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Kreatives Schreiben

Überblick

Schreibformen in der Schule

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Schreibformen Schreibformen in der Schule
Überblick Didaktische und methodische Aspekte Texte zusammenfassen ▪ Sachtexte analysieren (Textanalyse) Texte erörtern (Texterörterung) Texte interpretieren (Textinterpretation) Materialgestütztes Schreiben Offizielle Briefe schreibenErzählen BerichtenBeschreiben SchildernErörtern: Erörterndes Erschließen und Schreiben Einen Essay schreiben [ Kreativ Schreiben Surfbrett Überblick◄ • Gestaltendes Schreiben in den KMK-Bildungsstandards Produktive Textarbeit Literarisches Rollenspiel Szenische Interpretation Freies kreatives Schreiben Multimediale Objektpermutationen Multimediale Gestaltung von Gedichten Beispiele Gestaltendes Erschließen Gestaltende Interpretation ] Sonstige schulische Schreibformen   Operatoren im Fach Deutsch
 

 • Surfbrett Kreatives Schreiben

Gestaltende Interpretation
Didaktische und methodische Aspekte

Mit dem Begriff des ▪ "Kreativen Schreibens", das in einem engen Bezug zu den anderen Methoden des ▪ handlungs- und produktionsorientierter Unterrichts steht (z.B. der ▪ produktiven Textarbeit), hat im Anschluss an die außerschulische Schreibbewegung in den USA (= creative writing) auch im Deutsch- bzw. Literaturunterricht an deutschen Schulen ein, zumindest in Teilen, neuartiges Schreibkonzept Eingang gefunden.

Die neue Schreibbewegung des "creative writing", die in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch in Deutschland aufkeimte, hat den Diskurs über Kreativität im Allgemeinen und seine Bedeutung für die Didaktik und Methodik beflügelt.

Zugleich hat das "Kreative Schreiben", wie Ulf Abraham und Matthis Kepser (22006, S.116) feststellen, auch "für eine Abwertung der analytischen und eine Aufwertung der stilmimetischen Anteile solcher Schreibhandlungen gesorgt". Zur Begründung werde dafür auf ihre Kreativität fördernde Wirkung oder auf einen rezeptionsästhetischen Zusammenhang verwiesen.

In der Wirklichkeit des Literaturunterrichts an deutschen Schulen muss indessen das so genannte "Kreative Schreiben" für vieles herhalten, was sich nach dem Verständnis von manchem einfach als irgendwie fantasiereich und zum eigenen Schreiben über Literatur motivierend erwiesen hat. "Kreativ" wird dann ähnlich wie der Begriff "frei" im Terminus "Freies Schreiben" lediglich zu einem "plakativen Hochwertbegriff [...], der für ein Sammelsurium methodischer Vorschläge gebraucht wird". (Fix 22008, S.117)

Hinzu kommt noch, dass die Begriffe "Freies Schreiben" und "Kreatives Schreiben" häufig synonym verwendet werden, auch wenn es deutliche Unterschiede gibt. Denn "während [...] beim Freien Schreiben eine freie Themenwahl erfolgt, sind die Anlässe beim Kreativen Schreiben, bei dem eine bewusst inszenierte Manipulation der Sprache stattfindet, vorgegeben." (Wildemann 32007, S.37)

Die Wissenschaft hat sich in den siebziger und achtziger Jahren nach Lutz von Werder (21993, S.25) vor allem mit drei Ansätzen dem "Kreativen Schreiben" genähert. Entsprechend ihrer jeweiligen Prämissen betrachteten sie das "Kreative Schreiben" "als Stilaneignung, als Spiel und als Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung."

Kreatives Schreiben als Stilaneignung

Ausgangspunkt dieses Ansatzes war das Bemühen, sich "aus den Fesseln der bloßen Literaturrezeption und Literaturkritik" zu befreien. (ebd., S.25)

An den vorgegebenen literarischen Mustern orientiert sollten sich die Schreiber*innen an den Stil der jeweiligen Vorlage halten.

Indem sie so analog literarische Vorbilder nachgestalteten, sollte der dabei erfahrene Unterschied zum täglich Gesprochenen die Alltagssprache erweitern bzw. bereichern. (vgl. z. B. Waldmann 1998, S.232)

Kreatives Schreiben als Spiel

Die stilmimetische Ausrichtung des "Kreativen Schreibens" rief bald schon Kritiker auf den Plan, die den Spielcharakter des Kreativen Schreibens in den Mittelpunkt rückten.

"Arkadische Schreibspiele" (Mattenklott 1985), die eine "neue Form der Geselligkeit" mit "Spiel, Spaß, Lust und Heiterkeit" etablieren sollten, zielten darauf, "den Schreibgenuss und die Erkenntnismöglichkeiten der Dichter" gleichermaßen dem schreibenden Subjekt zu eröffnen. (von Werder 21993, S.26)

Mit dem Schreiben nach Spielkarten, dem »Tarot oder auch mit Hilfe des »I-Ging, sollte "das Spielen mit Worten, Buchstaben, Sätzen, Texten ... ein praktisches Experimentieren" (Mattenklott, zit. n. ebd., S.26) im Raum eines gewissermaßen herrschaftsfreien Dialogs die (gesellschaftliche) Zukunft bewältigen helfen.

Auch ohne den gesellschaftstheoretischen Hintergrund gehören Schreibspiele heutzutage zum festen Inventar von Schreibwerkstätten und dem Literaturunterricht an der Schule.

Kreatives Schreiben als Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung

Ausgehend von Erfahrungen zahlreicher Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Schreibwerkstätten, dass beim Schreiben oftmals tiefgehende psychische Prozesse in Gang kamen und über das Schreiben eine therapeutische Wirkung einsetzte, gewann das "Kreative Schreiben" in dem jeweils individuellen autobiographischen Schreibumfeld nach und nach größere Bedeutung.

Die psychischen "Kettenreaktionen" (Schuster, 1977, S.206, zit. n. von Werder 21993, S.27), die beim "Kreativen Schreiben" im Wechsel von regressiven und progressiven Phasen im Schreibprozess ausgelöst werden können, zeigten dabei auch die Grenzen bzw. die Gefahren auf, die der regressiven "Wiederbegegnung mit sich selbst" (Schuster 1979, S. 164, zit. n. ebd., S.27) folgen konnten (z.B. Verstärkung von Einsamkeitserfahrungen, Einrasten von Schreibblockaden etc.).

Um nicht in der Regression zu verharren, konnte, so die Erfahrung der Schreibwerkstätten, die Schreibgruppe wichtige therapeutische Funktionen übernehmen.

Auf diese Weise sollte es im Sinne der Progression zu einer "neuen Integration der so freigewordenen Kräfte in der Gesamtpersönlichkeit des Schreibens" (Fröchling 1989, S. 27, zit. n. ebd.)

Integratives Konzept des "Kreativen Schreibens"

Im Anschluss an die amerikanische Schreibbewegung kam es auch in Deutschland zu Bemühungen, die verschiedenen Ansätze zu einem integrativen Konzept des "Kreativen Schreibens" zu verbinden.

Der integrative Ansatz nimmt das "kreatives Schreiben sowohl als Stil, als Spiel und als Theorie" ernst (von Werder 21993, S.28) und will damit auch die rationalen und emotionalen Aspekte im Prozess des Schreibens miteinander verbinden.

Kreatives Schreiben und schulische Schreibformen

Als ▪ schulische Schreibform gehören Aufgabenstellungen zum kreativen Schreiben inzwischen zu den gängigen ▪ Schreibaufgaben im Deutsch- und insbesondere im ▪ Literaturunterricht. Sie sind, in der Regel unter besonderen Bedingungen, auch Teil von Prüfungen in verschiedenen Schularten geworden.

Im schulischen Umfeld handelt es sich jedoch nicht um eine literaturdidaktische Adaption des amerikanischen "creative writing", sondern um ein textbezogenes, produktiv-kreatives, gestaltendes Schreiben ausgehend von Texten, bei dem literarische Qualitäten des Produkts jedenfalls nicht im Mittelpunkt stehen, genau so wenig wie das freie Spiel oder gar therapeutische Gesichtspunkte.

Kreatives Schreiben in der Schule ist in diesem Sinne auch kein freies Schreiben, sondern arrangiert die Zugänge zum Schreiben und lässt die subjektiven Prozesse damit nicht völlig ungesteuert laufen. (vgl. Spinner 2001, S. 108, vgl. Fix 2006/2008, S.116)

Stattdessen richtet sich der Blick beim gestaltenden Schreiben auf die Struktur, Semantik und die verfolgten Intentionen" (Matthießen 2006, S.129) 

Die KMK-Bildungsstandards für das Deutschabitur (BISTA-AHR-D 2012)  verankern das • Gestaltende Schreiben im Kompetenzbereich Sich mit Texten und Medien auseinandersetzen als kreativ-produktiven, zugleich hermeneutisch fundierten Zugang zu literarischen und pragmatischen Texten. Es dient dem Textverständnis und der Sensibilisierung für ästhetische Mittel und umfasst das Um-, Neu- und Weiterschreiben von Texten sowie verschiedene ästhetische, epistemische und reflexive Textformen und mediale Gestaltungen. Reines gestaltendes fiktionales Schreiben ist jedoch dem Übungsraum vorbehalten und nicht abiturrelevant. In Prüfungen darf es nur eingebettet in analytisch, informierend oder argumentierend ausgerichtete Aufgaben auftreten und muss auf einem überprüfbaren, intersubjektiv nachvollziehbaren Textverständnis beruhen, das über freies oder imitatives Schreiben hinausgeht.

Hier bezeichnen wir, entsprechend dem allgemeinen Sprachgebrauch im Zusammenhang mit den ▪ Begriffen Interpretation und Analyse, gestaltendes Schreiben im Anschluss bzw. Kontext literarischer Texte als • Gestaltende Interpretation.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.01.2026

 
 

 
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