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Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse

Überblick

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte Überblick Lesen erzählender Texte (Inferenzbildung und Situationsmodelle) Strukturen von Erzähltexten Strukturwandel in der modernen Epik [ Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse Überblick ◄ ▪ Auswahl (Zusammenstellungen wichtiger Strukturbegriffe) Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten Wie wird erzählt? (Zeitgestaltung, Perspektiven, Darbietungsformen ...) Was wird erzählt? (Handlung, erzählte Welt, Figur, Raum) Bausteine ] Textauswahl Bausteine Formen erzählender Texte Textauswahl Dramatische Texte Lyrische Texte Literarische Zweckformen  Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen ▪ Analyse und Interpretation von Erzähltexten in der Schule Operatoren im Fach Deutsch
 

Überblick: Was ist eine Erzählung? - Versuch einer Annäherung
Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten

Erzählen und Erzählung: Die Darstellungsebene und die Ebene des Dargestellten in erzählenden Texten

Üblicherweise werden bei der Erzähltextanalyse zwei Dimensionen oder Ebenen unterschieden, die in allen ▪ erzählenden Texten vorkommen. Diese, und in ihrem Zusammenhang andere Strukturbegriffe, werden in der älteren und neueren Erzähltheorie in unterschiedlichen Konzepten analysiert und auch unterschiedlich bezeichnet, die hier nicht in extenso präsentiert werden können.

Im Rahmen dieses teachSam-Arbeitsbereichs ▪ Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse sollen die beiden Ebenen im Anschluss Monika Fludernik (42013) Darstellungsebene (Erzählerbericht, discours) und die Ebene des Dargestellten (Geschichte, histoire) genannt werden. (vgl. Fludernik 2006, S.34) Diese Unterscheidung geht auf Gérard Genette (1930-2018) (1972, dt. 1994) zurück.

In diesem Arbeitsbereich wird dabei der Versuch gemacht, die Strukturbegriffe im Rahmen der beiden Ebenen darzustellen entlang der mit ihnen verbundenen Fragen:

Hinter den beiden Fragen nach dem ▪ "Wie" oder dem ▪"Was" von Erzählungen stellen sich für die Erzähltextanalyse eine Reihe weiterer Fragen, die die jeweilige Ebene oder Dimension mit ihren verschiedenen Aspekten genauer ins Blickfeld rücken.

Mag sein, dass es in diesem teachSam-Arbeitsbereich dabei immer wieder auch einmal etwas "holprig" zugeht, wenn der Versuch unternommen wird, Kategorien und Strukturbegriffe unterschiedlicher erzähltheoretischer Fundierung einigermaßen systematisch und zugleich hypertextuell zusammenzubringen. Das liegt in der Natur der Sache, aber auch darin begründet, dass teachSam ein ständig wachsendes System darstellt, mit dem versucht wird, den Fokus auf die Vielzahl der möglichen Verknüpfungen zu richten. Wer ein geschlossenes "Theorieuniversum" sucht, ist also hier fehl am Platz und sollte sich eher in den einschlägigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen informieren.

Hier zunächst nur die zwei grundlegenden Unterscheidungen der Ebenen, die auch die Struktur dieses Arbeitsbereichs prägen: ▪ Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten.

  • Gemeint ist bei der Darstellungsebene die Ebene der Vermittlung bzw. das Erzählen selbst als Akt der Narration, der die Erzählung (histoire), also quasi den "Text der Geschichte" hervorbringt. Die Vermittlungsfunktion wird in einem Roman durch den "narrativen Diskurs oder Erzählbericht eingenommen, der bei ▪ Ich-Erzählungen und ▪ auktorialen Erzählungen ein Erzählerbericht ist. [...] Diese Erzählerfigur kann einerseits auch Person der Handlung sein (Ich-Erzählung: der Erzähler berichtet von seinen eigenen Erfahrungen) oder andererseits über der Welt der Figuren stehen und diese auktorial beschreiben (auktorialer Erzähler). [...] Andererseits kann diese Vermittlungsebene aber auch zurückgefahren sein, so dass der Leser den Eindruck hat, es gäbe gar keinen Erzähler."  (ebd., S.32, Verlinkungen hinzugefügt d. Verf.) (vgl. hierzu »F. K. Stanzels (geb. 1923) Kategorie der ▪ personalen Erzählsituation). 

  • Die Ebene des Dargestellten ist die erzählte bzw. dargestellte Welt (die Geschichte).

Plädoyer für einen pragmatischen. instrumentalisierenden Umgang mit Theorien

Hier muss ein kleiner Überblick genügen, um aufzuzeigen, wie schwer es ist, sich auf dem Gebiet neuerer Literaturtheorien im Allgemeinen und der neueren Erzähltheorie terminologisch auf einigermaßen sicherem Terrain zu bewegen, wenn man vom alltäglichen Gebrauch des Begriffs Erzählen herkommt. Dieser wird nämlich in vielen Bedeutungen verwendet wird und ist "eng mit dem Sprechakt des Erzählens verbunden und somit mit der Figur eines Erzählers". Pointiert formuliert lautet, meinen wir, wenn wir im Alltag den Begriff der Erzählung verwenden schlicht und einfach, all das, was ein Erzähler eben erzählt. (vgl. Fludernik 2006, 42013, S.10


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In der Literaturwissenschaft, namentlich in der Narratologie, sind die Begriffe und Kategorien, die zur Erzähltextanalyse verwendet werden, prinzipiell davon abhängig, was im Rahmen des jeweiligen Ansatzes überhaupt ▪ unter Erzählen verstanden wird. Da schon diese Auffassungen zum Teil beträchtlich auseinandergehen, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Kategorien sehr unterschiedlich sind und jeden, der ihr mehr oder weniger geschlossenes System verlässt und einzelne Kategorien aus diesem und andere Kategorien einem anderen System der Erzähltextanalyse entlehnt, um sie in den "Werkzeugkasten" gepackt, auf konkrete Texte anzuwenden, auf eine Achterbahn begibt. Es ist jedenfalls nicht nur bei den Begriffen ständig für Verwirrung sorgt, sondern darüber hinaus ist auch immer wieder verlangt, sie - so gut es geht - in den jeweiligen Ansatz mit seinem erzähltheoretischen "Universum" einzuordnen.

Das macht es natürlich für die Literaturdidaktik nicht gerade einfach, zumal sich neben den erzähltheoretischen Universen auch eine Reihe von ▪ Mischkonzeptionen präsentieren, die aus der strengen Abgeschottetheit der einzelnen Ansätze herausführen wollen.

Vor allem neuere Literaturtheorien, haben es infolge ihrer mitunter kaum erreichbaren "Verwertbarkeit" im Literaturunterricht schwer, neue Akzente zu setzen. Sie tragen nämlich, wie Clemens Kammler (2005, S.188) im Anschluss an Spinner (1987, S.18) betont, "ihre Deutungen oft 'monologisch-autoritativ' vor" und können in der Regel nur von der "wissenschaftlichen Interpretationsgemeinschaft" entsprechend eingeordnet werden. Zudem "bewegen sie sich zunehmend auf einem gedanklichen und begrifflichen Abstraktionsniveau, das jeglicher unterrichtlichen Vermittlung, auch der universitären, abträglich sind."

Wer sich daranwagt, dieses Abstraktionsniveau zu brechen, und "versucht, die Theorien möglichst verständlich und voraussetzungsarm darzustellen, ohne den Sprechgestus der referierten Texte wiederzugeben" (Köppe/Winko 2008, S.3) läuft schnell Gefahr in den Augen ihrer Autoren und Verfechter bei der Reformulierung von Literaturtheorien zu "dilettieren", weil damit stets auch die Gefahr verbunden ist, "hinter der Komplexität und Bedeutungsvielfalt" (ebd.) der Kategorien des jeweiligen Ansatzes zurückzubleiben.

Im Setting des ▪ kompetenzorientierten Literaturunterrichts in der Schule gelten bei der ▪ Analyse literarischer Texte und insbesondere bei der ▪ Analyse und Interpretation erzählender Texte die strengen Demarkationslinien zwischen den jeweiligen Ansätzen nur in erheblich eingeschränkter Form, da der ▪ Literaturunterricht natürlich auch viele andere Ziele im Rahmen des Erwerbs ▪ literarischer Kompetenz verfolgt, als die Wahrheit eines erzähltheoretischen Ansatzes zu verbreiten.

Hier geht es um Strategien und Unterrichtsziele, die mit entsprechenden Inhalten und Methoden erreicht werden sollen. Und nicht allein diese Perspektive rechtfertigt wohl auch den von Kammler (2005, S.188, 198, Hervorh. d. Verf.) für sich reklamierten "begründeten Ekklektizismus im didaktischen Umgang mit Interpretationen" und einen "pragmatischen. instrumentalisierenden Umgang mit Theorien", die weder bei einem "subjektiven Erlebnisausdruck" stehen bleibt, noch in "postmoderner Beliebigkeit" aufgeht.

Überblick: Was ist eine Erzählung? - Versuch einer Annäherung
Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.05.2022

   
 

 
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