Im Gegensatz zu
eindimensionalen Funktionstypologien von Texten, die sich vor
allem ausgehend von einem einzigen Basiskriterium um die Klassifikation
von Texten bemühen oder wie »Klaus
Brinker (1938-2006)
(92018, S.97-132) mit seiner
pragmatisch-kommunikativen "Linguistischen Textanalyse"
(▪
Integrative
Textanalyse (Brinker 92018) den Text
als Ganzes zum Ausgangspunkt der Analyse machen, geht der
sogenannte ▪
Mehr-Ebenen-Ansatz anders heran.
Er geht davon
aus, dass die Klassifikation von Texten in Texthierarchien "als Resultate des Zusammenwirkens von Merkmaltypen und
Komponenten mehrerer Typisierungsebenen, als Merkmalbündel, als
'Ensembles' relevanter integrierter Eigenschaften von
Interaktionseinheiten unterschiedlicher Stufe" (Heinemann/Heinemann 2002,
S.159) zu verstehen ist.
Die
Zuordnungen, mit denen die Kommunikationspartner bestimmte
Prototypen von Texten einem bestimmten Textmuster zuordnen,
können nach
Heinemann/Viehweger (1991, S.148-169), auf fünf
unterschiedlichen Typologisierungsebenen erfolgen.
Diese Ebenen
sind: ▪ Funktionstypen,
▪ Situationstypen,
▪ Verfahrenstypen,
▪ Text-Strukturierungstypen und
▪ prototypische Formulierungsmuster.
Hier soll die
Ebene der Funktionstypen betrachtet werden.
Vier Primärfunktionen des Kommunizierens
Auf der
Ebene der ▪ Funktionstypen, bei der
es um die Zuordnung von Texten aufgrund ihrer kommunikativen
Funktion im Rahmen von Interaktionen geht, lassen sich Texte mit
vier Primärfunktionen unterscheiden, zwischen denen es auch
fließende Übergänge gibt. In solchen Fällen gelingt die
Abgrenzung nur durch die Bestimmung einer dominanten
Textfunktion.
Die vier
kommunikativen Primärfunktionen sind:
SICH AUSDRÜCKEN
Die
kommunikative Primärfunktion SICH AUSDRÜCKEN
umfasst sämtliche Formen, die darauf zielen, sich
psychisch zu entlasten. Im Grunde genommen ist sie
unterschwellig in allen anderen Primärfunktionen enthalten. Die
reine Affektentladung ist damit aber nicht gemeint.
Dazu
gehört aber die Selbstdarstellung und die sogenannte
"interfunktionale Meinungskundgabe" (Große) (vgl.
ebd., S.150) mit der ein Textproduzent zugleich zum Ausdruck
bringt, was in ihm vorgeht. Gewöhnlich ist sie mit anderen
Funktionen wie z. B. INFORMIEREN oder KONTAKTIEREN verbunden (z.
B. "Erlauben
Sie mir, in dieser mich tief bewegenden Stunde auch allen
Anwesenden dafür zu danken, dass sie mich rückhaltlos
unterstützt haben.")
Die Funktion des SICH AUSDRÜCKENS wird
dabei auch bei Texten besonders deutlich, mit denen sich z.B.
eine bestimmte Gruppe von anderen abheben will (Vorlieben im
Bereich der populären Musik wie z. B. Hip Hop, Rap, Pop oder
bei sonstigen Gruppenlieder sowie jugendsprachlichen Texten)
KONTAKTIEREN
KONTAKTIEREN
als "die Bereitschaft zu und die Realisierung von Kooperation" (ebd.,
S.150f.) kennzeichnet Texte wie Grußpostkarten, Begrüßungen,
Small-Talk in allen möglichen Situationen. Auch wenn sie
inhaltlich gesehen meist vergleichsweise unbedeutend sind, sind
sie für die Pflege und den Ausbau sozialer Kontakte sehr
wichtig. Das zeigt sich auch darin, dass Kontaktformeln und
Textteile, die Kontaktfunktion haben, auch in Informations- und
Steuerungstexten vorkommen, z. B. bei Begrüßungen oder direkten
Ansprachen während eines Vortrags oder zur Kontaktmarkierung am
Ende (z. B. Weiterhin gute Unterhaltung! Tschüss!) (ebd.,
S.151)
INFORMIEREN
INFORMIEREN ist
eine Funktion, die sowohl der Informationsermittlung als auch
Informationsvermittlung dient und der wohl die größte Anzahl
aller Texte zugeordnet werden kann. Zudem lassen sich
Informationstexte dazu noch in verschiedene Hauptklassen (Texte
zur Gewinnung neuer Kenntnisse und Erkenntnisse, Texte zur
Kontrolle von Wissensbeständen des Partners ) unterteilen und dazu noch nach
der Art der vermittelten Informationen.
STEUERN
STEUERN zielt
als Funktion darauf, als Textproduzent unmittelbar Einfluss auf
das Handeln des jeweiligen Adressaten zu nehmen. Die Texte mit
dieser Funktion sollen ihren Adressaten als
handlungssteuernde
Texte i. e. S. zu bestimmten Handlungen veranlassen. Dazu
zählen z. B. Arbeitsanweisungen, Befehle, Aufforderungen, bei
denen der Rezipient kaum eine andere Wahl hat, als ihnen zu
folgen, aber auch Appelle, Ratschläge oder Vorschläge, bei denen
der Rezipient entscheiden kann, was er mit der
Handlungsaufforderung zu tun gedenkt. (vgl.
ebd., S.152)
ÄSTHETISCH WIRKEN
ÄSTHETISCH
WIRKEN ist eine weitere Funktion von Texten, in denen eine
fiktionale Welt erzeugt wird. Solche Texte können alle zuvor
genannten Funktionen überlagern.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
17.12.2023
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