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Figurengedichte in der Barocklyrik (1600 - 1720)

Überblick


FAChbereich Deutsch
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In der Barocklyrik sind Gedichte, die Bilder auf der Schriftebene verwenden, sehr verbreitet. Sie werden als Bilder- oder Figurengedichte bezeichnet. (vgl. Niefanger 2012, S.113)

Es handelt sich dabei um lyrische Texte, die mit ihrer Schrift- und Textgestaltung ihren Inhalt, meisten einen bestimmten Gegenstand abbilden, der sprachlich dargeboten wird. Sie "radikalisieren den sich aus der Formel ergebenden Grundsatz, dass Poesie und Bildkunst von gemeinsamen ästhetischen Prinzipien ausgehen können" (ebd. und verbinden damit die bildende und die sprachliche Kunst miteinander. Im Gegensatz zu anderen, streng regelpoetisch mit metrischen Vorgaben versehenenen lyrischen Formen, wie dem im Barock besonders geschätzten Sonett, verzichten Figurengedichte auf metrische Vorgaben wie bestimmte Verse, Versfüße oder Versmaße.

Vielzitierte Beispiee stellen Figurengedichte dar, die eine Sanduhr gestalten. Dazu zählen u. a. die entsprechenden Figurengedichte von ▪ Theodor Kornfeld (1636-1698)  und von ▪ Johann Helwig (1609-1674) dar. Die Sanduhr ist gattungsübergreifendes und weitverbreitetes Motiv in der Bildsprache des Barock in Wort und Bildern, da es die Erfahrung der verrinnenden Zeit veranschaulicht und damit auf eines der Lebensgefühle verweist, die wohl viele Menschen in dieser Zeit mit allen ihren existentiellen Bedrohungen (Krieg, Seuchen, Krankheit) erlebt haben.

Im Grunde thematisiert es mit dem darin gestalteten ▪ Vanitas-Motiv die Vergänglichkeit und die Nichtigkeit aller Dinge des menschlichen Daseins, wie dies auch in den bekannten ▪ Sonetten von ▪ Andreas Gryphius (1616-1664) wie z. B. ▪ Es ist alles eitel, Einsamkeit, oder ▪ Ebenbild unseres Lebens zum Ausdruck gebracht wird. "Unweigerlich führt das Leben zum Tod, der graphisch im Zentrum des Zeitglases steht." (Niefanger 2012, S.114) So kann man, wie Niefanger meint, die Lehre des Gedichts auf der einen Seite im carpe diem, der Aufforderung also jeden Tag des Lebens (sinnvoll) zu nutzen, und auf der anderen Seite, sich klug und wachsam zu verhalten, denn dem, so die Botschaft, "der den Tag sinnvoll nutzt, verlängert sich sein Leben." (ebd.)


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In der modernen Lyrik wird im Rahmen der sogenannten »Konkreten Poesie, die ihren Namen zu Beginn der 1950er Jahre erhalten hat,  die Art und Weise, mit Sprache und ihrer visuellen Gestaltung spielerisch umzugehen, wieder aufgegriffen. Als eine "nichmimetische Sprachkunstform, die von den materialen Eigenschaften der Sprache ausgeht, d. h. von der verbalen, vokalen und visuellen Materialität des Wortes" (Dencker 2006, S.205) experimentiert sie auf ihre eigene Art und Weise mit der Sprache. Dazu gehören vor allem akustische und visuelle Formen. Akustische Formen ordnen die von ihr verwendeten sprachlichen Bausteine eines Texts nach klanglichen Prinzipien. Visuelle Formen experimentieren bei ihrer Lösung der sprachlichen Elemente von ihrem Sinn mit dem äußeren Erscheinungsbild eines Textes als Textgrafik, die zur Aussagegestaltung verwendet wird.

Zu den visuellen Formen zählen z. B. das »Ideogramm und die Konstellation (»Eugen Gomringer, geb. 1925), das Dialektgedicht (Wiener Gruppe), das »Palindrom (z. B. »André Thomkins, 1930-1985), »Piktogramme (z. B. »Claus Bremer, 1924-1996), Raumgedichte (z. B. »Pierre Garnier, 1928-2014). Dabei dient die Sprache allerdings nicht mehr dazu, einen Sachverhalt zu beschreiben, einen bestimmten Gedanken oder eine Stimmung auszudrücken, sondern steht selbst im Mittelpunkt des Gedichts. In gewisser Weise stellt sich die Sprache in einer besonders artifiziell mit ihren einzelnen Wortbestandteilen und der sprachbildlichen Erscheinung dadurch selbst dar. Die Sprache verweist also nicht auf Welt. Es gibt also kein "Gedicht über“, sondern nur noch eine Realität des sprachlichen Produkts an sich."( Seite "Konkrete Poesie". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. April 2021, 11:31 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Konkrete_Poesie&oldid=210776767  (Abgerufen: 12. Juni 2021, 17:42 UTC)

Stärker als lässt sich die moderne visuelle Poesie, "die auch als eine Art Fortentwicklung" (ebd.) der Konkreten Poesie angesehen werden kann, in eine  lange Tradition eines freien Umgangs mit dem Wort stellen, Solche Visualisierungen von Texten gibt es schon seit der griechischen und römischen Antike und in der karolingischen Renaissance, ehe sie in den barocken Bilder- und Figurengedichte erscheinen. Und heute gibt es eine Vielzahl von freien Textbildern. Unterscheidet man die spätere Visuelle Poesie von der Konkreten Poesie, dann geht es bei der ersteren um "die wechselseitige Beziehung von bildender Kunst, von Bild und Text, von figurativen und semantischen Elementen, die Verbindung beider Kunstformen im intermedialen Raum, die sensible Reaktion auf Mitteilungen der Umwelt jedweder Form, das Sammelbecken für wichtige Erkenntnisse aus Collage, Concept-Art, Konkreter Kunst, verschiedener Varianten von Realismusvorstellungen, Spurensicherungen und allen denkbaren Spielarten logischer Sprachführung." (ebd., S.206)

Die Visuelle Poesie steht dabei auch in einer dynamischen Beziehung zur Entwicklung der modernen Medienlandschaft, von deren audiovisuellen und multimedialen Möglichkeiten sie zahlreiche Impulse empfangen hat und weiter empfängt. Von den neuen medialen Möglichkeiten haben die maßgeblichen Vertreter der Konkreten Poesie wie z. B. »Eugen Gomringer, »Heinz Gappmayr (1925-2010), »Ernst Jandl (1925-2000) oder »Helmut Heißenbüttel (1921-1996) allerdings keinen Gebrauch gemacht oder haben sich literarisch anders orientiert.  (vgl. ebd., S.206)


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Ein Beispiel für das Spiel mit der Sprache als visuelle Poesie kann ▪ ichduwirduich von ▪ Jens Ludwig dienen, das die zunehmende Individualisierung und Singularisierung des Einzelnen in der Gesellschaft thematisiert. Eine einfache ▪ ichduwirduich - Multimediaversion zeigt, wie heutzutage nahezu jeder die Möglichkeiten zur Gestaltung visueller Poesie nutzen kann.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.07.2021

 
 

 
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