teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

 

Populäre Liederbücher in Deutschland im 16. u. 17. Jahrhundert

Überblick


FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur Autorinnen und Autoren Literarische Gattungen Literaturgeschichte Didaktische und methodische Aspekte Überblick Literatur auf dem Weg in die Moderne Literaturepochen Überblick Epochenüberblick Literatur des Mittelalters (ca. 750-1500) Frühe Neuzeit, Renaissance und Humanismus (1300-1600 Barock (1600-1720) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Annäherungen: Spuren, Zeugnisse und Zugänge zu einer fremden Welt Historischer Hintergrund Die Literaturreform von Martin Opitz ● Lyrik des Barock ÜberblickFormtypologische Elemente der Barocklyrik Vanitas-Lyrik Barocke Liebeslyrik Figurengedichte Gelegenheitsgedichte (casualcarmina) Lieder Überblick Martin Opitz und das lyrische Gedicht Die Nachvertonung von Gedichten und die Betextung von Melodien Liederbücher Überblick Liederbücher und Jugendkultur in den Niederlanden [ Populäre Liederbücher in Deutschland Überblick Das Venusgärtlein (1656) ] Studentenlieder Textauswahl Bausteine Links ins Internet Textauswahl BausteineEmbleme Barockdrama und Barocktheater Barockroman und  andere Erzähltexte Literarische und nicht-literarische Zweckformen (Briefe, Lehrbücher, Predigten, Konversationsliteratur...)Textauswahl Bausteine ▪ Häufig gestellte Fragen (FAQs) Links ins Internet Aufklärung (1720-1785) Empfindsamkeit (1740-1780) Sturm und Dang (1760-1785) Weimarer Klassik (1786-1805) Jakobinismus (1789-1796) ▪ Romantik (1793-1835) Biedermeier (1820-1850) Das junge Deutschland und die politische Dichtung des Vormärz(1830-1850) Realismus (1850-1890) Naturalismus (1880 - 1910) Gegenströmungen zum Naturalismus (1890-1930) Expressionismus (1910-1925) Literatur der Weimarer Republik (1918-1933) Deutsche Exilliteratur (1933-1945) ▪ Literatur nach 1945 Literatur nach 1989 Literatur im 21. Jahrhundert Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen  Operatoren im Fach Deutsch
 

Auswahl zeitgenössischer Liederbücher (externe Links)

Barock (1600-1720)
Lyrik des Barock

Auch in Deutschland gibt es eine in das 15. und 16. Jahrhundert zurückreichende Liederbuchtradition. Liederbücher waren ein beliebtes Sammelmedium von Liedern unterschiedlicher Genres. Und auch im 17. Jahrhundert gibt es zahlreiche Liederbücher, "die teils schon das Gedankengut des Barock zu reflektieren beginnen oder die Sprache der Barocklyrik übernehmen, aber teils noch durchaus traditionell, öfters aber auch erfrischend originell gestaltet sind und auf vielfältige Weise Einblick in mentalitätsgeschichtliche Aspekte gewähren, insoweit als sie den öffentlichen Diskurs über bestimmte Themen oder Fragestellungen, Werte oder Ideale spiegeln." (Classen 2010, S.291)

Liederbücher der frühen Neuzeit

Albrecht Classen (2010) hat zahlreiche Liederbücher der Renaissance und des Barock analysiert und dabei einen vertieften Einblick in die umfangreiche Liederbuchkultur dieser Zeit gegeben und dabei eine riesige Anzahl der in diesen Liedsammlungen enthaltenen Lieder kommentiert. An dieser Stelle kann darauf nur verwiesen werden. Zugleich sollen interessierten Leserinnen und Lesern zu den von Classen (2010,  S.146-290) behandelten Liederbüchern geeignete Links angeboten werden, über die sie etliche dieser Liederbücher und ihrer Herausgeber, Sammler, Dichter und Komponisten im Internet finden können. Sie werden hier in der Reihenfolge präsentiert, wie sie auch von Classen besprochen werden. Auf die Angabe der vollständigen Titel wird dabei im Allgemeinen verzichtet.

Liederbuch- und Jugendkultur

Deutschland kennt Anfang des 17. Jahrhundert aus verschiedenen Gründen keine ähnlich ausgeprägte ▪ Jugendkultur wie die Niederlande, auch wenn sich dies sicherlich sehr unterschiedlich gestaltet hat. Eine vergleichbare Liederbuchkultur wie in den Niederlanden hat es in Deutschland wohl nicht gegeben und ihr Boom in den Niederlanden hat Deutschland nicht wirklich erreicht, wenngleich der Bloem-Hof und der Friessche Lusthof auch hier bekannt waren. Eine vollständige Übersetzung in die deutsche Volkssprache gab es jedoch davon nicht. Insbesondere die Verbindung von Liederbuch- und Jugendkultur, wie sie in den Niederlanden beobachtet worden ist, ist wohl in deutschen Städten nicht so zu beobachten.

Dass sich indessen die Freizeitaktivitäten der jungen Leute in deutschen Städten, bei allen Unterschieden, und die der jungen Leute in Amsterdam, Antwerpen oder Leiden ähnelten, darf vorausgesetzt werden, da es ja immer um Probleme und Modalitäten der Anbahnung von Geschlechterbeziehungen im Bürgertum ging. Dass das Singen auch Teil der Jugendkultur(en) in deutschen Landen gewesen ist, steht also nicht in Zweifel.

Die Lieder und "Schlager", die sie bei ihren Begegnungen anstimmten, waren entweder mündlich tradiert oder kursierten auf erschwinglichen Einblattdrucken.

"Songbooks" mit "Songs" von »Gottfried Finckelthaus (1614-1648), einem Freund von »Paul Fleming (1609-1640), ▪ Christian Brehme (1613-1667) (z. B. ▪ An die verenderte Magdalis.) und anderen, die überregional Bedeutung besaßen, gab es wohl nicht.

Und doch waren "Schlagertexte", wie der von »Gottfried Finckelthaus (1614-1648) in aller Munde.

"Doch bin ich allzeit frey vnd nicht zu binden: Wo Schöne Damen sind laß ich mich finden. (Gottfried Finckelthaus: Deutsche Gesänge. Hamburg 1640, f. B7r („Eben der“))."

Aber natürlich wurden auch viele andere Gedichte, darunter auch viele der in den »Teutschen Poemeta von ▪ Martin Opitz (1597-1639) enthaltenen und immer wieder vertonten Gedichte, Schlager, wovon er ja selbst in einem ▪ Brief aus dem Jahr 1928 spricht. Dass er viele seiner Gedichte ▪ auf beliebte Melodien gedichtet hat oder Lieder aus anderen europäischen Nationalsprachen umgedichtet hat, betont die Sangbarkeit und damit auch das "Schlagerprotenzial" solcher Lieder. Und auch die "Deutschen Poemata“ des zwanzigjährigen Martin Opitz, wie sie »Julius Wilhelm Zincgref (1591-1635) 1624 herausgegeben hatte, waren voll von Liebesliedern und "Buhlereyen“. " (Wels 2018, S.322f.) und hatten somit das Zeug zum Schlager.

Sein "amouröses Pesuasionsgedicht" (Aurnhammer/Detering 2019, S.160) ▪ Ach Liebste, lass uns eilen (1624), das auf einer anonymen französischen Liedvorlage beruht, wurde wohl ein Schlager.

Es entfaltet sein Schlagerprotential wohl auch dadurch, dass Opitz die Vorlage konzentriert und "den sentenziösen Schluss (verstärkt)." (ebd.) Die literarische Vorlage ist jedenfalls schon im 17. Jahrhundert außergewöhnlich populär gewesen und aus diesem Grund auch vertont worden. Und das gleiche geschah wohl auch mit dem Lied von Opitz, wenn es nicht noch mit der bekannten französischen Melodie gesungen wurde. Jedenfalls kam es dazu, lange bevor es »Johann Gottfried Herder (1744-1803) unter dem Titel »"Eile zum Lieben" in seine 1779 veröffentlichte »Volksliedsammlung aufgenommen hat. (vgl. ebd.)

Und das "in seiner erotischen Deutlichkeit" zwar für Opitz außergewöhnliche ▪ "Fieberliedlin", könnte ihm, auch wenn er es aus der von ihm selbst im Jahre 1625 zusammengestellten Sammlung seiner Werke herausgenommen hat, noch später, so wie er es im ▪ Brief aus dem Jahr 1928 dargestellt hat, aus so manchem Haus und bei so mancher Gelegenheit im Gesang von Menschen, die es kannten oder den Text auf Einblattdrucken erwarben, zu Ohren gekommen sein.

Ingesamt ist die Liederbuchgeschichte in Deutschland noch vergleichsweise wenig erforscht, bis 2010 jedenfalls war nach Ansicht Classens (2010, S.292) "nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs wahrgenommen", weil die Literaturwissenschaft lange einen Bogen um die ▪ deutschsprachige Popularliteratur gemacht hat, die sich auch in der zeitgenössischen "volkstümlichen" ▪ Lieddichtung niederschlug.

Das Liederbuch als Format im Literaturunterricht

Bei der Behandlung der "im Schatten des Barock entstandenen Liederbüchern" den ihnen zukommenden Platz einzuräumen und ihn ihnen "wertvolle, eigenständige und zugleich die mittelalterliche Tradition weitertragende Werke" (vgl. Classen 2010, S.146) zu sehen, ist auch Aufgabe des Literaturunterrichtes, der sich gerade bei der Behandlung der Literatur des Barock immer wieder an dieser Aufgabe vorbeimogelt.

Aus diesem Grunde haben wir uns mit dem ▪ Venus-Gärtlein (1656) eines der ▪ Liederbücher dieser Zeit herausgegriffen, das durch Albrecht Classen (2010) Lied für Lied analysiert worden ist und wollen mit einer vergleichsweise willkürlichen Auswahl von Texten diese für den Literaturunterricht verfügbar machen. Auch hier kann der Literaturunterricht sicher nicht leisten, das ▪ Liederbuch als Ganzes zu analysieren und in die Entwicklung der Liederbuchkultur in Deutschland einzuordnen, ihre Lieder aber aus dem Schattendasein der Epoche zu befreien, kann auch diese Auswahl helfen.

Ähnliche Überlegungen liegen dem Arbeitsbereich ▪"Studentenlieder des Barock" zugrunde, die aber stärker auf den gesellschaftlichen und sozialen Kontext der ▪ Studenten in der ständischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit fokussieren.

Auswahl zeitgenössischer Liederbücher (externe Links)

Barock (1600-1720)
Lyrik des Barock

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.03.2022

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und ZeitmanagementKreative ArbeitstechnikenTeamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche KommunikationVisualisierenPräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 
 

   
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz