Da eine eingehendere Beschäftigung mit der •
diskursanalytischen Perspektive zur
Analyse und Interpretation von Texten
im Anschluss an
»Michel Foucaults
(1926-1984) immer wieder an Grenzen stößt, wenn einem als in den
jeweiligen Fachwissenschaften oder Spezialdiskursen nicht
beheimateten "Laien" die hinter bestimmten Modellen stehenden
Theorien mit ihren Kategorien interessieren, haben wir hier zur
Frage auf dem Wege eines differenzierenden Promptings im
Anschluss an die Frage:
Was unterscheidet die Diskursanalyse von der thematischen
Analyse?
folgende Antwort(en) erhalten und diese etwas redigiert.
Die
Diskursanalyse und die thematische Analyse sind zwei
unterschiedliche Methoden zur qualitativen Untersuchung von Texten und
Kommunikation. Beide haben Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber in
ihren theoretischen Grundlagen, Zielsetzungen und Analyseverfahren.
Die Diskursanalyse ist
eine tiefgehende, kritische Methode zur Untersuchung von Sprache, Macht
und Wissensproduktion, während die thematische
Analyse eine
flexible, inhaltsorientierte Methode ist, die hilft, Muster in Daten zu
identifizieren. Beide Methoden haben ihre Stärken und eignen sich je
nach Forschungsfrage für unterschiedliche Zwecke.
1. Diskursanalyse vs.
Thematische Analyse – Überblick
|
Merkmal |
Diskursanalyse |
Thematische
Analyse |
|
Ziel |
Untersuchung gesellschaftlicher
Wissensordnungen, Machtstrukturen und
Bedeutungszuschreibungen |
Identifikation und Interpretation von
wiederkehrenden Themen in Daten |
|
Theoretische Grundlage |
»Sozialkonstruktivismus (z. B. »Michel Foucault
(1926-1984),
»Reiner Keller (geb. 1962)
(• Wissenssoziologische
Diskursanalyse (WDA), »Norman Fairclough
(geb. 1941) (»soziolinguistische
»Kritische
Diskursanalyse) |
Phänomenologie,
Phänomenologische
Soziologie, Psychologie (z.B. »Virginia Braun
und Victoria
Clarke (2006,
2013,
2021,
2021a) |
|
Fokus |
Analyse, wie Sprache Realität konstruiert
und Machtverhältnisse stabilisiert |
Inhaltliche Themen in Daten erfassen und
kategorisieren |
|
Methode |
Untersuchung von Mustern, Regeln und
Bedeutungen innerhalb von Diskursen |
Kodierung und Gruppierung von Daten nach
Themen |
|
Einheit der Analyse |
Diskursive Strukturen, sprachliche
Praktiken, hegemoniale Narrative |
Einzelne Textstellen, wiederkehrende
Bedeutungen und subjektive Erfahrungen |
|
Anwendungsbereiche |
Medien, Politik, Wissenschaft, soziale
Bewegungen, Ideologie-Analysen |
Psychologie, Marktforschung,
Sozialwissenschaften, Interviews |
|
Ergebnis |
Aufdeckung gesellschaftlicher
Diskursformationen und Machtstrukturen |
Beschreibung und Interpretation von
inhaltlichen Mustern in Texten |
2. Die Diskursanalyse
Grundannahmen
-
Diskurse
sind nicht nur gesprochene oder geschriebene Texte,
sondern strukturieren unser Denken, Handeln und
gesellschaftliche Ordnung.
-
Sprache
ist nicht neutral, sondern trägt zur Konstruktion
sozialer Realität bei.
-
Diskurse
produzieren Macht und bestimmen, was als "Wahrheit"“ gilt
(Foucault).
Methodisches
Vorgehen
-
Analyse
von Sprachmustern, Deutungsrahmen und Narrativen.
-
Identifikation von hegemonialen Wissensformen und
alternativen Stimmen.
-
Untersuchung der historischen Entwicklung von Diskursen.
-
Analyse
von Akteuren, Institutionen und ihren Einfluss auf die
Diskursproduktion.
Beispiel:
Diskursanalyse zur „Flüchtlingskrise“
-
Untersuchung, wie Medien und Politik das Thema Migration
darstellen.
-
Analyse,
welche Begriffe dominieren ("Flüchtlingswelle",
"Bedrohung" vs. "Willkommenskultur").
-
Untersuchung, welche Akteure den Diskurs bestimmen
(Regierung, NGOs, rechte Parteien).
3. Die Thematische
Analyse
Grundannahmen
-
Sprache
spiegelt subjektive Erfahrungen und Perspektiven wider.
-
Die
Methode ist flexibel und kann in verschiedenen
Forschungsparadigmen genutzt werden (realistisch,
konstruktivistisch, interpretativ).
-
Fokus
liegt auf dem Inhalt der Daten, nicht auf der
sprachlichen Form oder gesellschaftlichen
Machtstrukturen.
Methodisches
Vorgehen (nach
Braun/Clarke 2006)
-
Vertraut
machen mit den Daten (z.
B. Transkripte lesen).
-
Erste Codes
generieren (relevante Textstellen
markieren, z. B. zu wichtigen Konzepten, Ideen,
Grundgedanken, Muster ).
-
Themen
identifizieren (mögliche
Themen erkennen, ähnliche Codes zu Themen gruppieren).
-
Themen
überprüfen (überprüfen,
ob die Themen kohärent und relevant für die
Fragestellung sind).
-
Themen
benennen und definieren. (Themen
konkretisieren, präzise und prägnant formulieren und
definieren
-
Ergebnisse
berichten.
(die Themen in einem kohärenten theoretischen
Zusammenhang darstellen und mit anschaulichen Beispiele
aus den Daten unterstützen
Beispiel:
Thematische Analyse zu "Mental Health bei Studierenden"
-
Interviews mit Studierenden zu ihrem Stress und
psychischen Belastungen.
-
Identifikation von Hauptthemen wie "Prüfungsangst",
"soziale Isolation" und "Druck durch
Leistungsgesellschaft".
-
Interpretation dieser Themen und Ableitung von
Implikationen für Hochschulpolitik.
4. Zentrale Unterschiede
-
Diskursanalyse
fragt "Wie wird über etwas gesprochen?",
thematische Analyse fragt "Was wird gesagt?".
Die thematische Analyse kann den Kontext
berücksichtigen, aber er ist nicht ihr Hauptaugenmerk.
Die Diskursanalyse legt großen Wert auf den Kontext, in
dem Sprache verwendet wird. Sie untersucht, wie
historische, soziale und politische Faktoren die
Produktion und Interpretation von Diskursen
beeinflussen.
-
Diskursanalyse
analysiert gesellschaftliche Machtverhältnisse und
Ideologien, thematische Analyse fokussiert sich
auf persönliche Erfahrungen und Bedeutungen.
Die thematische Analyse betrachtet Daten oft als relativ
neutrale Repräsentationen von Erfahrungen oder
Meinungen. Die Diskursanalyse betont, dass Sprache und
Diskurse nie neutral sind, sondern immer mit Macht und
sozialen Konstruktionen verbunden sind. Sie untersucht,
wie Diskurse soziale Hierarchien und Normen erzeugen und
aufrechterhalten.
-
Diskursanalyse
untersucht sprachliche Strukturen und Regeln,
thematische Analyse sucht nach wiederkehrenden
inhaltlichen Mustern.
-
Diskursanalyse
ist theoriegeleitet und oft kritisch,
thematische Analyse ist methodisch flexibel und kann
auch rein beschreibend sein.
Vereinfachtes Beispiel für die unterschiedliche
Vorgehensweise und die verschiedenen Ziele von thematischer
Analyse und Diskursanalyse
Wenn z. B. eine Reihe von Interviews zum Thema
"Klimawandel" untersucht werden soll, tun dies die
thematische Analyse und die Diskursanalyse auf
unterschiedliche Art und Weise und mit verschiedenen Zielen.
-
Eine
thematische Analyse würde sich darauf konzentrieren,
wiederkehrende Themen wie "Ursachen des Klimawandels",
"Auswirkungen des Klimawandels" oder "Lösungsansätze" zu
identifizieren.
-
Eine
Diskursanalyse würde untersuchen, wie über den
Klimawandel gesprochen wird. Sie würde sich
beispielsweise fragen, welche Begriffe verwendet werden,
um den Klimawandel zu beschreiben (z. B. "Klimakrise"
vs. "Klimawandel"), welche Akteure als verantwortlich
dargestellt werden und welche Narrative verwendet
werden, um Handlungen zu legitimieren oder zu
delegitimieren.
ChatGPT, GeminiAdvanced, ergänzt und redigiert, 1.3.2025
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.03.2025
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