teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

 

 

Wissensunterschiede

Dramatische Ironie

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte ● Dramatische TexteÜberblick● Strukturen dramatischer Texte Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische SzeneÜberblick  Modell der dramatischen Kommunikation Plurimedialität des dramatischen Textes Textschichten: Haupt- und Nebentext Dramenhandlung Figurengestaltung RaumgestaltungZeitgestaltung   Dramatische Spannung [ Wissensunterschiede ▪ Überblick Vorausdeutungen Dramatische IronieIntrige und Verstellung ] Perspektiven und Perspektivenstrukturen Dramatische Rede Formtypen des Dramas Dramaturgie und InszenierungFAQ's: Häufig gestellte Fragen Genres/Gattungen Theorie des Dramas Didaktik: Das Drama im Literaturunterricht Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten Links ins Internet Textauswahl Bausteine Lyrische Texte Literarische Zweckformen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch ANALYSE UND INTERPRETATION EINES DRAMATISCHEN TEXTES

Handlungsübergreifende Wissensunterschiede

Wissensunterschiede, die in einem Drama eine Rolle spielen, können ▪ handlungsübergreifend (diachron) oder handlungsintern (synchron) sein.

Handlungsübergreifend sind sie dann, wenn sie das Verständnis des Leser bzw. Publikums bzw. ihren Grad der Informiertheit im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Ereignisse betreffen. (vgl. Asmuth 62004, S. 114)

Meistens handelt es sich dabei um Wissensunterschiede, die dem Rezipienten einen Informationsvorsprung gegenüber den Figuren verschaffen.

Von dieser (besseren) epistemologischen Position aus versteht ein Zuschauer mit den aus unterschiedlicher Informiertheit entstehenden, verschiedenen Wahrnehmungen und Sichtweisen von Figuren umzugehen. Dadurch kann er sie gegeneinander abwägen, beurteilen und nach eigenem Gutdünken zu bewerten.

Handlungsübergreifend in diesem Sinne sind ▪ Vorausdeutungen und die so genannte ▪ dramatische Ironie. (vgl. ebd., S. 114f.)

Der Begriff der dramatischen Ironie

Spricht man im alltagssprachlichen Kontext von Ironie, dann ist damit gewöhnlich eine Form von uneigentlichem Sprechen gemeint, bei dem vereinfacht ausgedrückt, etwas anderes gesagt wird, als "eigentlich" gemeint ist. Insoweit entspricht die Bedeutung der »altgriechischen Herkunft des Wortes (εἰρωνεία eirōneía), das wörtlich etwa Verstellung oder Vortäuschung bezeichnet. Als ▪ rhetorische Sinnfigur, bei der ein Sprecher etwas, das seiner wahren Einstellung oder Überzeugung nicht entspricht, äußert, lässt sie aber für Rezipienten, die aus unterschiedlichen Gründen dazu in der Lage sind, auch ganz oder teilweise durchscheinen lässt, was wirklich gemeint ist. Ironisch kann man sich, mit oder ohne Ironiesignale (Mimik, Gestik, Betonung, Anführungszeichen usw.), die Missverständnissen vorbeugen sollen, von etwas distanzieren oder auch gegen etwas Bestimmtes polemisieren. Wir sprechen aber auch von der "Ironie des Schicksals" oder der "Ironie des Lebens", wenn wir betonen wollen, dass bestimmte Ereignisse eintreten, bei denen das, was man erreichen wollte durch einen oder mehrere Zufälle verhindert worden ist.

Mit der alltagssprachlichen Verwendung des Begriffs hat seine Verwendung im Rahmen der Dramenanalyse nur so viel gemeinsam, dass ihm beide Male eine Uneigentlichkeit beim Sprechen zugrundeliegt, die unter jeweils besonderen Kommunikationsbedingungen ihre Wirkungen entfaltet.

Dabei ist mit dramatischer Ironie auch nicht gemeint, dass die Figuren in ihren Repliken das Mittel der Ironie zu verschiedenen Zwecken einsetzen. Was sie ironisch sagen, ist im Falle eines Dialoges an eine oder mehrere Figuren adressiert und soll von diesen als Ironie durchschaut werden. Solche ironischen Effekte auf der Ebene der Kommunikation zwischen Figuren eines Dramas sind also nicht gemeint, wenn von dramatischer Ironie gesprochen wird. Dramatische Ironie ist also nicht gleichbedeutend mit Ironie im Drama. (vgl. Pfister 1977, S.87)

Dramatische Ironie im engeren Sinne "tritt immer dann auf, wenn die sprachliche Äußerung oder das außersprachliche Verhalten einer Figur für den Rezipienten aufgrund seiner überlegenden Informiertheit eine der Intention der Figur widersprechende Zusatzbedeutung erhält." (ebd., S.88)

Dies lässt sich z.B. in ▪ Tragödien beobachten, wenn "der Zuschauer oft hinter einer scheinbar unverfänglichen, vielleicht sogar heiter gemeinten Äußerung eine aus der Sicht der Figur unfreiwillige, aus der Sicht von Autor und Publikum aber um so gezieltere Anspielung auf die spätere Katastrophe (erkennt)." (Asmuth 62004, S. 123)

So hat z. B. der »König Ödipus (429–425 v. Chr.) in der ▪ antiken griechischen Tragödie von »Sophokles (497/496-406/405 v. Chr.), der im Unterschied zum Publikum bis zum tragischen Ende nicht weiß, dass er, als er dem Mörder seines Vorgängers verflucht und ihm die Verbannung androht, damit sich selber verurteilt.

Auch in diesem Fall zeigt sich die dramatische Ironie "in der Diskrepanz zwischen der von der Figur intendierten Bedeutung und der Deutung durch das Publikum" (Pfister 1977, S.89). So "deutlich und in punktuelle Effekte auflösbar" (ebd., S.90) ist sie allerdings nicht immer, "da sie sich häufig als komplexes System von Relationen zwischen einander wechselseitig relativierenden Situationen, Aktionen und Repliken realisiert." (ebd.)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 13.07.2020

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz