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Bausteine: Franz Kafka, Kleine Fabel

Katz' und Maus - ein populäres Motiv

 
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Literarische Motive können allerlei: Sie strukturieren einen Text und beeinflussen, wie er rezipiert wird
Literarische Motive sind so etwas wie ganz allgemeine Vorstellungen über bestimmte Situationen oder Sachverhalte, die sich über unterschiedliche Dichtungen hinweg immer wieder zeigen. So kann z. B. das Insel-Motiv, die Vorstellung also, dass jemand oder eine Gruppe von Menschen isoliert von anderen auf einer Insel leben, in allen möglichen literarischen Texten gestaltet sein. Und trotzdem beruht es auf einer in allen konkreten Gestaltungen gemeinsamen Grundidee darüber, was es ausmacht. Die Zahl literarischer Motive ist dabei fast unüberschaubar und Gegenstand einer eigenen wissenschaftlichen Teildisziplin.

Bei der schulischen Textinterpretation können ▪ literarische Motive eine wichtige Rolle spielen, auch wenn sie kaum auf einer text- oder gattungsübergreifenden vergleichenden Analyse beruhen dürften. Dafür müsste man verschiedene Gestaltungen des Motivs im Werk eines Autors bzw. einer Autorin, in den unterschiedlichen Literaturgattungen und zu verschiedenen Zeiten heranziehen.

So führt die Berücksichtigung literarischer Motive im schulischen Literaturunterricht häufig ein Schattendasein. Mit dem teachSam-Arbeitsbereich zum sogenannten ▪ Robinsonmotiv haben wir ein Beispiel die unterrichtliche Beschäftigung mit einem in der Literatur und den Medien immer wieder gestalteten Motiv zusammengestellt. Wen's interessiert ...

Was leisten Motive?

Motive werden von einem Autor bzw. einer Autorin eines literarischen Textes in der Regel sehr bewusst in einen Text "eingebaut". Werden sie vom Leser bei der Rezeption wahrgenommen, können sie bei jedem einzelnen Leser - bewusst oder unbewusst - Assoziationen aufrufen, die mit diesen Motiven verbunden werden. Oft sind dies auch Vorstellungen, die in der Gesellschaft in einer bestimmten Zeit über ein bestimmtes Phänomen weit verbreitet sind. In diesem Fall spricht man von Konnotationen.

In einer Erzählung können Motive darüber hinaus verschiedene Funktionen haben. Sie können

  • die Erzählung strukturieren, indem sie mehrmals oder immer wieder auftauchen und damit das, was da jeweils erzählt wird, miteinander in Beziehung setzen (tun sie das systematisch, spricht man von einem Leitmotiv)

  • ein Geschehen einfach nur veranschaulichen und damit gewissermaßen illustrieren

  • Spannung erzeugen

  • eine allgemeine und abstrahierte Richtung vorgeben, wie der Text nach Ansicht des Autors bzw. der Autorin verstanden und interpretiert werden kann (Steuerung und Lenkung der Rezeption)

Dass die Begriffe Thema, Stoff und Motiv häufig nicht einfach voneinander abgegrenzt werden können, sollte man im Umgang mit dem Begriff zumindest wissen.

Wer Mäuse im Kopf hat, dem muss man eine Katze hineinsetzen (Redensart)

Treffen Katze und Maus aufeinander, entsteht geradezu zwangsläufig eine Situation, welche die Maus von Anfang zum wahrscheinlichen Opfer der Katze werden lässt.

In den einfachen Formen von Redensarten und Sprichwörtern ist die Konfrontation von Katzen und Mäusen gestaltet.

  • So spielt man wie die Katze mit der Maus, wenn man ein Spielt treibt, dessen Ende feststeht.

  • Es geht einem wie der Katz mit der Maus, wenn wir mit einem langweiligen Menschen nichts zu tun haben wollen (d. h. eine Maus, die sich nicht bewegt, fällt der Katze weniger auf).

  • Da greifen zehn Katzen nicht eine Maus, kann man sagen, unter Anspielung auf eine Situation, die der fliehenden Maus viele Schlupflöcher bietet.

  • "Mach schnell!", meint man, wenn man sagt: "Setz' die Katzen an und ja' die Mäus' raus!"

  • Jemandem, der anderen Ratschläge erteilen will, obwohl er selbst bei kleineren Aufgaben versagt, hält man vor: "Du willst andern Katzen fangen, kannst dir selbst aber keine Maus fangen."

Auch in den nachfolgenden sprichwörtlichen Redensarten geht es um das Aufeinandertreffen von Katzen und Mäusen:

  • Der Katzen Scherz ist der Mäuse Tod.

  • Hunger lehrt die Katze mausen.

  • Die Katze spielt mit den Mäusen, wenn sie satt ist.

  • Die Katze fängt die Mäuse nicht mit Handschuhen.

  • Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

  • Wer Mäuse im Kopf hat, dem muss man eine Katze hineinsetzen.

Motiv der Begegnung von Katze und Maus in der Literatur

Das Motiv der Begegnung der beiden Tiere durchzieht die Literatur auf vielfältige Art und Weise. Hier nur zwei Beispiele:

»Wilhelm Busch (1832-1908) hat eine volkstümliche und »humoristische Bildergeschichte mit dem Titel "»Katze und Maus" verfasst und gestaltet und dem Thema einen unterhaltsamen und lehrreichen Ausdruck gegeben, bei dem die Katze schließlich wegen listig-possierlicher Mäuse die leidtragende wird. Am Ende tanzen die Mäuse.

In der 1961 erschienenen Novelle »Katz und Maus« von »Günter Grass (1927-2015) erzählt der Ich-Erzähler Pilenz einmal davon, wie er es schafft, dass eine Katze mit dem Adamsapfel (= Maus) seines Schulkameraden Mahlke spielt, der sich am Rande eines Sportplatzes zum Schlafen hingelegt hat. Im Laufe der Handlung wird aber Pilenz nach Mahlkes Verschwinden selbst zum Spielball seiner Schuldgefühle. Die Rollen von Katze und Maus verkehren sich so in ihr Gegenteil.

Katze und Maus in der Fabel

In der Fabel zeigen Maus und Katze bestimmte Eigenschaften und agieren aus einer bestimmten strategischen Position.

Dies lässt sich an verschiedenen Fabeln aufzeigen, z. B. in Fabeln von »Äsop (um ca. 600 v. Chr.)

oder auch anderen Fabeln wie die folgenden:

"In einem Haus gab es viele Mäuse. Ein Kater erfuhr davon und kam dorthin, fing eine nach der anderen und fraß sie auf. Als die Mäuse aber zunehmend weniger wurden, zogen sie sich in ihre Löcher zurück, und weil der Kater nicht mehr an sie herankommen konnte, erkannte er, dass er sie nur mit einer List herauslocken könne. Deshalb kletterte er auf eine Holzstange, ließ sich von dort herunterhängen und tat so, als ob er tot sei. Eine der Mäuse wagte sich hervor, und als sie den Kater sah, sagte sie: »Mein Lieber, auch wenn du jetzt ein leerer Sack geworden bist, werde ich nicht zu dir heraus kommen.«

Jemandem, der traditionelle Fabeln kennt, ist also die Ausgangssituation der » Kleinen Fabel« von Franz Kafka vertraut. Katze und Maus treffen aufeinander.

Nicht nur Motive finden, sondern sie auch im Funktionszusammenhang beschreiben

Das Identifizieren von literarischen Motiven in einem literarischen Text ist kein Selbstzweck. Wer sich mit ihnen im Rahmen der schulischen Textinterpretation befasst, sollte sie in ihrer Funktion für das Textganze beschreiben können. Die schulische Motivanalyse ist also stets der Textinterpretation untergeordnet, zu der sie allerdings wichtige Beiträge leisten kann.

Wer also Motive in seiner Textinterpretation verwenden will, sollte stets danach fragen, welche Funktion(en) (s. o.) sie für das Textganze haben und sie unter Berücksichtigung dieses Aspekts beschreiben.

Natürlich sind die sprachlichen Mittel, die in einem Text zu finden sind, nicht gleichermaßen für die Gestaltung der Aussage von Bedeutung. Daher konzentriert man sich also am besten auf die sprachlichen, stilistischen und rhetorischen Mittel, deren Funktion einem klar ist und begnügt sich bei anderen mit knappen Randbemerkungen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 08.12.2019

   
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Was bedeuten die oben dargestellten Sprichwörter und Redensarten?
  2. Haben Sie schon einmal gesehen, wie eine Katze mit einer Maus gespielt hat? - Berichten Sie von Ihrem Erlebnis und den Gefühlen, die Sie dabei hatten.
  3. Welche Charaktereigenschaften werden der Katze und der Maus in der traditionellen Fabel zugeschrieben? - Untersuchen Sie dazu die beiden oben genannten Beispiele. Beziehen Sie auch die Abbildungen in Ihre Überlegungen mit ein.
  4. Welche Bedeutung haben Motive für literarische Texte im Allgemeinen und in Kafkas Text?
 
   
 

 
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