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Etwas sehr Wichtiges ist noch übrig von dem vorteilhaften
Verhältnis der Jugend gegen ihre Eltern, Aufseher und andere
erwachsene Personen.
Habt
ihr eure Kinder und Untergebenen auf die beste und gelindeste Weise früh
zum Gehorsam gebracht, bedient ihr euch eurer Oberherrschaft nicht oft
zu ihrem Missvergnügen, hütet ihr euch, sie ohne Not einzuschränken,
seid ihr selbst munter, freundlich und gefällig, bezeigt ihr den
unschuldigen Vergnügungen der Kinder oftmals ein Wohlgefallen: so wird
ihre Liebe zu euch von Jahr zu Jahr unfehlbar zunehmen. Ich muss aber
doch noch folgendes raten: Ihr dürft zwar an den Spielen und
Vergnügen eurer Kinder teilnehmen und mit ihnen scherzen: aber
ihr müsst alsobald ernsthaft werden und zu einigem Verdruss der Kinder
aus dem Spiel treten, wenn sie durch Worte, Mienen und andere Handlungen
die äußerliche Ehrerbietung gegen euch vergessen. Ihr müsst ihnen eure
Spielgemeinschaft so angenehm machen, dass sie um diese Wohltat bitten,
und wenn ihr Abschied nehmt, euch ehrerbietig danken. Eure
Geburtstagsfeste und etwa eurer jähriger Hochzeitstag müssen solche
Familienfeste sein, an welchen die
Kinder einen besonders angenehmen Anteil nehmen. Solche Anstalten sind
sehr nützlich, in ihren Herzen Liebe und Achtung für euch recht zu
gründen. Eure Gegenwart ist den Kindern ein großes Gut; aber der
gewöhnliche Genuss desselben, wird ihnen angenehmer bleiben, wenn ihr
sie damit nicht überhäuft. Entzieht euch ihnen, wenn ihr sie anderen
sicher anvertrauen dürft, täglich einige Stunden und monatlich einige
Tage: machet aber solche Anstalten, wenn es möglich ist, dass sie nach
ihren Neigungen sich niemals besser und uneingeschränkter befinden, als
in eurer Gegenwart. Lasst durch andere das Verlangen danach stärken; und
wenn sie euch wiedersehen, so verknüpft immer den ersten Anblick mit
angenehmen Umständen; denn es ist eine bekannte Erfahrung, dass jede Art
der Liebe durch die Sehnsucht gestärkt wird. Lasst aber keine Wohltat
gegen die Kinder so zur Gewohnheit werden, dass sie aufhören,
ihnen Freude und eine Erinnerung an eure freiwillige Güte zu
verursachen. Nicht zur Strafe, sondern bloß weil ihr es so wollt, müssen
sie zuweilen solche Speisen und Getränke genießen, die ihnen nicht so
gut schmecken als die gewöhnlichen. Sie müssen zuweilen nach eurer
Verordnung dein gemeines, hartes und unbequemes Lager haben. Sie müssen
nach allen Wohltaten, welche zur Unterhaltung des Lebens überflüssig
sind, euch mit solchen Worten Dank abstatten, welche anzeigen, dass sie
den vorzüglichen Wert der Sachen und folglich die Größe eurer
Wohltätigkeit erkennen. Wenigstens an jedem Tag einmal muss eine
Verbeugung oder irgendeine Zeremonie, welche ihre ganze
Abhängigkeit von den Eltern und Aufsehen
anzeigt, die Kinder lebhaft derselben erinnern: die Worte könne aber von
Monat zu Monat oder von Jahr zu Jahr abgewechselt werden, weil gar zu
gewöhnliche Worte nicht geschickt sind, das lebhafte Andenken an die
bedeutete Sache zu fördern. Lass euch nicht von einem sonst weisen
Rousseau bereden, dass ein solches
Zeremoniell unbedeutend und widernatürlich sei. Was kann natürlicher
sein, als dass die Jugend von ihren Eltern und Aufsehern abhängen und an
dieses Verhältnis oft erinnert werden muss. Die Erfahrung zeigt auf eine
unwidersprechliche Weise, wie wichtig dieses ist. Um aller der Ursachen
willen wünsche ich, dass wir uns gewissen Regeln der Erziehung des
vorigen Jahrhunderts wiederum etwas nähern möchten. Die Kinder müssen
vielleicht nicht bei Tisch sitzen; sie müssen schlechteres Tischgerät
haben als ihre Eltern und die erwachsenen Freunde; sie müssen sogar
einen besonderen Ort am Tisch haben. Von dieser Regel muss nicht
abgewichen werden, als nur etwa bei gewissen Feierlichkeiten und wenn
man das Verhalten der Kinder durch Zeichen eines besonderen
Wohlgefallens belohnen will. Sie müssen nur an den beiden ersten
Schüsseln ihren Anteil haben, alsdann vom Tisch gehen und der
Gesellschaft aufwarten; diese Aufwartungen können verschiedene Grade der
Würde haben, z. B. etwas vorzulesen, ein Gericht vorzulegen, das
Tischgerät wechseln usw. Die höhere Würde kann abermals eine gewisse
Belohnung sein, Der Nachtisch wird zwar
den Kindern am meisten gefallen; aber ordentlicherweise muss ihnen davon
nichts oder sehr wenig gereicht werden, damit Gelegenheiten bleiben,
teils die Kinder in der Unterwerfung und in dem Streit wider die Anfälle
sowohl der Sinnlichkeit als des Neides zu üben, teils aber ihnen ein
vorzügliches Wohlgefallen durch Taten zu zeigen. Es ist sehr schädlich,
wenn bei Gastmahlen Kindern den Alten gleich gehalten und mit in
die Reihe gesetzt werden. Ihnen gehört alsdann ein besonderer Tisch
unter der Aufsicht einer erwachsenen Person. Es ist schädlicher als man
denken sollte, wenn man mit Kindern schon wie mit Chapeaux und Dames
umgeht, und aus ihnen eine bunte Reihe macht; und wenn man sie bei
Bällen eben wie die Alten zum Tanze auffordert oder ihre Aufforderung
annimmt. Es müssen Absätze des Lebens
sein: der Kindheit bis ins zehnte, der ersten
Jugend bis ins sechzehnte, der zweiten
Jugend bis ins zwanzigste Jahr oder bis zur Verheiratung. Jede
Periode muss ihre besonderen Pflichten und Rechte haben, die zwar nicht
vor den bestimmten Jahren enden, doch durch Mangel des Fleißes und der
Sittsamkeit verlängert werden können. Der Übergang von einer Periode zu
der andern muss eine Feierlichkeit sein, worauf sich die Jugend vorher
freuen und vorbereiten muss. Ich halte es für ein wahres Verderben
unserer Zeiten, dass diese Regeln, vermittelst welcher Ordnung und
Lebhaftigkeit in der Erziehung gefördert werden können, fast
allenthalben übertreten werden. Vor einem gewissen Alter muss
Kindern nicht erlaubt sein, ohne
Fragen und Anklopfen in gewisse Zimmer des Hauses zu kommen; z.
B. in die Schlafkammer der Eltern, in die Studierstube, in das Betzimmer.
Schon oben habe ich den Wunsch angezeigt, dass die
Kinderkleidungen einfacher und von
den Kleidern der Erwachsenen merklich unterschieden sein möchten. Eine
vernünftige Mode sollte andere Kleider bei der Kindheit, andere bei der
ersten, und andere bei der zweiten Jugend einführen; und wenn Jugend von
verschiedenen Perioden zusammenkäme, so müssten die jüngern allemal in
einer gewissen Abhängigkeit von den älteren bleiben und ihnen bei
gewissen Gelegenheiten besondere Zeichen einer vorzüglichen Hochachtung
geben. Den älteren könnte auch eine gewisse Art der Aufsicht anvertraut
werden. Alsdann könnte man es zu einer sehr eindringenden Strafe oder
Belohnung machen, die Kinder auf eine Zeitlang von der höheren Klasse in
die niedrige, oder von dieser in jene, vornehmlich bei zahlreichen
Zusammenkünften, zu versetzen.
(aus:
Rutschky, 8. Aufl. 2001, S.27f., dort zit. n. J. B. Basedow,
Methodenbuch für Väter und Mütter der Familie und Völker, in: Basedow,
Ausgewählte Schriften, hrsg. v. H. Göring, Langensalza 1880)
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