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Geschichte des Aufsatzunterrichts

Das Konzept des freien Aufsatzes Ausdruck von Individualität

Die Reformpädagogik und die Kritik am gebundenen Aufsatz

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Schreibformen   Schreibformen in der Schule Überblick  ● Didaktische und methodische Aspekte schulischer Schreibformen [Geschichte des Aufsatzunterrichts
Überblick Rhetorische Vorgeschichte von der Antike bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts   Die "Verschulung" des Schreibens ab dem 18, Jahrhundert Das reformpädagogische Konzept des freien Aufsatzes (Beginn des 20. Jh.) Das Konzept des sprachgestaltenden Aufsatzes (Marthaler 1962) Die kommunikative Wende in den 1970er JahrenGanzheitlichkeit und Handlungsorientierung (subjektive Wende in den 1980er Jahren) Reflexives, expressives und kommunikatives Schreiben in der Schule (Fritzsche 1994) ▪ Kompetenzorientierte Konzepte des Schreibens ] Beurteilung schulischer Textproduktionen und Schreibprozesse Erörterndes Schreiben Offizieller Brief ErzählenBerichtBeschreibungTexte zusammenfassen. Textwiedergabe/ZusammenfassungenTextanalyse ●  Analyse von Schaubildern (Infografik-Analyse)Textinterpretation ●  EssayKreatives SchreibenSonstige schulische SchreibformenBeurteilung schulischer Schreibprodukte und Schreibprozesse Journalistische Schreibformen Sonstige Schreibformen Schreiben im / für das Internet Operatoren im Fach Deutsch
 

▪ Themabereich Lesen
Lesen im Mittelalter

Lesen in der frühen Neuzeit (16./17. Jh.)
Lesen im 18. Jahrhundert

Das Schreiben als Ausdruck von Individualität

Von der »Reformpädagogik wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgegriffen, was der Leipziger Germanist und Pädagoge »Rudolf Hildebrand (1824-1894) schon 1867 gegen die vorherrschende Aufsatzdidaktik einwandte.

Seinem Verständnis nach folgte sie einem Menschenbild, genauer einem Bild des Kindes bzw. Jugendlichen, das beide als unmündig betrachtete und somit den Erziehungszielen der Erwachsenen unterwarf.

So erschien es ihm auch zwangsläufig, dass der herkömmliche Aufsatzunterricht, der Schreiben ohne unterrichtliche Vorbereitung nicht vorsah, zu einer Art "Gedächtnisprobe" vorkommen sei. Denn, so sein Argument, die unterrichtliche Aneignung der jeweiligen Gegenstände bleibe so eine bloß äußerliche und verleite den Schüler "Dinge hinzustellen, die noch nicht Wurzel gefasst haben in seinem Ich“ (Hildebrand 1867, zit. n. Fritzsche 1994, S.265). Solange es nicht zuvor gelinge "den eigenen Inhalt der Schülerseele herauszulocken und daran die Form zu bilden“ (ebd.) gleiche das Vorgehen einem "Sprachunterricht dem man Papageien gibt". (ebd.)

Die Reformpädagogik hielt nichts von der bloßen Reproduktion literarischer Werke und stellte das Postulat, wonach alle (Seelen-)Kräfte eines Kindes zur Entfaltung gebracht werden müssten, auch an die erste Stelle ihrer Aufsatzdidaktik.

Was sie von Kindern erwartete, waren keine kleinen Kunstwerke, sondern Texte, die authentische Erfahrungen und Empfindungen ausdrückten und mitteilten, was Otto Ludwig (1988, S.315) veranlasste, in diesem Zusammenhang von "Persönlichkeitspädagogik" zu sprechen. (vgl.  Fritzsche 1994, S.266)

In jedem Fall galt "der ‘freie“ Aufsatz‘ als Ausdruck von Individualität“ (ebd.) Der freie Aufsatz jedenfalls sprengte die engen normativen Fesseln des so genannten gebundenen Aufsatzes, zu dem, wenn man dieser Systematik der Orientierung halber einmal folgt, mehr oder weniger alle auf Reproduktion ausgerichteten Aufsatzformen bis dahin gezählt werden können.

Dabei waren es vor allem »reformpädagogische Argumente in der Tradition von »Comenius (1592-1670), »Rousseau (1712-1778), »Pestalozzi (1746-1827) u. a., die das Konzept des gebundenen Aufsatzes erschütterten. Dahinter standen Vorstellungen, die über den Wechsel der Perspektive hin zum schreibenden Kind einen Paradigmenwechsel in der Aufsatzlehre nach sich zogen.

Fortan sollte der kindliche und jugendliche Schreiber nicht mehr in das Korsett vorgegebener Textmuster und Wahrnehmungsschemata eingepasst werden, sondern sich beim Schreiben seiner selbst gewahr werden und selbst ausdrücken. Wie ein Künstler solle das Kind seine ureigene schöpferische Kraft selbst erfahren und "ohne die Grenze thematischer und stilistischer Gebundenheit, sein eigenes Erleben und seine Fantasie frei entfalten." (Fix 2006/2008., S.113)

Was die Reformpädagogen Anfang des 20. Jahrhunderts einforderten, mündete im Konzept des freien Aufsatzes, musste aber trotz seiner großen Popularität schon bald unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur (1993-1945) wieder altbekannten Vorstellungen in neuem ideologischen Gewand weichen.

Trotzdem oder auch gerade deshalb: am Konzept des freien Aufsatzes mussten sich alle aufsatzdidaktischen Konzepte von der Weimarer Republik, über den Nationalsozialismus bis hin zur Bundesrepublik Deutschland in den 1970er Jahren abarbeiten, um sich selbst dagegen positionieren zu können.

Neben dem Konzept des freien Aufsatzes, das die normativen Begrenzungen des gebundenen Aufsatzes überwand, spielte das ▪ Konzept des sprachgestaltenden Aufsatzes eine wichtige, zum Teil bis in unsere Zeit deutlich hineinreichende Rolle.

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 12.11.2020

     
 

 
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