»Batavia,
heute ist es unter dem Namen »Jakarta,
der ehemaligen Hauptstadt der »Republik
Indonesien bekannt, liegt an der Nordküste »Javas,
an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen
morastigen Umgebung. Die Stadt war Sitz des Generalgouverneurs, des
obersten Befehlshabers der 1602 gegründeten »Niederländischen
Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische
Compagnie; abgekürzt VOC) in Asien sowie der so genannten Hohen
Regierung (Raad van Indië), der die ranghöchsten Vertreter des
kaufmännischen Personals, des Militärs und der Rechtsprechung in
Asien angehörten.
Die wirtschaftlich
prosperierenden Niederlande stiegen im frühen 17 Jahrhundert, in
ihrem ▪
"Goldenen Zeitalter", zu
einer Großmacht auf, wurden zu einer "Drehscheibe der
Weltwirtschaft" (North
22003. S.43) und zu einer bedeutenden
▪ Kolonialmacht mit Besitzungen in Asien, Afrika, Amerika und der
Karibik, die vor allem den äußerst lukrativen Gewürzhandel aus
dieser Weltregion unter ihre Kontrolle brachte. Dabei wurden die
niederländischen Kolonialgebiete in Asien nicht direkt von den
Generalstaaten der Niederlande, sondern von der 1602 gegründeten »Niederländischn
Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische
Compagnie; abgekürzt VOC) verwaltet und in den
europäisch-asiatischen Handel eingebunden. Die VOC avancierte zu
einem der größten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts.
Sie erhielt von den Generalstaaten Handelsmonopole sowie
Hoheitsrechte in Landerwerb, bei der Kriegsführung und dem
Festungsbau, durfte Soldaten anwerben und sogar mit ausländischen
Herrschern Verträge abschließen. (ebd.,
S.59) Die konzessionierte Aktiengesellschaft hatte ihren Hauptsitz
in »Amsterdam
und »Middelburg.
Batavia war das Hauptquartier der Handelsschifffahrt in Asien.

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Die Stadt war durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand
aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher
gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen
Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner. Die
Kolonialstadt war stark befestigt und wurde von Soldaten, die
aus Europa stammten, sowie asiatischen Hilfstruppen und
Stadtmilizen geschützt.
Die Schutztruppen
in Batavia bestanden im 17. und 18. Jahrhundert überwiegend aus
angeworbenen Soldaten, doch spielte auch Zwang in verschiedener Form
eine wichtige Rolle. Die »Niederländischestindien-Kompanie
unterhielt als Handelsgesellschaft eine eigene Schutztruppen und warb ihre Soldaten sowohl in Europa als auch in
Asien an.
Viele Männer
meldeten sich freiwillig, weil sie auf Sold, Arbeit oder sozialen
Aufstieg hofften. Unter ihnen befanden sich nicht nur Niederländer,
sondern auch zahlreiche Deutsche, Skandinavier und andere Europäer.
Neben dieser
formalen Freiwilligkeit gab es jedoch auch erhebliche Formen
indirekten oder direkten Zwangs. In Europa wurden häufig arme
Menschen, Schuldner oder gesellschaftlich Ausgegrenzte angeworben,
die kaum andere Möglichkeiten zum Lebensunterhalt hatten.
Teilweise kam es auch zu irreführenden Versprechungen oder
betrügerischen Methoden bei der Rekrutierung. In Asien stützte
sich die VOC zusätzlich auf lokale Hilfstruppen und auf Menschen,
die unter politischem oder wirtschaftlichem Druck standen. Viele
Soldaten und bewaffnete Helfer stammten aus den indonesischen
Inselgebieten, etwa von Ambon oder Bali, oder gehörten zu den so
genannten Mardijkern, freigelassenen christlichen Sklaven
portugiesischer Herkunft.

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Die Männer, die sich von der VOC anwerben ließen, wussten im
Allgemeinen darüber Bescheid, in welchen der VOC unterstellten
niederländischen Kolonialstützpunkt sie für die kommenden Jahre
Dienst zu leisten hatten. Unter ihnen befanden sich nicht nur
Niederländer, sondern auch zahlreiche Deutsche, Skandinavier und
andere Europäer. Viele von den meist ungebildeten Freiwilligen
glaubten auch an allerlei Geschichten, die sich um die große
Erzählung vom Glück in der Ferne, von Reichtum, Gold und
Edelsteinen rankten.
Was ihnen, auch von
den Werbern, über das Leben in Ostindien erzählt wurde, wohin sie
sich von der Niederländischen Ost-Indien-Kompanie in einem ihrer
Rekrutierungsbüros in der Regel für die Dauer von fünf Jahren
anwerben lassen konnten, hatte nichts mit dem zu tun, was sie
auf der Schiffreise dort hin und in den Kolonien tatsächlich
erwartete. Ihre Lebensbedingungen in den Tropen waren nämlich
äußerst hart: Krankheiten, hohe Sterblichkeit, schlechte Versorgung
und strenge Disziplin prägten den Alltag der dortigen Soldaten.
Was die Soldaten
auf ihrer langen Seereise nach Batavia erwartete, zerschlug
wahrscheinlich schnell alle Hoffnung auf Reichtum und Glück. Ausgestattet mit Waffen, einer Seekiste, Bettzeug und
Handgeld, das zum Kauf von Kleidung und Zusatzverpflegung dienen
sollte, aber von vielen wohl auch gleich in den Hafenspelunken
versoffen wurde, ging es mit Schiffen, auf denen sich oft drei-
bis vierhundert Mann auf dem Zwischendeck aneinander drängten,
auf die Reise an der Westküste Afrikas entlang um das Kap der
Guten Hoffnung in den Ostindischen Ozean.
Je sieben Mann mussten sich das karge Essen aus einer
gemeinsamen Schüssel teilen, das aus Gerstengrütze, Bohnen,
Erbsen, Stockfisch und Salzfleisch, ein wenig Zwieback und
Hartkäse dazu, sowie eine täglich Wasserration und hin und
wieder auch alkoholische Getränke. "Nach einigen Wochen begann
das Wasser zu stinken", so
Frank Westenfelder (o. J.), "und in den Fässern schwammen
weiße Würmer. Einige Söldner berichten, daß sie es immer durch
ein Tuch siebten und nur mit zugehaltener Nase trinken
konnten.[...] Konnte mit diesem Essen ein Gesunder immerhin auf
bessere Zeiten hoffen, so war es für Kranke oft tödlich. Es war
schwer verdaulich, viel zu salzig und enthielt keinerlei
Vitamine. Die meisten Opfer forderte dann auch der Skorbut, der
so genannte "Scharbock", gefolgt von Ruhr, Dysenterie, Blattern,
Wassersucht und diversen Tropenkrankheiten. In fast allen
Reiseberichten sind die Seereisen auch gleichzeitig Chroniken
des alltäglichen Sterbens an Bord. Viele der Kranken waren zu
schwach, um sich zu bewegen und lagen apathisch in Urin, Eiter
und Erbrochenem, in Hitze und Gestank des Zwischendecks." In der
windstillen Umgebung des Äquators hätten die Schiffe oft in
mörderischer Hitze wochenlang festgelegen, so dass nicht wenige
Soldaten vor Durst und Hitze den Verstand verloren und über Bord
gesprungen seien.
Wer schließlich den
Hafen von Batavia errichte, kam in eine geradezu holländisch
erscheinende "Stadt mit Mauer, Wassergraben, Zugbrücken,
Kanälen, breiten gepflasterten Straßen, mächtigen Kolonialbauten
und prächtigen Gärten. [... ] In den Straßen drängten sich
Holländer, Chinesen, Malaien, Neger, Inder und Mischlinge aller
Rassen. Es gab Sklaven aus dem gesamten Archipel, aus Bali, Amboina, Macassar, Borneo und Sumatra, dazu solche aus Bengalen,
Ceylon und Madagaskar. Jeder Haushalt besaß Sklaven, ein
einfacher Handwerker manchmal nur ein halbes Dutzend und die
Räte von Indien mehrere hundert. Durch die Menge schoben sich
Lastenträger, Sänften, von Wasserbüffeln gezogene Karren und
manchmal ein Elefant. In den Kontoren und Lagerhäusern stapelten
sich Baumwoll- und Leinenstoffe aus Indien, seidene Tücher aus
Persien, Bengalen und China, Zinn aus Malaysia, chinesisches
Porzellan, Tee, Opium, Salpeter, Zucker, Ebenholz und all die
Gewürze Ostasiens: Muskatblüten und -Nüsse, weißer und schwarzer
Pfeffer, Zimt und die heiß begehrten Gewürznelken von den
Molukken. Die Gärten, Marktstände, Buden und Garküchen waren
voll von exotischen Blüten, Früchten, Gerüchen und Menschen, von
denen man in Europa keinerlei Vorstellung hatte." (ebd.)
Kein Wunder, dass viele der Neuankömmlinge davon und dem, was
dieser "Garten Eden" an exotischen Früchten anbot, aus dem
Staunen kaum mehr herauskamen. Dazu noch Menschen aus
zahlreichen Völkern "in ihren fremdartigen Kleidern, Chinesen
mit langen Seidenhemden und Pantoffeln, Inder mit geölten
Haaren, schwarze Sklaven, einheimische, mit Federn geschmückt
Söldner mit bunt bemalten Schilden, seltsamen Waffen und
Musikinstrumenten, Frauen in durchsichtigen Leibchen und Saris."
(ebd.)
Wie
Westenfelder (o. J.) sinngemäß fortfährt, setzte die
VOC ihre Söldner primär zur Sicherung ihres Handelsmonopols ein.
Da große Kriege selten waren, beschränkte sich der militärische
Einsatz oft darauf, einheimische Fürsten durch gezielten Terror
zur Unterzeichnung von Verträgen zu zwingen. Rebellionen gegen
die hohen Gewürzabgaben wurden mit brutalen Strafexpeditionen
niedergeschlagen, wobei Dörfer niedergebrannt und Gefangene als
Sklaven verkauft wurden. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts waren
viele Inseln so dauerhaft "befriedet", dass der Dienst in den
Garnisonen meist ereignislos verlief. Dieser Alltag in den
abgelegenen Forts war jedoch von tödlicher Langeweile und
Krankheiten wie Ruhr oder Beriberi geprägt, die weit mehr Opfer
forderten als bewaffnete Konflikte. Die Soldaten bekämpften die
Monotonie mit Alkohol und Glücksspiel, was regelmäßig zu
blutigen internen Streitigkeiten führte. Berichte von
Augenzeugen verdeutlichen, dass die wenigen "Höhepunkte" des
Dienstes lediglich aus seltenen Schiffsankünften und
regelmäßigen, drakonischen Gerichtstagen bestanden, bei denen
Delikte wie Mord, Desertion oder Sodomie grausam bestraft
wurden.