Die
▪
KMK-Bildungsstandards für das Deutschabitur (BISTA-AHR-D
2012) nutzen im ▪
Kompetenzbereich
▪
Sich mit Texten und
Medien auseinandersetzen Elemente des •
kreativen Schreibens für das
Konzept des
Gestaltenden Schreibens.
Dieses bezieht sich auf den kreativen Umgang mit
literarischen und nicht-literarischen Textvorlagen
und ist an der philologischen Praxis der Textauslegung und
Hermeneutik orientiert. (vgl.
Ehlers 2016 , S.173, kindle-Edition) In diesem
Zusammenhang soll das Gestaltende Schreiben dazu dienen,
einen Text zu verstehen und für die Form und Wahrnehmung
ästhetischer Mittel zu sensibilisieren. (vgl.
ebd.) Im Mittelpunkt steht dabei aber nicht nur die Form
der ästhetischen, epistemischen oder reflexiven Gestaltung
des beim gestaltenden Schreiben entstandenen Textes.

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Die ▪
KMK-Bildungsstandards für das Deutschabitur (BISTA-AHR-D
2012)
geben die nachfolgenden Könnensbeschreibungen zum
Gestaltenden Schreiben:
"Die
Schülerinnen und Schüler halten
eigene Ideen, Fragestellungen, Ergebnisse von Textanalysen
und -interpretationen in kreativ gestalteten Texten
fest.
Die
Schülerinnen und Schüler können
Gestaltendes Schreiben und die fachspezifische Erschließungsform
des
gestaltenden Erschließens beziehen sich
in den KMK-Bildungsstandards auf
pragmatische und
literarische Texte.
Die
▪
KMK-Bildungsstandards für das Deutschabitur (BISTA-AHR-D
2012) weisen das
ausschließlich gestaltende
fiktionale Schreiben dem
Lern- bzw.
Übungsraum
schulischen Lernens zu. Insbesondere geben sie vor, dass
▪
Schreibaufgaben, die lediglich das
gestaltende fiktionale Schreiben umfassen, keine Prüfungsaufgaben für das Abitur sein können.
Im schriftlichen Abitur können sich
Schreibaufgaben zum gestaltenden fiktionalen Schreiben
nur als weiterführende gestaltende
Arbeitsaufträge anschließen, "die ihren
Schwerpunkt in
den Bereichen des informierenden sowie des erklärenden und
argumentierenden Schreibens haben".
Das gestaltende fiktionale Schreiben wird damit stets in eine •
umfassende,
komplexere
Schreibaufgabe eingebettet, bei der die Anwendung
▪ kognitiv-analytischer Verfahren zur Herstellung
eines vertieften Textverständnisses nachgewiesen werden müssen,
wie sie den nachfolgenden Kriterien zugrunde liegen:
-
Die
Textvorlage darf nicht nur "bloßer Auslöser eines
subjektiven oder imitativen Schreibens" sein.
-
"Die
Textproduktion im Anschluss an eine literarische Vorlage
muss auf einem überprüfbaren Textverständnis basieren. Dazu zählt insbesondere der literarhistorische und
sprachgeschichtliche Kontext."
Das bedeutet, dass eben nicht jede
Gestaltung, wie sie einem schreibenden Subjekt gerade in den Sinn kommt,
also ein freies, assoziatives Schreiben
über einen Text, das darstellt, was beim gestaltenden
fiktionalen Schreiben verlangt ist. Genauso wenig erschöpft es sich in einem einfachen
Nachmachen und Kopieren von
• Stilelementen der Vorlage.
Am Ende muss ein
intersubjektiv nachvollziehbares, mit dem Text
kompatibles Verständnis des
fiktionalen Vorlagentextes stehen, das "einem allgemeinen
Textverständnis nicht zuwiderlaufen" (EPA
2002) darf.
Das Gestaltende Schreiben im Abitur stellt also nicht nur eine
textproduktive Umgangsweise mit einem Primärtext/Vorlagentext
dar.
Irgendwie ist es allerdings ein schwieriger Spagat:
Auf der einen Seite zielt auch die •
Gestaltende Interpretation,
wie wir das gestaltende fiktionale Schreiben nennen, mit ihren Mitteln auf die Darstellung
eines vertieften Textverständnisses des Primärtexts.
Erst diese "Bindung an den
Text" sorgt dafür, dass sich eine gestaltende
Interpretation sich nicht zu sehr in rein subjektive Lösungen
der Schreibaufgabe versteigt. Auf der anderen Seite
muss sie aber auch, um ihr motivierendes kreatives Potential
entfalten zu können, eine Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten
in ihrer Bezugnahme auf den Referenztext (Primärtext) zulassen.
Die Schreibprodukte müssen sich also
stets vom Text her legitimieren,
ohne dass damit der prinzipiellen Bedeutungsspielraum
literarischer Texte über eine solche Hintertür grundsätzlich
eingeengt wird.
Dabei ist die Bezugnahme auf ein irgendwie objektiv
daherkommendes allgemeines Textverständnis natürlich selbst eine
mehr als nur problematische Zielgröße. Besser spricht man
hier wohl von der Herstellung eines intersubjektiv nachvollziehbaren,
plausiblen Textverständnisses. Allerdings löst auch dies die
Grundfragen nicht: Welche Gestaltungen können unter welchen
Bedingungen diesen Anspruch einlösen? Mit welchen einigermaßen
"harten" Kriterien lässt sich die Gestaltung beurteilen?
So bleibt auch hier kaum etwas anderes übrig, als immer wieder
zu betonen, dass der inhaltlich-thematische, sowie der
strukturelle und sprachlich-stilistische Bezug auf den
literarischen Ausgangstext Grundlage der individuellen, kreativen
Bewältigung der Aufgabe darstellen soll.
Reine Fantasieprodukte,
die zwar irgendwie auch vom Text mit ausgelöst werden, aber es an dem
nötigen Textbezug fehlen lassen, erfüllen die Aufgabenstellung beim
gestaltenden Interpretieren/beim gestaltenden fiktionalen Schreiben nicht.