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Geschichte des Aufsatzunterrichts

Ganzheitlichkeit und Handlungsorientierung

Die subjektive Wende in den 1980er Jahren

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Schreibformen   Schreibformen in der Schule Überblick Didaktische und methodische Aspekte schulischer Schreibformen [Geschichte des Aufsatzunterrichts
Überblick Rhetorische Vorgeschichte von der Antike bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts Die "Verschulung" des Schreibens ab dem 18, Jahrhundert Das reformpädagogische Konzept des freien Aufsatzes (Beginn des 20. Jh.) Das Konzept des sprachgestaltenden Aufsatzes (Marthaler 1962) Die kommunikative Wende in den 1970er Jahren Ganzheitlichkeit und Handlungsorientierung (subjektive Wende in den 1980er Jahren) Reflexives, expressives und kommunikatives Schreiben in der Schule (Fritzsche 1994) ▪ Kompetenzorientierte Konzepte des Schreibens ] Beurteilung schulischer Textproduktionen und Schreibprozesse Erörterndes Schreiben Offizieller Brief Erzählen Bericht BeschreibungTexte zusammenfassen. Textwiedergabe/Zusammenfassungen Textanalyse ●  Analyse von Schaubildern (Infografik-Analyse) Textinterpretation ●  Essay Kreatives Schreiben Sonstige schulische SchreibformenBeurteilung schulischer Schreibprodukte und Schreibprozesse Journalistische Schreibformen Sonstige Schreibformen Schreiben im / für das Internet Operatoren im Fach Deutsch
 

Ganzheitlich und vor allem handlungsorientiert schreiben

Die ▪ Kritik an Konzepten zur Aufsatzdidaktik im Gefolge der kommunikativen Wende in den 1970er Jahren legte den Finger auf ein unlösbare Dilemma, in dem sich die emanzipatorisch-kommunikative Aufsatzdidaktik verfing.

Daher wurden die schreibenden Schülerinnen und Schüler Anfang der 1980er Jahre z. T. unter Rückgriff auf ▪ reformpädagogische Konzepte wieder stärker ins Zentrum schreibdidaktischer Überlegungen gerückt.

Diese "subjektive Wende“ ging einher mit Begriffen und Konzepten, die  aus einem entsprechenden gesellschaftlichen Diskurs der achtziger Jahre bezogen wurden.

Sie gaben, bei allem ▪ stets vorhandenen Nebeneinander verschiedener schreibdidaktischer Konzepte, zumindest für eine Weile den Takt in der nun einsetzenden Diskussion vor: Ganzheitlich und vor allem handlungsorientiert sollte das Schreiben in der Schule fortan angelegt sein.

Mit Lehr-Lernkonzepten wie dem entdeckenden Lernen, Freiarbeit, offenem Unterricht und Projektunterricht fanden daher Mikro- und Makromethoden Eingang in den Unterricht, die dem einzelnen schreibenden Subjekt im Rahmen von Differenzierungsprozessen einen höheren Stellenwert beimaßen. Auf diese Weise kam das ▪ aus der Reformpädagogik stammende freie Schreiben, vor allem in der Grundschule, wieder zu neuen Ehren, für das subjektive Sichtweisen und der Ausdruck von Gefühlen kennzeichnend sind (vgl. Fix 2006/2008, S.114)

Müßig, zumindest aber redundant, noch einmal zu betonen: Die dargestellten schreibdidaktischen Konzepte lösten sich indessen keineswegs gegenseitig ab, sondern "bestehen in der Unterrichtspraxis bis heute fort." (Fix 2006/2008, S.115).

Im Zusammenhang mit der Formulierung von Bildungsstandards, die mehr oder weniger exakt beschreiben, was Schülerinnen und Schüler zu lernen haben, gibt es, worauf Fix (ebd.) hinweist, eine Tendenz zur Aufwertung traditioneller Schreibformen in der Schule, da deren Merkmale normativ vorgegeben werden können und damit auch bei der Leistungsevaluation leichter zu handhaben sind als Formen des personal-kreativen Schreibens.

Dabei ist interessant, dass die Verwendung des noch von Fix (ebd., S. 14) aus guten Gründen vermiedenen Begriffs "Aufsatzunterricht" in neueren Veröffentlichungen als Teil einer allgemeinen "Rückbesinnung" auf "die Leistungen des klassischen Aufsatzunterrichts"  (ISB (Hg.) (2010), Neues Schreiben, Bd.1, S.14) angesehen wird.

Die vermeintliche Rückbesinnung auf den "guten, alten" Aufsatzunterricht, das sei an dieser Stelle kritisch angemerkt, kann  allerdings nicht allein als eine schreibdidaktisch begründete Gegenbewegung gegen andersgeartete "Auswüchse" verstanden werden.

Denn damit verabschiedete sich die Schreibdidaktik von der eingangs zumindest eingeforderten Rückbindung ihrer Konzepte an gesellschaftliche Entwicklungen im nationalen wie globalen Maßstab.

Stattdessen tauchen unter dem Mantel von ▪ Kompetenzorientierung wieder Formulierungen auf, die in dieser Form seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon obsolet erschienen. ("Dass junge Menschen in der modernen Leistungsgesellschaft auf schriftliche Examina vorbereitet werden müssen", ISB (Hg.) (2010), Neues Schreiben, Bd.1, S.14)

So muss schließlich sogar die Unterstellung herhalten, die Lehrkräfte wollten einfach mit der herkömmlichen Aufsatzlehre weitermachen, um den politisch gewollten, restaurativen Tendenzen in der Didaktik zur nötigen Akzeptanz zu verhelfen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.11.2020

       
 

 
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