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Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) « Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Soldatenleben

 
GESCHICHTE
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Das Soldatenleben in der Frühen Neuzeit (ca. 1350-1809) spielte sich in einem Spannungsfeld zwischen staatlicher Disziplinierung, wirtschaftlichen Zwängen und individuellen Handlungsmöglichkeiten der Soldaten ab. Der Militärdienst bedeutete für viele Männer Entbehrung, Unsicherheit und ein hohes Risiko, bot aber zugleich regelmäßige Versorgung, soziale Gemeinschaft und in einzelnen Fällen auch Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg. Wer in der Frühen Neuzeit (ca.1350-1800) Soldat wurde, musste sich allerdings auf ein Leben mit harter Disziplin, großer Unsicherheit und erheblichen körperlichen Belastungen einstellen.

Mit dem Übergang von den Söldnerheeren des 16. Jahrhunderts zu den • stehenden Heeren des 17. und 18. Jahrhunderts wandelte sich der Militärdienst grundlegend. Soldaten wurden zunehmend dauerhaft in den Dienst eines Landesherrn gestellt und die Heere wurden zu einem der wichtigen • Schlüsselmonopole bei der ▪ Entstehung des frühmodernen Territorialstaates im Absolutismus.

Die Etablierung eines permanenten, stehenden Heeres unter dem Großen Kurfürsten »Friedrich Wilhelm (1620-1688), dem »Kurfürsten von Brandenburg und »Herzog in Preußen, brachte dabei auch einen tiefgreifenden Strukturwandel in den soldatischen Lebensformen gegenüber denen mit sich, die bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) üblich waren. Die Landsknechte in diesem Krieg mit seinen "viele(n) Gesichtern" (Ruth. E. Mohrmann, aber auch Gräueltaten ohne Ende, den Friedell (1928/1969, S.414) zu einem "der längsten und sinnlosesten" Kriege der Weltgeschichte gezählt hat, mussten sich mit unregelmäßigen Soldzahlungen, vor allem aber mit Plünderungen und Beute, durchschlagen. Weder als Veteranen oder Invaliden konnten sie nach ihrer Entlassung irgendwelche Versorgungsansprüche gegenüber ihren als ▪ private Kriegsunternehmer agierenden Obristen (Condottiere-System) oder den König oder Fürsten, auf dessen Seite sie kämpften, erheben. Die Aufstellung stehender Heere konnte nicht mehr nach diesen Prinzipien funktionieren und verlangte nach neuen Strukturen und Disziplinierung der Soldaten, vor allem einem auf alle Soldaten der Truppe gleichermaßen anzuwendendes Disziplin- und Militärrecht (Militärartikel). Die neue Truppe musste dabei auch den Eindruck einer geradezu ▪ entmenschlichten Soldateska, die im ▪ Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) "zum Inbegriff der Sittenlosigkeit, ja des Teuflischen schlechthin" (Schilling1987, S.164.f.) geworden war, vergessen machen.

Allerdings wurde das Leben der Soldaten in den neuartigen stehenden Heeren keineswegs ausschließlich vom Krieg bestimmt. Die meisten verbrachten in den Friedenszeiteneinen einen erheblichen Teil ihrer Dienstzeit in Ihren Garnisonen, wo Ausbildung, Wachdienst und ein harter, aber auch öder militärischer Alltag den Lebensrhythmus bestimmten. Andere wurden, wie z. B. in Brandenburg-Preußen bei Gewährleistung ihrer Bereitschaft die meiste Zeit des Jahres für die Arbeit auf den Landgütern ihrer »Gutsherren beurlaubt und mussten nur wenige Monate zu militärischen Übungen bereitstehen (• Freiwächtertum).

Die Herkunft der Soldaten war sehr unterschiedlich. Im 16. und frühen 17. Jahrhundert bestanden die Heere überwiegend aus angeworbenen Söldnern, die aus zahlreichen europäischen Regionen stammten und ihre Dienste demjenigen Herrscher anboten, der den höchsten Sold zahlte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gingen viele Staaten dazu über, dauerhaft ▪ stehende Heere aufzubauen. Im 18. Jahrhundert ergänzten zahlreiche Territorien die Anwerbung durch Konskriptions- oder Kantonatssysteme, wie sie besonders in Preußen entwickelt wurden. Dennoch blieb die Werbung freiwilliger Soldaten weiterhin von großer Bedeutung. Viele Männer traten aus wirtschaftlicher Not, wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten, nach familiären Konflikten oder in der Hoffnung auf regelmäßigen Sold in den Militärdienst ein.

Der Alltag der Soldaten war von strenger Disziplin geprägt. Der Tagesablauf folgte einem festen Rhythmus aus Exerzieren, Waffenpflege, Wach- und Garnisonsdienst sowie militärischen Übungen. Besonders in den stehenden Heeren des 18. Jahrhunderts legten die Offiziere großen Wert auf Gleichschritt, Gehorsam und exakte Ausführung von Befehlen. Körperliche Züchtigungen gehörten in vielen Armeen zu den üblichen Disziplinarmaßnahmen. Historiker weisen jedoch darauf hin, dass das Ausmaß solcher Strafen regional unterschiedlich war und sich im Laufe des 18. Jahrhunderts teilweise verringerte. Ziel der militärischen Ausbildung war es, aus den einzelnen Rekruten eine möglichst geschlossene und zuverlässig funktionierende Kampfeinheit zu formen.

Das Leben in den Garnisonen unterschied sich erheblich vom Kriegsdienst. In Friedenszeiten wohnten viele Soldaten in Bürgerquartieren oder Kasernen und verrichteten neben ihrem militärischen Dienst handwerkliche oder landwirtschaftliche Nebentätigkeiten, um ihren geringen Sold aufzubessern. Manche heirateten und gründeten Familien, obwohl die Zahl der offiziell erlaubten Soldatenehen häufig begrenzt war. Frauen begleiteten die Truppen oftmals als Marketenderinnen, Wäscherinnen oder Köchinnen und trugen wesentlich zur Versorgung der Soldaten bei. Die Forschung betont daher, dass militärische Gemeinschaften keineswegs ausschließlich aus Männern bestanden.

Der Kriegsdienst selbst bedeutete für die Soldaten enorme Gefahren. Schlachten forderten hohe Verluste, doch starben weit mehr Soldaten an Krankheiten, Hunger oder schlechter Versorgung als durch feindliche Waffen. Marschleistungen von mehreren Dutzend Kilometern täglich, mangelhafte Ernährung und unzureichende medizinische Versorgung führten zu hoher Erschöpfung und einer erheblichen Sterblichkeit. Verwundungen konnten oft nur unzureichend behandelt werden. Gleichzeitig gehörten Plünderungen, Einquartierungen und die Versorgung der Truppen aus den besetzten Gebieten vielerorts zum militärischen Alltag und belasteten die Zivilbevölkerung erheblich.

Ein zentrales Problem der frühneuzeitlichen Heere war die sehr verbreitete ▪ Fahnenflucht bzw. Desertation (auch Desertion) der einfachen Soldaten. Besonders in den Söldnerheeren des 16. und 17. Jahrhunderts wechselten Soldaten nicht selten den Dienstherrn oder verließen ihre Truppe, wenn Soldzahlungen ausblieben. Auch in den stehenden Heeren des 18. Jahrhunderts blieb Fahnenflucht weit verbreitet. Ursachen waren harte Disziplin, schlechte Versorgung, familiäre Bindungen oder die Hoffnung auf ein besseres Leben außerhalb des Militärs. Die Obrigkeiten reagierten mit scharfen Strafen bis hin zur Todesstrafe, zugleich entwickelten sie Belohnungssysteme und verbesserten teilweise die Versorgung der Soldaten, um Desertionen einzudämmen.

Die • Stellung der Offiziere unterschied sich deutlich von der der einfachen Mannschaften. In vielen Staaten, insbesondere in Preußen, stammten Offiziere überwiegend aus dem Adel. Der Offiziersberuf war eng mit Vorstellungen von Ehre, Loyalität und standesgemäßem Verhalten verbunden. Einfache Soldaten dagegen verfügten nur über geringe Aufstiegsmöglichkeiten. Dennoch bot der Militärdienst einzelnen Männern die Chance auf gesellschaftlichen Aufstieg, insbesondere wenn sie sich durch Tapferkeit oder besondere Fähigkeiten auszeichneten. In anderen europäischen Staaten, etwa in Frankreich oder Österreich, bestanden ebenfalls adlige Offizierskorps, wenngleich sich deren Zusammensetzung regional unterschied.

Mit dem • Ausbau der stehenden Heere gewann das Militär zunehmend Bedeutung für die Entwicklung ▪ Entstehung und Entwicklung des frühmodernen Territorialstaates im Absolutismus. Soldaten dienten nicht mehr ausschließlich der Kriegsführung, sondern übernahmen auch Aufgaben beim Festungsbau, bei der Grenzsicherung oder im Inneren zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die Armeen entwickelten sich zu dauerhaften staatlichen Institutionen, deren Finanzierung und Verwaltung einen immer größeren Teil der staatlichen Ressourcen beanspruchten.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 

 
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