Als
▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) zwischen 1802 und
1806 seine •
Komödie
▪ "Der zerbrochne
Krug" verfasst, teilt er die Erfahrung vieler seiner
Zeitgenossen, "dass in den Ordnungen des Staates kein Halt mehr für
den Einzelnen zu finden ist." (Blamberger
2011, S.253 kindle edition) In seinem Drama bringe er dies, so
Blamberger weiter, im Kleinen, am Modell eines holländischen
Dorfgerichts am Ende des 17. Jahrhunderts zur Darstellung.
Erschüttert sei am Ende des Stücks das Vertrauen in eine Obrigkeit,
die nicht Recht, sondern Macht spricht.
Michalzik (2011, S.247) sieht es als eine der herausragenden
Merkmale des Stücks an, dass es dem Autor gelinge, "eine einfache
Lustspielhandlung zu entwickeln, vielfach auf die politischen
Verhältnisse seiner Zeit anzuspielen und allgemeine
Menschheitsfragen zu stellen."
Der "Zerbrochne
Krug" setze sich dabei "aus vielen Schichten zusammen": (ebd.
S.249).
-
die
(niederländische) Komödienhandlung um Adam
-
die
alttestamentarische Schicht mit dem Sündenfallthema
-
die Umkehrung der
antiken Tragödie des "König Ödipus"
-
die auf Kleist
Gegenwart bezogene Schicht mit ihrer Kritik am Gerichtswesens
und anderen damit zusammenhängenden politischen und
gesellschaftlichen Fragen und Problemen
Vor allem weil der
Autor in diesem Stück "Widersprüchliches und Vieldeutiges so perfekt
verschleift, dass es wie aus einem Guss und wie ein bäuerlicher
Schwank wirkt", beruht, so
Michalzik (2011, S.251), mache es letzten Endes so faszinierend.
Es geht "in diesem detailverliebten Stück", so fährt er fort, "um
nichts Geringeres als den ›König Ödipus‹ und die Tragödie an sich,
den Glauben und den Sündenfall, die Rechtsordnung in den
Niederlanden und überhaupt, die politische Legitimation
übergeordneter Institutionen, ob Gericht oder König, die europäische
Geschichte zur Zeit Philipps und zur Zeit Napoleons, das Recht auf
Widerstand, eine gar nicht so unschuldige junge Frau,
einfältig-hellsichtiges Bauernvolk und einen geilen Alten."