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Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18.
Jahrhunderts
Als Betroffener schilderte der
Schriftsteller »Johann
Gottfried Seume (1763-1810),
der
1781 auf dem Weg nach Paris von
hessischen »Soldatenwerbern ergriffen,
zum Dienst in der Armee gezwungen und vom «Landgrafen
von Hessen-Kassel an
England für den Kampf
gegen
die aufständischen englischen Kolonien in Amerika vermietet wurde, seine
Erlebnisse in der 1813 erschienenen Autobiographie »Mein
Leben.
Friedrich Kapp
Die Behandlung der einfachen Soldaten (1874)
in: Mein Leben (1811)
"Da die Bande, welche die geworbenen Soldaten an ihre
Kriegsherren knüpften, vorzugsweise von der List und
Gewalt geknüpft waren, also stets locker blieben, so
entschied lediglich der persönliche Vortheil für ihr
Bleiben und Gehen. . Aus diesem Grunde tritt gewöhnlich
die ganze Besatzung einer Festung oder ein großer Theil
derselben, nachdem sie kapitulirt, in die Reihen der
Sieger. Die Befehlshaber aufgelöster Heere trieben
förmliche Spekulation mit kriegerischen Haufen und
suchten durch allerlei Kunstgriffe die höchst möglichen
Preise für ihre Waare zu erhalten. In der Regel bildeten
darum auch die stehenden Heere des achtzehnten
Jahrhunderts die Sammelpunkte des verworfensten
Gesindels, das man sich nur denken kann. Es fehlte ihnen
jedes nationale Element, jeder moralische Halt, und es
galt als das größte Unglück für einen nur halbwegs
anständigen Menschen, dem „Kalbfell folgen“ zu müssen.
Die Behandlung des Soldaten war roh, die Bestrafung
barbarisch, jedes Ehrgefühl wurde methodisch in ihm
erstickt. Der Gemeine wurde vom Offizier, wie heute noch
in England und den Vereinigten Staaten, verachtet,
mißhandelt und durch eine unübersteigliche Kluft
getrennt. Die Offiziersstellen wurden fast
ausschließlich vom Adel bekleidet, wenn man die
heruntergekommenen, verarmten und dadurch von den
herrschenden Dynasten abhängig gewordenen Junker
überhaupt Adel nennen darf. Er fand in dem Heere
Ansehen, Ehre und Geld und konnte die verlorengegangenen
Herrenrechte an den armen Soldaten im höchsten Maße
ausüben. Natürlich war bei einem solchen Stoffe an
individuelle Bethätigung des einzelnen Soldaten nicht zu
denken."
(aus :Kapp,
Friedrich. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach
Amerika (1874) (pp. 29-30). (Function). Kindle Edition.)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026