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Mitschreiben
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Unterrichts-/Seminarprotokoll
Als schulische Schreibaufgabe geht es beim
• Protokollieren vor allem um das
Verfassen eines •
Unterrichtsprotokolls.
Damit verbunden können die verschiedenen Formen sein, mit denen
sich die • Gruppenarbeit mit
ihren verschiedenen Prozessen protokollieren lässt.
Es gibt Auffassung,
dass
Unterrichtsprotokolle grundsätzlich eine Mischform aus •
Verlaufs- und •
Ergebnisprotokoll darstellen sollten. (vgl.
Moll 2003,
Gross 2012)
So betont
Moll (2003, S.74), das Unterrichtsprotokoll sei "kürzer,
stärker verdichtet und stärker strukturiert als ein
Verlaufsprotokoll". Zugleich komme es aber darauf an, dass der
"'rote Faden', d. h. der Argumentationsverlauf und der Weg des
Erkenntnisgewinns für die LeserInnen nachvollziehbar bleiben"
müsse. Außerdem müssten Zusammenhänge explizit gemacht werden,
weshalb das Unterrichtsprotokoll auch ausführlicher ausfalle als
ein Ergebnisprotokoll.
Es spricht
einiges dafür, in einem •
kompetenzorientierten Deutschunterricht die Aufmerksamkeit
des Protokollanten bzw. der Protokollantin und der möglichen
Leserinnen und Leser nicht nur auf das in einer
Unterrichtsstunde thematisierte
deklarative Fachwissen zu fokussieren, sondern in der Tat
auch "die bewusste Wahrnehmung von Lernwegen und Lernsituationen
(Wissen wie und wozu)" (Gross
2012, S.139) zu fördern, indem auch diese zu Gegenständen
des Protokolls gemacht werden.
Da auf diese
Weise die "Erkenntniswege" (Bitterlich/Bünting/Pospiech
1998/2000, S.31) wesentlicher Protokollinhalt werden, wird
die Ausrichtung des Protokollschreibens über die ansonsten
dominierende •
konservierende Funktion (Schreiben zur Gedächtnisentlastung)
hin zu selbstreflexiven und heuristischen Funktionen vollzogen.
(•
Schreibfunktionen)
Voraussetzung
dafür ist aber auch eine ausgeprägte Methodenkompetenz auf
Seiten der Protokollanten, wenn das Protokoll zu einem, sagen
wir etwas verkürzt, zu einem
Lernwegsprotokoll werden soll.
Und was das für
die Planung und Organisation des Unterrichts bedeutet, stellt
auch an die Lehrperson hohe Anforderungen: Der
Unterrichtsverlauf muss sehr transparent angelegt sein, wodurch
das Protokoll eine geradezu "erzieherische Wirkung" (Gross
2012, S.149) auf Lehrpersonen entfalten kann, sich um eine
gute und nachvollziehbare Strukturierung ihres Unterrichts zu
bemühen.
Unterrichtsprotokolle, wie sie
Gross
(2012), zumindest für die Sekundarstufe II vorschlägt,
sollen im Schreiben eines "schlüssigen Textes unter Beachtung
des argumentativen Diskurs(es), von
Kohärenz und
Kohäsion" (ebd.,
S.140) münden.
Die dabei
geforderten
Darstellungskompetenzen zeigen sich auf unterschiedlichen
Niveaus, die vor allem auf der
unterschiedlichen •
Strukturierungskompetenz beruht, mit der ein
Protokollant/eine Protokollantin u. U. auch unter bewusster
Abweichung vom chronologischen Prinzip ein diskursiv angelegtes
Unterrichtsgeschehen strukturiert.(•
Schreibkompetenz)
Gross
(2012, S.142-148) hat dazu drei Beispiele analysiert.
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Im ersten
Beispiel, das von einem schwächeren Schüler stamme, sei das
Protokoll chronologisch nach dem Muster eines Berichts
strukturiert, wenn es nach Angabe von Basisinformationen
über die Behandlung von "Effi Briest" im Unterricht
ausführt: "In dieser Stunde wurden zunächst die in
Gruppen erstellten Plakate, auf denen Hohen-Cremmen mit
Hilfe der im Roman gegebenen Beschreibungen verbildlicht
werden sollten, vorgestellt. Die Plakate wiesen deutliche
Gemeinsamkeiten auf. (...) Im Anschluss haben wir die
signifikanten Gegenstände und Plätze genannt und nach ihrer
Bedeutung gefragt. (...) Abschließend haben wir noch
(...)" (ebd.
S.142)
-
Das zweite
Beispiel verzichte auf die explizite Beschreibung des
chronologischen Ablaufs, könne aber durch seinen Fokus auf
den Argumentationsverlauf und den Weg des Erkenntnisgewinns
eine Strukturierung vornehmen. wenn z.B. Fontanes "Irrungen
und Wirrungen" ausgeführt werde: "Wir besprachen die
Hausaufgaben: Tagebucheintrag Bothos (im Anschluss an die
Kapitel 5,6 und 9). Tobias las seinen Tagebucheintrag vor,
der dann von dem Kurs inhaltlich überprüft wurde. Richtig
ist, dass Botho Lenes Natürlichkeit, ihre Treue und
Zuverlässigkeit schätzt (S.38. Z. 9). Nicht belegen
konnten wir die Vermutung, dass Botho jetzt schon wissen,
dass seine Beziehung zu Lene bald zu Ende sein werde. Wir
hielten dagegen fest (...) Fazit unserer Untersuchungen
zu "Lene und Botho im Glück": (...)"
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Im dritten
Beispiel, aber auch noch Mängel in der Argumentation
aufweise, bewege sich der Schreiber deutlich auf die
Anforderungen der schriftlichen schulischen
Leistungsanforderungen in der Sekundarstufe II zu. Dies sei
zunächst einmal daran zu erkennen, dass der Verfasser "auf
die explizite Nennung des chronologischen Verlaufs und der
unterrichtlichen Handlungsschritte" verzichte und
stattdessen die Ergebnisse der Erarbeitung darstelle und
diese inhaltlich gliedere (In diesem Fall wieder bezogen auf
Fontanes Irrungen und Wirrungen z. B. Lage des Gasthauses
und ihre Bedeutung, Bedeutung der Giebelstube und ihrer
Ausstattung, Name des Gasthauses u. ä. m.). Im Protokoll
steht z. B.: "'Hankels Ablage' erscheint dem Leser
zunächst als einsamer Ort, abgeschieden vom
gesellschaftlichen Leben Berlins. Man gelangt von der
nächstgelegenen Zugstation am Waldrand in 10 Minuten Fußweg
bis zu dem Gasthaus. Das Gasthaus liegt abseits, direkt am
Wasser. Es hat eine idyllische Veranda (...) ABER: Die
Lage an der Spree bringt es mit sich, dass die Spreedampfer
aus Berlin 240 Gäste auf einmal 'ausspucken'. Die Spree
geht durch Berlin, mit den Spreedampfern gelangt also die
Berliner Gesellschaft an 'Hankels Ablage' und der
vermeintlich einsame Ort wird so zum öffentlichen Ort. Damit
ist der Konflikt zwischen Botho und Lene vorprogrammiert.
Botho und Lene bewohnen ein Giebelstübchen des Gasthauses.
(...) FAZIT: (....) Weiterführung: Überprüfung der
These von Bothos Verrat an Lene (...)"
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Mitschreiben
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Unterrichts-/Seminarprotokoll
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
30.12.2023
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