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Hans Assmann von Abschatz: [Schertz-Sonnette] (1704) - Textauswahl

« 40. Die Schöne Pockengrübigte. »

 
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Petrarca und die Überbietungspoetik des Barock
Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
▪ 
Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Der epigrammatische Text, den der Autor in seiner ▪ Vorschau über den Sonettzyklus zu diesem Gedicht verfasst, lautet:

40. Die Schöne Pockengrübigte.1

Seht Venus Bienen hier der Liebe Sitz erwählen:
Hier wird so mancher Pfeil und Stachel zugespitzt/
Als dieser Wangen Ros' lest Honig-Grübgen zählen.

Hans Assmann von Abschatz
40. Die Schöne Pockengrübigte.1

Sind Amors Aufenthalt zwei angenehme Grüben/
Die in das schöne Wange' ein süßes Lächeln drückt/
So sag ich/ wenn man der bei dir so viel erblickt/
Dein Antlitz hegt und birgt wohl tausend Venus-Bübgen.
Du prangst/ o Himmels-Kind/ mit diesen Stich und Hieben/
Als wie der Himmel mit viel Sternen ausgeschmückt/
Den Herzen/ die dein Brand gepulvert und zerstückt
Durchbohrt Cupido hier ein Rosenblatt zum Sieben.
Die Löcher gehen nicht durch/ ich trage keine Sorgen
Was unter dieser Schrift der Wangen liegt verborgen.
Hält nur das Herz den Stich/ wer fraget nach der Haut.
Durchfährt man nicht den Ros/ wenn man will Honig haben?
Jemehr das Erdreich wird bepflügt und umgegraben/
Jemehr man Edelstein' und schöne Früchte schaut.

 

(Hans Assmann von Abschatz: Alexandri Adimari übersetzte Schertz-Sonnette oder Kling-Gedichte über die auch bey ihren Mängeln vollkommene und Lieb-würdige Schönheit des Frauenzimmers in: Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704., online verfügbar: In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/abschatz_gedichte_1704/294>,  abgerufen am 21.03.2022)

Worterklärungen:

1 Pockengrübigte: Frau, deren Geicht von der Pockenkrankheit gezeichnet ist; Pocken sind  eine für den Menschen äußerst gefährliche und lebensbedrohliche, sehr ansteckende Infektionskrankheit, die von Pockenviren (Orthopox variolae) verursacht wird; das für die Erkrankung typische und namensgebende Hautbläschen wird als Pocke oder Blatter bezeichnet; typischer Krankheitsverlauf: "Nach einer anfänglichen Fieber-phase, der eine Inkubationszeit von durchschnittlich zwölf Tagen vorausgeht, zeigen sich kleine bis linsengroße rötliche Flecken, die sich vom Kopf ausgehend über den ganzen Körper ausbreiten. Diese entwickeln sich im Verlauf weniger Tage zu Knötchen (Papeln) und dann zu perlmutterartig glänzenden Bläschen (Vesikeln). Die zunächst mit klarer, eiweißhaltiger Flüssigkeit (Lymphe) gefüllten Blattern beginnen um den achten Krankheitstag herum zu vereitern." (Jütte (2013): Krankheit und Gesundheit in der Frühen Neuzeit, Kindle-Version); wenn die Krankheit besonders schwer und meistens tödlich verläuft (variola haemorrhagica), kommt es zu heftigen Blutungen, die auf der Haut als blauschwarze Flecken in Erscheinung treten (volkstümliche Bezeichnung: »Schwarze Blattern«); Erkrankte starben dabei meistens binnen einer Woche; bei der häufigsten Form der Pocken (variola major) lag die Sterblichkeit, als es noch keine Immunisierung durch eine Schutzimpfung gab, bei 20 bis 40 Prozent; Pocken galten jahrhundertelang neben der Pest als die Hauptgeißel der Menschheit, weil die Sterblichkeitsrate ziemlich hoch war und die Krankheit insbesondere unter Kindern wütete; wer die Krankheit überlebte, war oft für das ganze Leben entstellt. Der englische Geschichtsschreiber Thomas Macaulay (1800–1859) liefert eine dramatische Schilderung dieser Seuche: »Die Pocken waren immer da, füllten die Kirchhöfe mit Leichen, peinigten den Verschonten mit ständiger Angst, hinterließen an dem mit dem Leben Davongekommenen die scheußlichen Spuren ihrer Macht, verwandelten den Säugling in einen Wechselbalg, vor dem die eigene Mutter zurückprallte und ließen die Wangen der Verlobten dem Bräutigam zur Abscheu werden.« (zit. n. Jütte 2013, ebd.); es waren neben den für jeden sichtbaren Spätfolgen vor allem der schnell eintretende Tod, den die Menschen früher besonders fürchteten;  das einzige wirksame Mittel gegen die Pocken ist bis heute die »Pockenimpfung; Menschen, die in der Frühen Neuzeit ein wegen einer früheren Pockenerkrankung von zum Teil kraterförmigen Narben (= sog. "Blattersteppen") entstelltes Gesicht hatten, gab es viele, und die anderen Menschen bekamen sie oft zu sehen; wer ein pockennarbiges Gesicht hatte, besaß sowohl als Frau als auch als Mann geringere Heiratschancen; verringerte übrigens nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern die Heiratschancen;  im Übrigen wütete die Krankheit unter allen Bevölkerungsschichten.

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Petrarca und die Überbietungspoetik des Barock
Petrarkismus und barocke Liebesauffassung
▪ 
Petrarkismus, Manierismus und galanter Stil

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 24.03.2022

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts knapp zusammen.
  2. Inwiefern müntzt es den petrarkistischen Schönheitspreis in ein antipetrarktisches Hässlichkeitslob um? Was macht eine "Pockengrübigte" "schön"?
  3. Das Gedicht ist Teil eines Sonettzyklus, den Hans Assmann Abschatz "Schertz-Sonnette" nennt. Welche Vorstellung verbirgt sich Ihrer Meinung nach dahinter?
  4. Arbeiten Sie den Bezug des epigrammatischen "Vorschau"-Textes zu dem nachfolgenden Gedicht heraus.
  5. Was sagt es Ihrer Ansicht nach aus, dass eine so schwere Krankheit mit ihren oft furchtbaren Entstellungen zu einem Thema künstlerischer Selbstdarstellung werden konnte?
  6. Das Gedicht kann als ein antipetrarkistisches manieristisches Werk angesehen werden. Inwiefern lässt sich dies begründen?
  7. Könnten Sie sich vorstellen, dass ein solches Gedicht heute Anklang finden würde?
 
 
 

 
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