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Die Entstehung des Kalten Krieges 1945 -1948/49

Deutschland im Kalten Krieg

Überblick


Deutschland war zwischen 1947 und 1989 einer der wichtigsten internationalen Brennpunkte im »Kalten Krieg.  Auf deutschem Boden - in West und Ost -  zeigte sich die "kalte" Konfrontation der Militärbündnisse in besonderer Weise. Nicht zuletzt hier entschied sich in verschiedenen Deutschland- bzw. Berlin-Krisen der Nachkriegszeit, ob die beiden großen Supermächte USA und Sowjetunion, trotz ihres unüberwindbar scheinenden ideologischen und machtpolitischen Gegensatzes, eine globale militärische Auseinandersetzung vermeiden konnten, welche die ganze Welt in den Abgrund führen konnte.
Auch wenn die politische Welt vom Kalten Krieg gekennzeichnet war, konnte sich Deutschland, und das gilt in letzter Konsequenz für beide deutsche Staaten, weiter entwickeln. Während sich die Waffenarsenale auf beiden Seiten in einem Rüstungswettlauf ohnegleichen vergrößerten, die Bedrohungslage, in Panzern, Divisionen, Atomsprengköpfen ausgedrückt, Ängste vor einem sicheren Overkill im Kriegsfall anhaltend schürte, erfuhren Deutschland und Europa in der gleichen Zeit eine Entwicklung von Wohlstand, wie er bis dahin nicht zu finden gewesen war. Im Westen vollzog sich eine Demokratisierung des gesellschaftlichen und politischen Lebens, entwickelte sich auf den Grundlagen des mehr und mehr verbürgten Wohlfahrtsstaates eine Zivilgesellschaft, welche den westlichen Demokratien eine vergleichsweise hohe Stabilität im Innern gaben. Aber auch im Osten konnten sich im Kalten Krieg Modernisierungsprozesse durchsetzen, die das Leben der Menschen verbesserten (Industrialisierung, Alphabetisierung, soziale Sicherungssysteme), auch wenn sie unter den diktatorischen sozialistischen Regimen von oben verordnet und bürokratisch vollzogen worden sind. (vgl. Kaelble 2011) Indessen dauerte es einige Zeit bis die politische, ökonomische und gesellschaftliche Krise, welche die europäischen Staaten in Ost und West in der Nachkriegszeit durchmachten, überwunden werden konnte. Deutschland wie auch Europa als Ganzes waren dabei geprägt von einer Ambivalenz von Krise und Aufbruch, "von Krise und neuen, sich als dauerhaft erweisenden Weichensteillungen". (ebd., S.45)

Das Schaubild soll die Grundlinien und Grundstrukturen der Entwicklung auf deutschem Boden vom Bruch der Anti-Hitler-Koalition nach dem Zweiten Weltkrieg ausgehend bis zu den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in einem kurzen Gesamtüberblick darstellen und zugleich den Blick auf die Konsequenzen dieser Entwicklung bis in unsere Tage öffnen (Ost-Erweiterung der NATO, Ende einer bipolaren Welt der großen Blöcke in West und Ost). Auch wenn das obige Schaubild den Akzent auf die militärische Blockbildung und die daraus erwachsende Gefahr einer militärischen Konfrontation legt, ist der Kalte Krieg mehr als das. Über die militärische Konfrontation ist er natürlich auch "ein Konflikt, in dem es ebenso um Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur ging." (Kaelble 2011, S.25)

Ob die "Teilung der Welt in einander absolut feindlich gegenüberstehende Machtblöcke [...], die sich wechselseitig bedroht fühlten" (Loth 1990, S.116f.), zwangsläufig kommen musste, ist auch in der historischen Forschung umstritten. Lange Zeit bestimmte, wie es Eric Hobsbawm (1995, S.298) formulierte, "eine Art ideologisches Tennismatch" die Debatte darüber, ob die Sowjetunion oder die USA die Hauptverantwortung für die Entwicklung zum Kalten Krieg zu tragen hätten. Lange Zeit standen sich daher auch in der Forschung zwei Richtungen gegenüber: Die so genannte traditionelle Auffassung machte vor allem in der westlichen Literatur den sowjetischen Expansionismus, die revisionistische Auffassung den auf dem politischen und ökonomischen System des Kapitalismus in den USA beruhenden ökonomischen Imperialismus der Vereinigten Staaten verantwortlich. (vgl. Loth (1980, S.9-18)
So betont z. B. Loth (1990, S.116f.), dass die USA zunächst keineswegs beabsichtigt hatten, "sich in Europa auch politisch dauerhaft zu engagieren". Und ebenso sei die Sowjetunion trotz ihres Festhaltens an einem revolutionären Selbstverständnis bei ihrer Interessensicherung in Osteuropa durchaus pragmatisch und flexibel gewesen. Jedenfalls, so Loth weiter, "(war) an eine Ausweitung des sowjetischen Einflussbereiches über den Machtbereich der Roten Armee hinaus (...) im Rahmen konkreter Perspektiven überhaupt nicht zu denken, so dass die tatsächliche sowjetische und kommunistische Politik hier alles andere als systemgefährdend war." Und, so Winkler (2014, S.25): "Der «Generalissimus» (ein Titel, den der sowjetische Diktator seit Ende Juni 1945 führte), glaubte zudem, sich Zeit lassen zu können." Für die Entstehung des Kalten Krieges trägt nach Loth vor allem die US-Regierung Verantwortung, da sie "aufgrund ihrer strukturellen Überlegenheit (...) die größeren Möglichkeiten (besaßen), die tatsächliche Gestaltung des künftigen sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses zu bestimmen." So hätten sie unter anderem, die sowjetischen Sicherheitsinteressen in Osteuropa eindeutiger anerkennen können, die Initiative zu einer internationalen Atomwaffenkontrolle ergreifen und der Sowjetunion und dem Osten Europas wirtschaftlich so unter die Arme greifen  können, das beide Seiten davon hätten profitieren können. Wenn die USA einen derartigen nicht-konfrontativen Kurs friedlicher Verständigung eingeschlagen hätten, so Loth (ebd.), dann wäre auch die "Asymmetrie in der Sicherheitslage beider Mächte" abgebaut worden. "Indem die amerikanische Regierung", so Loths Resümee, "die sowjetische Sicherheitssphäre de facto nicht anerkannte und die atomare und wirtschaftliche Überlegenheit, wenn auch vergeblich, zur Revision der in Osteuropa geschaffenen Lage einzusetzen versuchte, initiierte sie 1945 einen Mechanismus wechselseitiger Fehlwahrnehmungen und Konflikteskalation: Die amerikanischen Entscheidungsträger missdeuteten die Sicherheitspolitik der Sowjetunion als Beleg für prinzipiell unbegrenzten sowjetischen Expansionismus und reagierten mit der Verweigerung weiterer Kooperation; die sowjetische Führung missdeutete diese Kooperationsverweigerung als Beleg für einen notwendigerweise aggressiven Charakter des expandierenden US-Kapitalismus und reagierte mit weiterer Verhärtung ihrer Sicherheitspolitik. Dieser Circulus vitiosus ist in den Jahren nach 1945 nicht mehr unterbrochen worden; und so wurde die Blockbildung dann mehr und mehr definitiv."
Natürlich ist auch dieser Deutung von namhaften Historikern widersprochen worden, die für die Entstehung des Kalten Krieges vor allem Stalins Sowjetunion verantwortlich machten. Heute wird der Schuldfrage in der historischen Forschung keine so große Bedeutung mehr beigemessen, "da unter den damals gegebenen Umständen beide Supermächte aus unterschiedlichen Gründen starke Motive für den Eintritt in den Kalten Krieg besaßen." (Kaelble 2011, S.27)
In einer Situation, in der die europäischen Staaten selbst angesichts der allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise außerstande waren, eine Friedensordnung in eigener Regie hinzubekommen, füllten die beiden neuen Supermächte das entstandene Machtvakuum, indem sie mit ihren "gegensätzlichen globalen Missionsprogrammen" (ebd.) auch in Europa gegeneinander antraten: "die USA mit der wirtschaftlichen Liberalisierung und Demokratisierung, die UdSSR mit der wirtschaftlichen Modernisierung durch staatliche Planung und der Diktatur der Kommunistischen Partei." (ebd.) Dabei waren diese gegensätzlichen Programme kein Produkt der Nachkriegsentwicklung, sondern spielten, solange man im Kampf mit Nazi-Deutschland gemeinsame Sache machte und machen musste, eben keine entscheidende Rolle. Als ihre Gegensätzlichkeit nach dem Krieg offen zutage trag, machten sich beide Supermächte daran, ihre eigene Sicherheit global und auf europäischem Boden zu perfektionieren. Die Sowjetunion tat dies mit dem Aufbau eines Schutzschildes von Satellitenstaaten im Osten Europas und die Amerikaner mit der von ihrem Präsidenten Truman 1947 verkündeten »Containment-Politik (→Die Truman-Doktrin (1947), mit der sie das weitere Ausbreiten des sowjetischen Einflusses auf der Welt verhindern wollten. (vgl. ebd..)

Dessen ungeachtet kann die oben zitierte Darstellung Loths (ebd.) doch für sich verbuchen, die "Automatismen" offenzulegen, die entstehen, wenn in der Außenpolitik unterschiedliche Deutungen (Interpunktionen) von Ereignissen und Motiven ihre Dynamik entfalten können. Zugleich ist es auch ein Fingerzeig darauf, selbst bei sich entwickelnden Konflikten die Kommunikationskanäle so lange als nur irgend möglich offen zu halten, ohne die die jeweils unterschiedlichen Deutungsperspektiven der Konfliktparteien allzu schnell einem Interpunktionsschema folgen: Ich tue nur, weil du tust und du tust nur, weil ich tue. Ein Blick auf zeitgenössische Konflikte, die sich im Gefolge der Osterweiterung der NATO nach 1999 zwischen dem westlichen Verteidigungsbündnis und Russland (z. B. Krim-Annexion durch Russland und der Ukraine-Konflikt 2014) ergeben haben, legen dafür ein beredtes Zeugnis ab. Unter anderen politischen und gesellschaftlichen Vorzeichen lassen sich darin aber durchaus auch Analogien erkennen. Denn ähnlich wie Stalin nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederauferstehung des so genannten "»Cordon sanitaire", dem Sicherheitsgürtel von antikommunistisch und antisowjetisch ausgerichteten Staaten Ost- und Mitteleuropas durch die Installierung sowjetfreundlicher Regime einen Riegel vorschob und die von der Roten Armee besetzten Gebiete im Osten Europas zu einem "Schutzschild" machte, "der das Ursprungsland des Kommunismus wirksam vor Expansionsbestrebungen der «imperialistischen» Westmächte abschirmte und ihm zugleich die Möglichkeit gab, seine Position in Europa längerfristig weiter auszubauen" (Winkler 2014, S.30f.), so widerstrebt wohl dem heutigen Russland (2014), dass durch die Ost-Erweiterungen der NATO ab 1999, wenngleich auf dem Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Nationen beruhend, das westliche Verteidigungsbündnis bis an die Grenzen Russlands herangerückt ist.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.12.2014

 


   Arbeitsanregungen

  1. Beschreiben Sie die im Schaubild dargestellte Entwicklung.

  2. Worauf führt Wilfried Loth die Entstehung des Kalten Krieges zurück?

  3. Aus welchen Gründen spielt die Schuldfrage heute in der Geschichtswissenschaft nicht mehr so eine entscheidende Rolle?

  4. Inwiefern kann die Herausbildung der Ost-Westkonfrontation in den Jahren 1947 bis 1948 zur Erklärung moderner Krisen, wie z. B. die Ukraine-Krise 2014 herangezogen werden?

  5. Stellen Sie dar, welche Konsequenzen sich aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes für die Friedenssicherung in der heutigen Welt ergeben.

  6. Beschreiben Sie mit Hilfe der folgenden →Überblicksgrafik die Gesamtentwicklung nach dem Krieg bis zur Wiederherstellung der deutschen Einheit.
     

     
 

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