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Didaktische und methodische Aspekte

Das Vanitas-Motiv in der Bildenden Kunst

Vanitas-Lyrik (1600 - 1720)


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Fremdheitserfahrungen thematisieren

Vanitas-Motiv und Vanitas-Symboli

Kaum ein Schulbuch, welches das Kapitel ▪ Barock nicht mit mindestens einer bildlichen Darstellung aufschlägt, die einen Totenschädel oder ein Gerippe im Kontext anderer Bildelemente zeigt.

Besser, so hat es den Anschein, lässt sich das Lebensgefühl in einer Zeit, die im besonderen Maße von Krieg, Seuchen und Hungersnöten gekennzeichnet war, nicht demonstrieren und besser die volitionale Bereitschaft von Schülerinnen und Schülern kaum unterstützen, sich auf die literarischen Zeugnisse einer vergangenen und in vielerlei Hinsicht fremden Zeit einzulassen.


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Das ▪ Motiv der Vergänglichkeit (Vanitas), wie es derartige Bilder, vor allem die im Barock so populären »Vanitas-Stillleben mit ▪ unterschiedlichen Symbolen gestalten, steht dabei in der Regel vor der Rezeption und der Arbeit mit den literarischen Zeugnissen, z. B. in der Barock-Lyrik und strukturiert diese in starker Weise vor.

Unstrittig können über entsprechende Darstellungen auch für den Literaturunterricht interessante Zugänge geschaffen werden. Allerdings sollte man sich dabei auch darum bemühen, diese Abbildungen zu rekontextualisieren, um sie nicht nur als eine Art "Advance Organizer" für die sich anschließende Anlyse und Interpretation barocker Texte zu nutzen.

Vor allem sollte man bei der Behandlung der Bilder im Unterricht, vorschnellen Analogien zu heutigen "Endzeitstimmungen" entgegenwirken, mit denen die ▪ strukturelle Fremdheit der oft sehr eindringlich-plakativ Darstellungen eingeebnet wird, ehe die Spurensuche nach ihrem Sinn und ihrer Funktion überhaupt begonnen hat.


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In diesem Zusammenhang sollte auch herausgearbeitet werden, dass solche Bilder, denen, die sie sich leisten konnten, schließlich auch für repräsentative Zwecke dienten. Das allein verweist auf die strukturelle Fremdheit, die solche Bilder auszeichnet.

Sie hingen in speziellen Bildergalerien adeliger oder gut betuchter bürgerlicher Mäzene oder zierten ihre Repräsentationsräume stets in Konkurrenz zu anderen Fürsten, die ihre Prunkräume ähnlich ausstaffieren konnten.

Und in diesem räumlichen und gesellschaftlichen Kontext schufen nicht zuletzt die ein Bild umgebenden anderen Bilder und der Ort selbst, wo sie die Wände zierten, einen eigenen Bedeutungsrahmen, der mit der isolierten Betrachtung, mit der solche bildlichen Darstellungen häufig im Literaturunterricht zur Illustration eines vorher feststehenden Lernziels eingesetzt werden, wenig zu tun hat.


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Natürlich konnten Vanitas-Stillleben durchaus auch christliche Andachtsbilder sein. Trotzdem waren sie oft eben eher dazu da, einer Kultivierung des "»Bekümmertseins«" zu dienen, als der Mahnung über die Vergänglichkeit irdischen Daseins.

Und auch die Aufforderung zu einer christlichen Lebensführung, die die letzten Dinge im Sinne der christlichen Eschatologie stets vor Augen hat, dürfte dabei eher von untergeordneter Bedeutung gewesen sein.

Das Vanitas-Motiv war, so sehr es auch als Ausdruck eines allumfassenden, allzu leicht verständlichen Lebensgefühls erscheint, eben auch en vogue, war eine Mode, die der adeligen und bürgerlichen Selbstdarstellung offensichtlich gut tat, wie denen, die so gestaltete Werke als Auftragskunst angefertigt haben.

Wer diesen Aspekt entsprechend gewichtet, wird über den Zugang weniger über Bilder wählen, die Vanitas im Sinne der allgemeinen Memento-mori-Forderung "liest", sondern über Porträts, in denen Vanitas-Motive wie z. B. der fast obligatorische "Totenschädel" zu den fast unabdingbaren Stilelementen der Selbstdarstellung gehörten. Der Gedanke den Vergleich mit Profilfotos der Jugendlichen für ihre Accounts in den sozialen Netzwerken mit "Vanitas-Porträts" der Bildenden Kunst zu vergleichen, liegt dabei nahe.


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Im Unterricht könnten solchen Darstellungen mit anderen Formen von Stillleben verglichen werden, die mit  weitaus weniger plakativen, dafür aber verschlüsselt erscheinenden Bildelementen gearbeitet werden. Da diese ähnliche christliche Botschaften von ohne den unmittelbaren Fingerzeig wie z. B. die Totenschädel auskommen, um die "Auseinandersetzung zwischen dem Guten und Bösen" oder "zwischen Tod und Auferstehung" (van Lil 2007, S.470) zu vermitteln, konnte, wenn den Schülerinnen und Schülern Unterstützung bei der Enträtselung solcher Darstellungen gewährt wird, eine motivierende Spurensuche beginnen.

In Frage kämen dafür auch die sogenannten »Bücherstillleben, die immer wieder zeigen, wie die Bücher dem Zahn der Zeit genauso unterworfen sind wie alles andere auch: "Oft sind die Bücher in den Stillleben selbst bereits arg in Mitleidenschaft gezogen, und man weiß, dass das Papier bald zerfallen wird."  (van Lil 2007, S.470) So ist eben im Sinne der allegorischen Auslegung solcher Bilder auch alles Wissen letzten Endes hinfällig und besitzt vor allem im Rahmen der christlichen Eschatologie, dem Ende aller Tage und dem Jüngsten Gericht, ein Zerfallsdatum, dessen Zeitpunkt zwar nicht vorhersehbar, aber dessen ungeachtet für die Christen dieser Zeit vollkommen gewiss ist.


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Mit solchen Vanitas-Bücherstillleben, in denen die Bücher selbstverständlich auch Symbole für Gelehrsamkeit waren,"führten sich die Gelehrten die Grenzen ihres wissenschaftlichen Strebens vor Augen und mahnten sich selbst zur Bescheidenheit." (ebd.) Dabei waren derartige Darstellungen an die Gelehrten adressiert, die über den gemeinsamen Code verfügten, mit denen solche Bilder verständlich waren. (vgl. auch: Bergström 1956)

Vanitas-Motive gehörten aber auch oft zur Selbstdarstellung der belesenen Gelehrten und ihre Symbole tauchten daher auch immer wieder in Porträts auf, die als Auftragsmalerei entstanden sind. Bei alller Mahnung der Symbolik vor gelehrtem Hochmut, die den oft auftauchenden Totenschädeln innewohnt, kann doch nicht übersehen werden, dass  solche Requisiten auch einem "modischen" Zeitgeist entsprachen, gelehrte Selbstdarstellung ohne ein solches Requisit offenbar kaum vorstellbar war und in den Kreisen, in denen sie präsentiert wurde, auch erwartet worden ist.


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Fremdheitserfahrungen thematisieren

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.01.2022

   
 

 
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