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Einzelne Aspekte

Söldnerleben im niederländischen Batavia

Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) «Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche AspekteSoldatenleben

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Beginn des bürgerlichen Zeitalters Aspekte und RahmenthemenÜberblick Verschiedene Aspekte Rahmenthemen Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Überblick Bevölkerungsentwicklung Landleben Stadtleben Familienleben Frauenleben KinderlebenLeben der AltenBerufslebenSexuallebenLeben des Adels Soldatenleben Überblick [ Einzelne Aspekte Überblick Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18. Jahrhunderts Söldnerleben im niederländischen Batavia im 17. und 18. Jh. ◄ Soldatenhandel und -verkauf im 18. Jh. ] QuellenBausteine Fragen und Antworten (KI) Studentenleben KlosterlebenRäuberleben Mode und Kleidung Reisen Kranke und Gesunde Lesen Deutsche Geschichte
 

 

Württemberg zur Zeit Herzog Carl Eugens (1728-1793)
Zwangsaushebungen und Vermietung von Söldnertruppen
Kapregiment 1786-1806

»Batavia, heute ist es unter dem Namen »Jakarta, der ehemaligen Hauptstadt der »Republik Indonesien bekannt, liegt an der Nordküste »Javas, an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen morastigen Umgebung. Die Stadt war Sitz des Generalgouverneurs, des obersten Befehlshabers der 1602 gegründeten »Niederländischen Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische Compagnie; abgekürzt VOC) in Asien sowie der so genannten Hohen Regierung (Raad van Indië), der die ranghöchsten Vertreter des kaufmännischen Personals, des Militärs und der Rechtsprechung in Asien angehörten.

Die wirtschaftlich prosperierenden Niederlande stiegen im frühen 17 Jahrhundert, in ihrem ▪ "Goldenen Zeitalter", zu einer Großmacht auf, wurden zu einer "Drehscheibe der Weltwirtschaft" (North 22003. S.43) und zu einer bedeutenden ▪ Kolonialmacht mit Besitzungen in Asien, Afrika, Amerika und der Karibik, die vor allem den äußerst lukrativen Gewürzhandel aus dieser Weltregion unter ihre Kontrolle brachte. Dabei wurden die niederländischen Kolonialgebiete in Asien nicht direkt von den Generalstaaten der Niederlande, sondern von der 1602 gegründeten »Niederländischn Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische Compagnie; abgekürzt VOC) verwaltet und in den europäisch-asiatischen Handel eingebunden. Die VOC avancierte zu einem der größten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie erhielt von den Generalstaaten Handelsmonopole sowie Hoheitsrechte in Landerwerb, bei der Kriegsführung und dem Festungsbau, durfte Soldaten anwerben und sogar mit ausländischen Herrschern Verträge abschließen. (ebd., S.59) Die konzessionierte Aktiengesellschaft hatte ihren Hauptsitz in »Amsterdam und »Middelburg. Batavia war das Hauptquartier der Handelsschifffahrt in Asien.


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Die Stadt war durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner. Die Kolonialstadt war stark befestigt und wurde von Soldaten, die aus Europa stammten, sowie asiatischen Hilfstruppen und Stadtmilizen geschützt.

Die Schutztruppen in Batavia bestanden im 17. und 18. Jahrhundert überwiegend aus angeworbenen Soldaten, doch spielte auch Zwang in verschiedener Form eine wichtige Rolle. Die »Niederländischestindien-Kompanie unterhielt als Handelsgesellschaft eine eigene Schutztruppen und warb ihre Soldaten sowohl in Europa als auch in Asien an.

Viele Männer meldeten sich freiwillig, weil sie auf Sold, Arbeit oder sozialen Aufstieg hofften. Unter ihnen befanden sich nicht nur Niederländer, sondern auch zahlreiche Deutsche, Skandinavier und andere Europäer.

Neben dieser formalen Freiwilligkeit gab es jedoch auch erhebliche Formen indirekten oder direkten Zwangs. In Europa wurden häufig arme Menschen, Schuldner oder gesellschaftlich Ausgegrenzte angeworben, die kaum andere Möglichkeiten zum Lebensunterhalt hatten. Teilweise kam es auch zu irreführenden Versprechungen oder betrügerischen Methoden bei der Rekrutierung. In Asien stützte sich die VOC zusätzlich auf lokale Hilfstruppen und auf Menschen, die unter politischem oder wirtschaftlichem Druck standen. Viele Soldaten und bewaffnete Helfer stammten aus den indonesischen Inselgebieten, etwa von Ambon oder Bali, oder gehörten zu den so genannten Mardijkern, freigelassenen christlichen Sklaven portugiesischer Herkunft.


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Die Männer, die sich von der VOC anwerben ließen, wussten im Allgemeinen darüber Bescheid, in welchen der VOC unterstellten niederländischen Kolonialstützpunkt sie für die kommenden Jahre Dienst zu leisten hatten. Unter ihnen befanden sich nicht nur Niederländer, sondern auch zahlreiche Deutsche, Skandinavier und andere Europäer. Viele von den meist ungebildeten Freiwilligen glaubten auch an allerlei Geschichten, die sich um die große Erzählung vom Glück in der Ferne, von Reichtum, Gold und Edelsteinen rankten.

Was ihnen, auch von den Werbern, über das Leben in Ostindien erzählt wurde, wohin sie sich von der Niederländischen Ost-Indien-Kompanie in einem ihrer Rekrutierungsbüros in der Regel für die Dauer von fünf Jahren anwerben lassen konnten, hatte nichts mit dem zu tun, was sie auf der Schiffreise dort hin und in den Kolonien tatsächlich erwartete. Ihre Lebensbedingungen in den Tropen waren nämlich äußerst hart: Krankheiten, hohe Sterblichkeit, schlechte Versorgung und strenge Disziplin prägten den Alltag der dortigen Soldaten.

Was die Soldaten auf ihrer langen Seereise nach Batavia erwartete, zerschlug wahrscheinlich schnell alle Hoffnung auf Reichtum und Glück. Ausgestattet mit Waffen, einer Seekiste, Bettzeug und Handgeld, das zum Kauf von Kleidung und Zusatzverpflegung dienen sollte, aber von vielen wohl auch gleich in den Hafenspelunken versoffen wurde, ging es mit Schiffen, auf denen sich oft drei- bis vierhundert Mann auf dem Zwischendeck aneinander drängten, auf die Reise an der Westküste Afrikas entlang um das Kap der Guten Hoffnung in den Ostindischen Ozean.

Je sieben Mann mussten sich das karge Essen aus einer gemeinsamen Schüssel teilen, das aus Gerstengrütze, Bohnen, Erbsen, Stockfisch und Salzfleisch, ein wenig Zwieback und Hartkäse dazu, sowie eine täglich Wasserration und hin und wieder auch alkoholische Getränke. "Nach einigen Wochen begann das Wasser zu stinken", so Frank Westenfelder (o. J.), "und in den Fässern schwammen weiße Würmer. Einige Söldner berichten, daß sie es immer durch ein Tuch siebten und nur mit zugehaltener Nase trinken konnten.[...] Konnte mit diesem Essen ein Gesunder immerhin auf bessere Zeiten hoffen, so war es für Kranke oft tödlich. Es war schwer verdaulich, viel zu salzig und enthielt keinerlei Vitamine. Die meisten Opfer forderte dann auch der Skorbut, der so genannte "Scharbock", gefolgt von Ruhr, Dysenterie, Blattern, Wassersucht und diversen Tropenkrankheiten. In fast allen Reiseberichten sind die Seereisen auch gleichzeitig Chroniken des alltäglichen Sterbens an Bord. Viele der Kranken waren zu schwach, um sich zu bewegen und lagen apathisch in Urin, Eiter und Erbrochenem, in Hitze und Gestank des Zwischendecks." In der windstillen Umgebung des Äquators hätten die Schiffe oft in mörderischer Hitze wochenlang festgelegen, so dass nicht wenige Soldaten vor Durst und Hitze den Verstand verloren und über Bord gesprungen seien.

Wer schließlich den Hafen von Batavia errichte, kam in eine geradezu holländisch erscheinende "Stadt mit Mauer, Wassergraben, Zugbrücken, Kanälen, breiten gepflasterten Straßen, mächtigen Kolonialbauten und prächtigen Gärten. [... ]  In den Straßen drängten sich Holländer, Chinesen, Malaien, Neger, Inder und Mischlinge aller Rassen. Es gab Sklaven aus dem gesamten Archipel, aus Bali, Amboina, Macassar, Borneo und Sumatra, dazu solche aus Bengalen, Ceylon und Madagaskar. Jeder Haushalt besaß Sklaven, ein einfacher Handwerker manchmal nur ein halbes Dutzend und die Räte von Indien mehrere hundert. Durch die Menge schoben sich Lastenträger, Sänften, von Wasserbüffeln gezogene Karren und manchmal ein Elefant. In den Kontoren und Lagerhäusern stapelten sich Baumwoll- und Leinenstoffe aus Indien, seidene Tücher aus Persien, Bengalen und China, Zinn aus Malaysia, chinesisches Porzellan, Tee, Opium, Salpeter, Zucker, Ebenholz und all die Gewürze Ostasiens: Muskatblüten und -Nüsse, weißer und schwarzer Pfeffer, Zimt und die heiß begehrten Gewürznelken von den Molukken. Die Gärten, Marktstände, Buden und Garküchen waren voll von exotischen Blüten, Früchten, Gerüchen und Menschen, von denen man in Europa keinerlei Vorstellung hatte." (ebd.) Kein Wunder, dass viele der Neuankömmlinge davon und dem, was dieser "Garten Eden" an exotischen Früchten anbot, aus dem Staunen kaum mehr herauskamen. Dazu noch Menschen aus zahlreichen Völkern "in ihren fremdartigen Kleidern, Chinesen mit langen Seidenhemden und Pantoffeln, Inder mit geölten Haaren, schwarze Sklaven, einheimische, mit Federn geschmückt Söldner mit bunt bemalten Schilden, seltsamen Waffen und Musikinstrumenten, Frauen in durchsichtigen Leibchen und Saris." (ebd.)

Wie Westenfelder (o. J.) sinngemäß fortfährt, setzte die VOC ihre Söldner primär zur Sicherung ihres Handelsmonopols ein. Da große Kriege selten waren, beschränkte sich der militärische Einsatz oft darauf, einheimische Fürsten durch gezielten Terror zur Unterzeichnung von Verträgen zu zwingen. Rebellionen gegen die hohen Gewürzabgaben wurden mit brutalen Strafexpeditionen niedergeschlagen, wobei Dörfer niedergebrannt und Gefangene als Sklaven verkauft wurden. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts waren viele Inseln so dauerhaft "befriedet", dass der Dienst in den Garnisonen meist ereignislos verlief. Dieser Alltag in den abgelegenen Forts war jedoch von tödlicher Langeweile und Krankheiten wie Ruhr oder Beriberi geprägt, die weit mehr Opfer forderten als bewaffnete Konflikte. Die Soldaten bekämpften die Monotonie mit Alkohol und Glücksspiel, was regelmäßig zu blutigen internen Streitigkeiten führte. Berichte von Augenzeugen verdeutlichen, dass die wenigen "Höhepunkte" des Dienstes lediglich aus seltenen Schiffsankünften und regelmäßigen, drakonischen Gerichtstagen bestanden, bei denen Delikte wie Mord, Desertion oder Sodomie grausam bestraft wurden.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie die Lebens- und Verpflegungsbedingungen der Soldaten während der Seereise nach Batavia auf Basis der Schilderungen von Frank Westenfelder kurz zusammen.

  2. Stellen Sie dar, welche die offiziellen Rechte und Privilegien die Generalstaaten der Niederlande der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) im 17. und 18. Jahrhundert übertragen hatten.

  3. Erklären Sie den Widerspruch zwischen der "formalen Freiwilligkeit" bei der Anwerbung von Soldaten in Europa und den tatsächlichen Rekrutierungsmethoden der VOC.

  4. Überprüfen Sie anhand des Textes, inwiefern die glanzvollen und exotischen ersten Eindrücke der Neuankömmlinge im Hafen von Batavia mit der späteren Realität ihres militärischen Alltags in den Garnisonen übereinstimmen.

  5. Gerichtsrat Walter versucht Eve zu überzeugen, dass die Soldaten im Land verbleiben. Beurteilen Sie vor dem Hintergrund des im Text erwähnten "Soldatenverkaufs" und der historischen Praxis der VOC, ob Eves Skepsis gegenüber den Dementis von Walter und Licht historisch und dramaturgisch plausibel ist.

 

 
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