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Aufklärer (Auswahl)

Aufklärer und Patronage

Frühe Neuzeit (1350-1789 Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650–1789) Aufklärung

 
GESCHICHTE
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Literaturepoche Aufklärung 1720-1785
»Der Begriff Aufklärung (Wikipedia)

Voltaire (1694-1778)
Überblick
Sozialer Aufstieg in vielfältigen Patronagebeziehungen
Überblick
Patronage adeliger Gönnerinnen

Die Aufklärer und • Aufklärerinnen kamen aus unterschiedlichen Ständen und führten ein sehr unterschiedliches Leben. Sie übten, da ihre schriftstellerische Tätigkeit ihnen in der Regel nicht ermöglichte, davon zu leben, ganz unterschiedliche Tätigkeiten aus. Im Allgemeinen waren sie aber auch nicht auf solche Einnahmen angewiesen, da ihre soziale Stellung wenig von der • Entstehung und Entwicklung eines literarischen Markts abhing.

Höfische Patronage im absolutistischen Frankreich

In Frankreich übten die maßgeblichen Aufklärer im Allgemeinen verschiedene Ämter aus, erhielten Pensionen oder zogen Gewinne aus Monopolen und Privilegien, die sie durch die höfische Patronage (Protektion) von Ministern und Hochadeligen erhielten. (vgl. Tricoire 2023, S.85)

Dieser »Klientelismus basierte auf einer asymmetrischen Beziehung, von der beide Seiten profitierten und in der die Autoren und ihre Patrone in gewisser Weise "aufeinander angewiesen waren – Erstere freilich in einem stärken Maße auf Letztere als umgekehrt." (vgl. ebd., S.82)

Wenn ein Aufklärer wie z. B. • Voltaire (1694-1778) sich mit seiner Religionskritik zu weit vorwagte, dann konnte ihn, wenn er sich von seinen Äußerungen im Nachhinein öffentlich distanzierte, die Protektion eines "Granden" vor einer strafrechtlichen Verfolgung schützen. (vgl. ebd., S.45) Die Protektion ermöglichte ihm damit überhaupt seine "gewagten Ideen in die Welt zu setzen". (ebd., S.82)  Zudem wurde die königliche Zensur unter »Ludwig XV. (1710-1774) nicht mehr mit aller Härte exekutiert, so dass auch dadurch die weitere Entwicklung des kritischen aufklärerischen Denkens in Frankreich begünstigt wurde. So konnten zahlreiche Drucke, "die wegen ihres Inhalts, des Copyrights, der Frivolität oder der mangelnden Qualität nicht legal sein konnten" deshalb in Umlauf gebracht werden, weil die zuständigen Behörden und Minister ein Auge zudrückten und damit aufgaben, sämtliche politisch relevanten Informationen unter Kontrolle zu halten. Solange der herrschende König und die Königin nicht angegriffen wurden, konnten die Hochadeligen und Minister die Situation auch dafür nutzen, mit Hilfe bestimmter Pamphlete auch persönliche Widersacher zu diskreditieren. (vgl. ebd., S.90)

Die höfische Patronage gründete also auf Leistung und Gegenleistung. Sie hatte großen Einfluss auf den Inhalt zahlreicher aufklärerischer Texte, und auch "berühmte Aufklärer wie Voltaire richteten ihre Äußerungen vielfach nach dem, was bestimmte Höflinge gedruckt sehen wollten" (ebd., S.26). Die Patronage, die er bewusst anstrebte, machte ihn, wie auch andere, immer wieder zu "Sprachrohre(n) der Granden" (ebd., S.82). Trotzdem gingen von der asymmetrischen Abhängigkeitsbeziehung zwischen Patronen und Klienten wichtige Impulse für die Entstehung und Gestaltung von aufklärerischen Werken aus. (ebd.)

So konnten viele Aufklärungsphilosophen, darunter auch solche die heterodoxe Positionen vertraten oder auch »radikale Aufklärer, wegen ihrer besonderen Beziehung zu den "Granden" Kariere machen und brachten es oft auch zu großem Wohlstand. Dies gelang ihnen vor allem, wenn sie weitere Begünstigungen und Privilegien erhielten. So waren »Claude-Adrien Helvétius (1715-1771) und »Antoine-Laurent de Lavoisier (1743-1794) »Generalsteuerpächter  (Ferme générale) und »Voltaire (1694-1778) erwarb einen Großteil seines beträchtlichen Vermögens mit seiner Beteiligung an einem Unternehmen, das die Armee belieferte (vgl. ebd., S.85).

Aufklärer als Universitätsprofessoren im Alten Reich

Auch im • Alten Reich (Heiliges Römisches Reich) waren die bedeutenden Aufklärer eine soziale Gruppe in Amt und Würden.

Hier waren sie allerdings, anders als in Frankreich, in der Regel Universitätsprofessoren. (vgl. ebd., S.87)

Da sie damit aber einer Körperschaft angehörten, waren sie aufgrund ihrer Mitgliedschaft verpflichtet, "nichts zu unternehmen, was für die Körperschaft ehrenrührig war." (ebd., S.88)

Wer hier etwas anderes lehren wollte, als das, was gewöhnlich zur orthodoxen Lehre gehörte, wurde gar nicht Professor. Wer als Universitätsmitglied davon abwich, musste damit rechnen, von der Korporation bestraft zu werden, denn die Universität war • ein Personenverband mit besonderen Rechten und besaß eine eigene Gerichtsbarkeit über die Universitätsangehörigen, die vom Rektor ausgeübt wurde.

"Dies schränkte", folgert Tricoire (2023, S.88) daraus, "die Möglichkeit für Gelehrte, heterodoxe Gedanken zu veröffentlichen, enorm ein. Da die Aufklärung in Deutschland und Schottland im Wesentlichen eine Sache von Universitätsprofessoren war, hatte sie überwiegend einen moderaten Charakter."

Was es bedeutete, wenn man von der orthodoxen Lehre abwich, bekam z. B. der evangelische Theologe und Schriftsteller • Carl Friedrich Bahrdt (1740–1792) zu spüren, der 1766 ordentlicher Professor der biblischen Philologie an der schon 1409 gegründeten »Universität in Leipzig geworden war. Wegen seines Anstoß erregenden Lebenswandels (er hatte z. B. eine öffentlich ruchbar gewordene Affäre mit einer Prostituierten und ein uneheliches Kind), aber auch wegen seiner von der protestantischen Orthodoxie abweichenden rationalistischen Lehren wurde er immer wieder seines Amtes enthoben, musste die Universitäten wechseln, durfte am Ende an der Universität in Halle nur noch auf Anweisung Friedrichs II. als Privatdozent lehren, bis er nach dessen Tod und nachdem er seine Frau verstoßen hatte,mit seiner Dienstmagd zusammenlebte und mit dieser in einem bei Halle gekauften Weinberg eine Gastwirtschaft betrieb. Weil er im April 1789 wals Verfasser des anonymen satirischen Lustspiels Das Religionsedikt denunziert wurde, in dem er das »(preußische) Religionsedikt von 1788 verspottete, wurde er wegen dieses Majestätsverbrechens und Geheimbündelei zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, aber nach einer halbjährigen Haft begnadigt und konnte  nach Halle zurückkehren. (vgl. Wikipedia, vgl. Tricoire (2023, S.88)

Literaturepoche Aufklärung 1720-1785
»Der Begriff Aufklärung (Wikipedia)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.08.2025

      
   Arbeitsanregungen:
  1. Warum konnten die meisten Aufklärer nicht allein von ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leben?
  2. Welche Rolle spielte die höfische Patronage im absolutistischen Frankreich für Aufklärer wie Voltaire?
  3. Inwiefern beeinflusste die Patronage die Inhalte vieler aufklärerischer Texte?
  4. Welche Unterschiede bestanden zwischen der Stellung der Aufklärer in Frankreich und im Alten Reich?
  5. Warum hatte die Aufklärung in Deutschland überwiegend einen moderaten Charakter?
  6. Welche Konsequenzen hatte Carl Friedrich Bahrdt wegen seines Lebenswandels und seiner Lehren zu tragen?
 
   
 

 
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