocken französischen Gartenanlage besuchen. Dort kann man der Prasserei des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638-1715) und seiner Nachfolger bis ins Schlafzimmer folgen und hautnah erleben, welchen Lebensstil die Gier nach Reichtum und Macht in der Konkurrenz mit anderen Mächtigen der Zeit nach sich gezogen hat. Ein stets auch voyeristischer Blick führt den Besucher durch die prachtvoll gestalteten Repräsentationsräume des Schlosses, lässt ihn zwischen Erstaunen und Bewunderung schwanken. Sie gewähren Einblicke in ein Leben, das die Mächtigen von heute, auch mit ihren in den Medien sorgfältig inszenierten »Homestories ungern geben. Statt hinter Eisengittern, Mauern und von Palastwachen geschützt, immer aber weithin sichtbar, haben sie sich hinter ihre hochgezogenen Elektrozäune, oft ganz and gar uneinsehbar von außen und bewacht von eigener »Security, in ihren Villen verbarrikadiert, sich auf Hochseeyachten oder privaten Inseln zurückgezogen, um sich ihrem Luxus vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen  hingeben zu können. Dieser kann man sich dann auch ohne Gefahr, dafür gescholten zu werden, als  »"Weltraumtourist" im Wettlauf mit anderen Superreichen, die sich dies leisten können, öffentlich präsentieren.

Eine Vielzahl solcher Vergleiche drängen sich auf, wenn man die fremde Welt des Barock an sich herankommen lässt, und das Fremde mit vielleicht nicht immer passenden, allerdings durchaus nachvollziehbaren Maßstäben von heute betrachtet. Und nicht immer lassen sich die Gefühle von Fremdheit, die einem in der Begegnung mit dem Barock ergreifen können, ohne weiteres überwunden werden, wenn man auf seine Zeugnisse in Architektur, Kunst und Literatur trifft.

Wo man auch immer hinschaut, überall in Europa, in unzähligen Bereichen und Dingen haben barocke Stil- und Lebensvorstellungen ihren Stempel aufgedrückt: der »Bildenden Kunst ( »Baukunst, »Innendekoration und Möbelkunst, »Gartenbau, »Skulptur, »Malerei), der» Musik und dem »Theater. Das Zeitalter hat eine eigene »Festkultur ausgebildet und eine besondere Literatur hervorgebracht, die in ihrer Zeit so dominierend wurde, dass sie als eine eigene LiteraturepocheBarock (1600-1720)  aufgefasst wird. Es gibt eine barocke »Natur- und aufkommende Gesellschaftsphilosophie, eine spezifische »Schiffsbau- und »Wagenbaukunst, eine barocke Mode u. v. a. m.

Wer also mit Barockem in Berührung gerät und es an sich herankommen lässt, wird sich vielleicht auch beim Betrachten zahlreicher großformatiger Wandgemälde des niederländischen Malers »Peter Paul Rubens (1577-1640) die Augen über eine Zeit reiben, in der die  barocke "Fülle" des weiblichen Körpers zur Schau gestellt werden konnte. Das barocke Schönheitsideal, zugegeben ein rein männlicher Blick auf Frau, kontrastiert dabei mit den Bildern, die die oft vom Hungerast gezeichneten, abgemagerten Models von heute, kultiviert in etlichen Medienformaten, erzeugen. Vielleicht verhilft es aber auch zur Erkenntnis, dass erotische Attraktivität eben auch gesellschaftlich und kulturell "gemacht" wird, wenn man sich dem Fremden, und das sind uns heute nahezu alle Zeugnisse der Barockzeit ohne Vorurteile nähert und seine Manifestationen auf sich wirken lässt. 

Und dies gilt auch für die literarischen Zeugnisse der Zeit, die einem Leser bzw. einer Leserin von heute in vielerlei Hinsicht fremd und unverständlich erscheinen können. Wer sich erstmals der frühneuzeitlichen und barocken Textwelt annähert, wird nämlich oft feststellen, "dass sie es einem modernen Leser nicht gerade leicht macht, ja dass sie ihm ein besonderes Maß an Leserfleiß, Neugier, Konzentration und Ausdauer abverlangt. Die Probleme beginnen bereits mit der Sprache, mit der sie auf den Leser zukommt, einem deutlich veralteten, in manchem fast unverständlich gewordenen Deutsch zwischen Mittel- und Neuhochdeutsch, dem sogenannten »Frühhochdeutsch." (Willems 2012, Bd. I, S.28, verlinkt v. Verf.). Diese Sprachstufe des Deutschen zeigt zwar schon viele Kennzeichen des Neuhochdeutschen auf, prägt diese aber regional und auch zeitlich in unterschiedlichem Maße aus. Dabei hatte das Meißnisch-sächsische Deutsch in dieser Zeit den besten Ruf, kaum vorstellbar, wenn man sieht, wie der sächsische Dialekt heutzutage bewertet wird.

 

Der dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Liebe und Erotik im Barock

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 09.08.2021

 
 

 
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